Jesus Lopez Cobos. Foto: Javier del Real (2011)

Jesus Lopez Cobos. Foto: Javier del Real (2011)

Jesús López Cobos ist tot

Er war Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin von 1981-1990. Das Haus an der Bismarckstraße trauert um einen herausragenden Künstler und hochverehrten Kollegen.

Noblesse und Souveränität, Vielseitigkeit und unbeirrbare Ernsthaftigkeit der künstlerischen Arbeit – die Worte, die Intendanten, Musiker und Journalisten wählten, wenn sie die künstlerische Persönlichkeit von Jesús López Cobos beschrieben, zeigen in auffälliger Übereinstimmung, wie sehr dieser Dirigent zeitlebens das Gegenteil eines glamourösen Pultstars war. Und vermutlich wusste auch Götz Friedrich, dass er genau so einen Musiker brauchte, als er den Spanier 1981 als Generalmusikdirektor an die Deutsche Oper Berlin holte, um gemeinsam mit ihm den Erneuerungsprozess des Musiktheaters zu beginnen.

Neun Spielzeiten lang gestaltete López Cobos diese Zeit mit, die zu einer der glanzvollsten des Hauses werden sollte, und dirigierte in dieser Periode eine Vielzahl von Produktionen, die eindrucksvoll die Bandbreite seines musikalischen Interesses zeigen: Die Neuproduktion von Wagners Ring des Nibelungen in der Regie von Götz Friedrich war sicher das spektakulärste Ereignis dieser Ära, doch der stilistische Horizont von López Cobos umfasste ebenso Operetten wie Offenbachs Orpheus in der Unterwelt oder Stücke wie Meyerbeers Die Hugenotten, Bergs Lulu und Verdis La Forza del Destino.

Dabei verstand sich der Spanier stets als Ermöglicher auch kontroverser szenischer Sichtweisen, sicherte die musikalische Qualität und Präzision im Kontakt zwischen Bühne und Orchester. Gelernt hatte der 1940 im kastilischen Toro geborene López Cobos sein Handwerk bei den beiden wichtigsten Dirigierlehrern der Nachkriegszeit, bei Franco Ferrara und vor allem bei Hans Swarowsky in Wien und hatte in der Folgezeit durch den Gewinn internationaler Dirigentenwettbewerbe schon bald auf sich aufmerksam gemacht.

Schon früh kam er nach Berlin, wo er an der Deutschen Oper bereits mit 31 Jahren, am 30. April 1971, mit Puccinis La Boheme debütierte. Parallel zu seiner internationalen Karriere entwickelte sich in den Folgejahren auch seine Beziehung zu diesem Haus, wo er schon vor seinem Amtsantritt sechs Neuproduktionen dirigierte, darunter Wagners Tannhäuser und Rossinis Il Turco in Italia, aber auch die Barockoper La Calisto von Francesco Cavalli.

Nach dem Ende seiner Amtszeit als Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin wandte sich López Cobos als Chef des Cincinnati Symphony Orchestra und des Kammerorchesters Lausanne zunächst stärker dem sinfonischen Repertoire zu, bevor er 2003 als Musikdirektor des Teatro Real Madrid wieder eine Position im Opernbereich übernahm. In all diesen Jahren blieb er jedoch Berlin verbunden und kehrte regelmäßig ans Pult der Deutschen Oper Berlin zurück, zuletzt für Vorstellungen von Turandot 2012 und La Gioconda 2014. Nun ist Jesús López Cobos im Alter von 78 Jahren verstorben – in Berlin, der Stadt, die für seine Laufbahn als Mensch und Musiker die entscheidende Rolle gespielt hat. Die Deutsche Oper Berlin trauert um einen herausragenden Künstler und hochverehrten Kollegen, wie das Institut mitteilt.

Diskographisch gibt es einige Dokumente, die das Wirken von Jesús López Cobos dokumentieren, etwa der live aufgenommene Rigoletto mit Piero Cappuccilli und Giacomo Aragall. Vor allem die beim Label Telarc mit dem Cincinnati Symphony Orchestra in hervorragender Klangqualität aufgenommenen CDs mit Albeniz, Dukas, Villa-Loboz oder Respighi haben mit dazu beigetragen, dass der Spanier auch im sinfonischen Repertoire anerkannt war, er legte auch Aufnahmen mit Sinfonien von Mahler und Bruckner vor.