Justin Doyle beim Antrittskonzert als Chef des RIAS Kammerchores. Foto: Matthias Heyde

Justin Doyle beim Antrittskonzert als Chef des RIAS Kammerchores. Foto: Matthias Heyde

Justin Doyles' Debut als neuer Chef

Justin Doyle hat die Übernahme des Chefpostens beim RIAS-Kammerchor mit zwei Monteverdi-Aufführungen an zwei verschiedenen Orten Berlins begangen. Saori Kanemaki war für das FONO FORUM dabei.

Justin Doyle eröffnete den Abend als neuer Chefdirigent des RIAS Kammerchors mit der Gonzaga-Fanfare Monteverdis und führte mit dem Chor und dem Ensemble Capella de la Torre zum 450. Geburtsjahr des Komponisten dann dessen Marienvesper und die Missa in illo tempore auf, die der Komponist 1610 als Widmung an Papst Paul V. miteinander verband.

Die Aufführungen fanden an zwei verschiedenen Spielstätten statt, dem Pierre Boulez Saal und der daneben liegenden St. Hedwigs-Kathedrale. Es war wahrscheinlich kein Zufall, dass Monteverdi damals diese zwei geistlichen Stücke für die Widmung an den Papst auswählte, denn er wollte dem Bistum Rom sein kompositorisches Können in der damals gebräuchlichen ebenso wie in einer neuartigen Stilistik vorführen.

Doyle profitierte von diesem Sonderprogramm in zwei Räumen mit unterschiedlicher Raumakustik und eroberte diese mit seinem musikalischen Feingefühl, indem er den Chor klanglich raffiniert einsetzte.

Monteverdi zitiert das Anfangsmotiv der Toccata aus der 1607 entstandenen Oper L’ Orfeo selbstreflexiv in der Marienvesper, wodurch die Musik eher weltlich als geistlich erscheint. Nicht zuletzt dieser musikalische Hintergrund überzeugte von der Variante, diese eigentlich sakrale Musik nicht in einer Kirche, sondern im weltlichen Pierre Boulez Saal aufzuführen.

Die Musik, die vom Komponisten bereits klangdramaturgisch mit Echowirkung zwischen den Stimmen angelegt ist, wurde an diesem Abend im Saal auch dementsprechend räumlich inszeniert; Solisten und Instrumentalisten bewegten sich im Raum und agierten sowohl auf dem Parket als auch auf dem Rang, was eine schöne theatralische Stimmung entstehen ließ.

Der gemeinsame Gesang der Tenöre Thomas Hobbs und Andrew Staples war vor allem beim „Duo Seraphim“ im Nietzscheschen Sinne apollinisch-dionysisch: Hobbs’ Stimme verbreitete sich im Raum mit klangsinnlicher Tiefe und Breite während Staples seine Partie mit Passion artikulierte. Einen schönen Kontrast zu den männlichen Solostimmen ergab sich durch die Sopransolisten – Hannah Morrison und Dorothee Mields. Mit ihren warmklingenden tieferen und den prächtigen, heiteren hohen Stimmen verschönten sie die Andacht der Musik. Die Besetzung des Werks ist von ein- bis zehnstimmig umfangreich und der Chor intonierte unter der Leitung von Doyle musikalisch sehr dynamisch. Musikalische Feinheit gepaart mit aufrichtiger Leidenschaft ist beim RIAS Kammerchor angesagt.

Die Aufführung von Monteverdis Missa in illo tempore in der St. Hedwigs-Kathedrale begann völlig unüblich mit dem gemeinsamen Einzug des Chores und seines Dirigenten Justin Doyle zu den Klängen der Toccata aus L’ Orfeo. Das passte sehr gut zu dem Verhältnis, das Doyle zum Chor hat. Er ging an diesem Abend sehr kooperativ und vertraulich mit ihm um.

Die Verschmelzung von Orgel und Chor führte beim zusätzlich beigefügten Mottetto Adoramus te, Christe zu einem phänomenalen Moment, bei dem die Musik den runden, überkuppelten Kathedralraum ausfüllte. Das Spiel des Ensembles Capella de la Torre verlor seinem musikalischen Enthusiasmus entsprechend manchmal die Kontrolle und Balance im Gegensatz zu der charmanten Musikalität der Sänger.

Der Antritt von Justin Doyle als Chefdirigent des RIAS Kammerchors forderte ihn gleich mit mehreren musikalischen Aufgaben heraus. Seine integre und lebendige Auseinandersetzung mit dem RIAS Kammerchor war dabei bereits sehr positiv zu spüren und man darf sich auf weitere Konzerte mit Doyle und seinem Chor freuen.