Neuer Bremer Ehren-Stadtmusikant: Rolando Villazòn. Foto: Harald Hoffmann/Deutsche Grammophon

Neuer Bremer Ehren-Stadtmusikant: Rolando Villazòn. Foto: Harald Hoffmann/Deutsche Grammophon

Kein Geld, aber Ehre - und etwas PR

Da hat die Jury des Musikfestes Bremen recht: Erzählerisches Feuer attestiert sie Rolando Villazón. Der Mexikaner debütiert in der Partie von Monteverdis Orfeo in Bremen.

Der mexikanisch-französische Tenor Rolando Villazón erhält den Musikfest-Preis Bremen 2016. Mit dem undotierten Preis zeichnet das Festival seit 1998 jährlich bedeutende Solisten, Ensembles, Orchester und Dirigenten aus, die durch ihr herausragendes künstlerisches Wirken in der internationalen Musikwelt eigenständige Akzente gesetzt und das Profil des Musikfests entscheidend mitgeprägt haben. Preisträger der vergangenen Jahre waren u. a. Jessye Norman, Nikolaus Harnoncourt, Sir András Schiff, Marc Minkowski, Hélène Grimaud, Masaaki Suzuki, Ottavio Dantone und Janine Jansen.

Rolando Villazón, 1972 in Mexiko City geboren, besuchte die deutsche Schule in seiner Heimatstadt und begann seine musikalische Ausbildung am dortigen Konservatorium, bevor er Mitglied der Nachwuchsprogramme an den Opernhäusern in Pittsburgh und San Francisco wurde. 1999 gewann er mehrere wichtige Preise bei Plácido Domingos „Operalia“-Wettbewerb und machte die internationalen Musikszene auf sich aufmerksam. Eine Serie sensationeller Debüts führte rasch zu internationalem Erfolg: In Rollen wie Alfredo („La Traviata“), Nemorino („L’elisir d’amore“), Duca di Mantova („Rigoletto“), Don Carlo, Faust, Werther, Lenski („Eugen Onegin“), Hoffmann, Rodolfo („La Bohème“), Roméo („Roméo et Juliette“) und Des Grieux („Manon“) gastierte er weltweit an den großen Opernhäusern. Daneben agiert der überaus vielseitige Künstler zudem erfolgreich als Opernregisseur, Schriftsteller, Cartoonist und Moderator in Fernsehproduktionen.

Sein Musikfest-Debüt gab Rolando Villazón 2012, als er sich begleitet vom Kammerorchester Basel unter der Leitung von Rinaldo Alessandrini mit Konzertarien von Wolfgang Amadeus Mozart vorstellte. Im darauffolgenden Jahr war er in einer Koproduktion mit der Stiftung Mozarteum/Mozartwoche Salzburg und den Salzburger Festspielen in der Titelrolle von Mozarts Oper „Lucia Silla“ zu erleben, die von Marc Minkowksi am Pult seiner Musiciens du Louvre geleitet wurde. Zum 25. Musikfest-Geburtstag in 2014 gestaltete er mit Emmanuelle Haïm und dem Concert d’Astrée ein „Fest für Monteverdi“, in dem neben dessen „Il combattimento di Tancredi e Clorinda“ weitere Arien und Madrigale des Komponisten zur Aufführung gelangten.

„Rolando Villazón erreicht mit seiner Stimme, seiner Ausdruckskraft und seiner grenzenlosen Leidenschaft eine unvergleichliche Bühnenpräsenz. Mit einem erzählerischen Feuer und einem Zugang abseits rein stilistischer Fragen macht er sich seine Rollen zu eigen und setzt dabei nicht bloß auf schönen Klang, sondern verschreibt sich immer der Verpflichtung, die Musik als Klangerzählung aus dem Augenblick erstehen zu lassen. Damit gelingen ihm Rollenportraits, die mit Dramatik und Emphase aufgeladen, bis zum Kern der Kompositionen vordringen und in seinen Interpretationen extreme Gefühlswelten förmlich greifbar machen. Auf diese Weise verleiht er der Gattung Oper bestechende Aktualität und erweckt mit seinem heutigen Zugriff Partituren aus den verschiedensten Jahrhunderten taufrisch zum Leben“, begründet die Jury die Entscheidung.

Im diesjährigen Musikfest gibt Rolando Villazón am Samstag, 03. September, sein Rollendebüt als Titelheld in Claudio Monteverdis „L’Orfeo“ in der Bremer Glocke. Die konzertante Aufführung mit Madgalena Kozená als Messagiera und weiteren Solisten wird von Christina Pluhar geleitet, die dafür mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata nach Bremen kommt. Der Musikfest-Preis, eine handgegossene „Orpheus“-Bronze des Bremer Bildhauers Bernd Altenstein, wird Rolando Villazón im Bremer Rathaus anlässlich seines Eintrags in das Goldene Buch der Stadt verliehen.