Die New York Philharmonic unter Alan Gilbert in der Philharmonie Essen mit Gesangssolistin Christina Landshamer. Fotograf: Sven Lorenz.

Die New York Philharmonic unter Alan Gilbert in der Philharmonie Essen mit Gesangssolistin Christina Landshamer. Fotograf: Sven Lorenz.

Klangschön zerklüftet

Das New York Philharmonic Orchestra dreht mit seinem scheidenen Chef Alan Gilbert eine Ehrenrunde durch Europa. Auch in Essen machte es Station und spielte dabei Mahlers IV.

Die Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta von Béla Bartók ist eines jener Stücke, bei deren Aufführungen man sich fragen kann, warum es so selten im Konzert zu hören ist. Natürlich schmeicheln die herben Steigerungen und fragmentarischen Melodie-Versatzstücke nicht jedem Ohr. Wenn man aber einer Aufführung wie der durch die New York Philharmonic unter ihrem scheidenden Chef Alan Gilbert beiwohnen darf, wird diese Frage umso dringender. Das Orchester hat die Fähigkeit (wie alle Spitzenorchester) auch im niedrigen Dezibelbereich klangschön und intensiv zu musizieren. So konnte man die fein von Volkslied und Kunstkonzept durchwebte Partitur hörend nacherleben. Eine emotionale Aufladung dessen vermied Gilbert.

Mit Gustav Mahler hat das Gespann NYP und Gilbert sich manche Meriten erworben. Auch die Aufführung der vierten Symphonie in der leider bei weitem nicht voll besetzten Essener Philharmonie überzeugte durch die Balance aus Klangsinn und der Bereitschaft, das Zerklüftete wirken zu lassen - ohne die von Mahler angelegten Gräben aber über Gebühr zu dehnen. So gingen Form- und Klangsinn eine überzeugende Beziehung ein. Sopranistin Christina Landshamer vermochte dies mit solidem Vortrag der aufgrund ihrer Tessitur für den Sopran stets undankbaren himmlischen Freuden nicht zu überhöhen. Der Solohornist des Orchesters hingegen wurde zurecht gefeiert.