Klassik in der Krise? Von wegen!

Vom 17. bis 21. Januar 2017 präsentieren die deutschen Musikhochschulen erstmalig gemeinsam neue Konzertformate ihrer Studierenden in Berlin. Als Künstlerischer Leiter der Reihe konnte Prof. Dr. Sebastian Nordmann, Intendant des Konzerthaus Berlin, gewonnen werden.

Ziel der neuen Konzertreihe ist es, sowohl die auftretenden Studierenden als auch das Publikum einzuladen, sich abseits der Traditionen des klassischen Musikbetriebs auf neue Zugänge und Erfahrungen mit klassischem und zeitgenössischem Repertoire einzulassen.

Drei Musikhochschulen und ein Orchester, welches sich aus Studierenden verschiedener Hochschulen zusammensetzt, zeigen in dieser Konzertreihe außergewöhnliche und interdisziplinäre Projekte.

Den Auftakt macht am 17.01.2017 im Konzerthaus Berlin die „Feuervogel Suite“, eine kammermusikalische Realisierung der Ballett-Suite von Igor Strawinsky mit Tänzerinnen und Tänzern. Im Rahmen dieser Performance wird dem Publikum zunächst in einer Einführung die Möglichkeit geboten, sich unter professioneller Anleitung körperlich mit Bewegungsmaterial und -konzepten des Projektes auseinanderzusetzen. Das Publikum erhält somit die Chance, den anschließenden Auftritt der Studierenden auf besondere Weise wahrzunehmen.

Am 18.01.2017 stellt die diesjährige Echo Klassik Preisträgerin im Hamburger Bahnhof die Frage: „Asya Fateyeva - Is it real?“ Den historischen Hintergrund des Veranstaltungsortes wörtlich nehmend, lädt das künstlerische Team um die Saxophonistin zu einer Konzertperformance über das "Dazwischen-Sein" an. Mit Musik von Händel, Purcell und Thomas Kessler wird das Fremdsein des Saxophons im Barock in einen gesellschaftlichen Kontext gesetzt.

Mit „#freeschubert“ steht am 19.01.2017 im Konzerthaus Berlin Franz Schuberts „Große Symphonie in C-Dur“ einmal ganz anders auf dem Programm. STEGREIF – the improvising symphony orchestra schafft mit Hilfe freier Improvisationen, Jazz, Folklore, Techno und Performances ein außergewöhnliches Konzerterlebnis ganz ohne Noten und Dirigent.

Den Abschluss der Reihe bildet am 21.01.2017 im Musikinstrumenten-Museum das „Dunkelkonzert - Der Tod und das Mädchen“. Schon Schuberts Streichquartett auswendig zu spielen, dürfte für viele Musikerinnen und Musiker eine Herausforderung darstellen. Das vision string quartet geht noch einen Schritt weiter: Die vier Mitglieder schaffen es, das Werk in einem verdunkelten Saal auf höchstem Niveau darzubieten. Das Publikum erhält dadurch die Chance, den eigenen Gehörsinn zu schärfen und Raum und Zeit um sich herum zu vergessen.

Statement des Künstlerischen Leiters Prof. Dr. Sebastian Nordmann zur Konzertreihe: „In den letzten 20 Jahren hält sich hartnäckig die These, die Klassische Musik stecke in der Krise. Bei genauerem Hinsehen stellt man allerdings fest, dass in Deutschland sowohl die Anzahl der Konzerte als auch die Zahl ihrer Besucher steigt. Der Markt steckt nicht in der Krise, sondern er ist vielmehr im Wandel. Traditionelle Konzertabläufe und der klassische Programmkanon ändern sich ebenso wie das Hörverhalten der Besucher. Damit dieser Wandel nicht zu einer Form der „Häppchenkultur“ führt, gestalten wir ihn aktiv. Das bedeutet, innovative Formate zu finden und zugleich unseren Qualitätsanspruch zu bewahren. Die deutschen Musikhochschulen können zu wichtigen Orten dieser Entwicklung werden. Unsere Konzertreihe bietet ihnen ein Schaufenster, in dem musikalische Traditionspflege und Innovation gleichermaßen zur Geltung kommen.“