Olivia Trummer. Foto: Dietmar Scholz

Olivia Trummer. Foto: Dietmar Scholz

Klingende Farben der Freiheit

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele setzen auf große musikalische Vielfalt von Musik aus Mali über verjazzten Händel bis zu modernen Tanzperformances. Und natürlich gibt es auch viel Klassisches für Auge und Ohr.

»Die Farben der Freiheit« grundieren die Ludwigsburger Schlossfestspiele, die vom 4. Mai bis 22. Juli 2017 stattfinden. La Fura dels Baus, Salif , Jordi Savall, Khatia Buniatishvili, Franui, Menahem Pressler, Igor Levit und Vincent Klink sind nur ein paar Künstler der Saison 2017, die sich die Freiheit nehmen, sich auch außerhalb der üblichen Genregrenzen zu bewegen. Auch die Tanzproduktionen des Ballett am Rhein um Choreograf Martin Schläpfer und Alain Platels neues Tanztheater »Nicht schlafen« versprechen bereichernde Entdeckungen. Neben Ludwigsburg bieten die Schlossfestspiele besondere Konzertmomente auch in Bietigheim-Bissingen, Haigerloch, Salem, Stuttgart, Tamm, Wertheim und Wolfegg.

Passend zum Motiv der Saison – Die Farben der Freiheit – stellt der Philosoph, Historiker und Autor Philipp Blom in seiner Eröffnungsrede Überlegungen über Freiheiten und Menschenrechte in einer globalisierten Welt an. Im Fokus des Eröffnungskonzerts (4.5.) stehen Dmitri Schostakowitschs Cellokonzert Nr. 1, das kurz nach Stalins Tod entstanden ist und einem kreativen Befreiungsschlag des Komponisten gleicht, sowie Jean Sibelius’ Lemminkäinen-Suite, die maßgeblich zur Identitätsstiftung in seiner von Russland besetzten finnischen Heimat beigetragen hat.

Der malische Musiker Salif (11.5.) tritt als musikalischer Botschafter für die Freiheit auf. Trotz seines Albinismus, der in seiner Heimat bis heute als Makel gilt, gehört er inzwischen zu den bekanntesten Vertretern der westafrikanischen Musik. Die Song Conversation (20./21.5.) mit Bassekou Kouyaté, Corey Harris und Joachim Kühn verfolgen die Routen der Sklavenschiffe und zeigen die Verbindungen zwischen der malischen Musik, dem Blues und dem Jazz auf.

Igor Levit (9.7.) widmet sich den 24 Präludien und Fugen des Komponisten Dmitri Schostakowitsch, die seinerzeit von den sowjetischen Machthabern als Provokation empfunden wurden. Leonard Bernstein, George Gershwin und Sergei Rachmaninow feiern mit ihren Kompositionen, die in den »American Dreams« (29.6.) erklingen, die Freiheit, die ihnen in Amerika zuteil wurde. Die Lesung »Welt aus den Fugen« (16.7.) des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert beschießt diesen thematischen Schwerpunkt indem er Texte von Friedrich Schiller und Hans Magnus Enzensberger mit Berichten über den Kampf um Aleppo kontrastiert.

Neben dem Eröffnungskonzert und den »American Dreams« spielt das Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele auch beim Klassik Open Air & Feuerwerk (15.7.) und bei der Wagner-Gala (22.7.) unter der Leitung seines Chefdirigenten Pietari Inkinen. Für letztere konnten die Schlossfestspiele die beiden Wagner-Interpreten Christine Goerke und Simon O’Neill als Liebespaar Brünnhilde und Siegfried gewinnen.

Das katalanische Theaterkollektiv La Fura dels Baus (1./2.6.) lässt sich für seine Inszenierung von Joseph Haydns »Die Schöpfung« nicht nur von der biblischen Schöpfungsgeschichte sondern auch von den Erkenntnissen naturwissenschaftlicher Forschung inspirieren. In einer multimedialen Inszenierung werden sie Wissenschaft, Musik und Mystik miteinander verschmelzen lassen. Das Insula Orchestra und der Chœur Accentus musizieren unter der Leitung der französischen Dirigentin Laurence Equilbey während die Gesangspartien Sunhae Im, Martin Mitterrutzner und Daniel Schmutzhard übernehmen. Im Vorfeld der Deutschlandpremiere diskutiert Philipp Blom beim LKZ-Podium (31.5.) zum Thema »Schaffen wir die Schöpfung – schafft die Schöpfung uns?« mit Professoren der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg aus den Fachgebieten Theologie und Musik sowie dem Wissenschaftsastronauten Ulf Merbold.

Danish String Quartett & Dreamers’ Circus (14.5.) kombinieren Streichquartette von Joseph Haydn und Alfred Schnittke mit nordischer Folk Music und wechseln wie selbstverständlich zwischen Kunstmusik und traditionellen Volksweisen. Für »Rejoice, rejazz!« (11.6.) hat Olivia Trummer Melodien von Georg Friedrich Händel neu arrangiert, um sie mit ihrer Band aufzuführen.

Die Vokalmusik ist in ihrer ganzen Bandbreite zu erleben: So ist der eigens für Mark Padmore (22.6.) geschriebene »A Padmore Cycle« genauso zu erleben wie die Deutschlandpremiere des Liederabends »Alles wieder gut« von Franui & Florian Boesch (2.7.). Alexandre Tharaud lässt in »Le Blues Chanté« (16.7.) zusammen mit Jean Delescluse das Paris der 1920er-Jahre wieder aufleben.

Nachdem die Pianisten Alexandre Tharaud, Simon Joachim Kühn, Olivia Trummer und Jean-Yves Thibaudet mit Duo-Partnern, Band und Orchester ihr Instrument als Teil unterschiedlichster Ensembles präsentiert haben, konzentrieren sich Khatia Buniatishvili (28.6.), Menahem Pressler (7.7.) und Igor Levit (9.7.) auf den solistischen Vortrag.

Nur zwei Wochen nach der Uraufführung von Martin Schläpfers Choreografie zu Gioacchino Rossinis »Petite Messe solennelle« in Düsseldorf bringt das Ballett am Rhein (21.6.) diese in Ludwigsburg auf die Bühne. Zu Gustav Mahlers Musik und traditionellen Gesängen aus dem Kongo lässt Alain Platel seine Kompanie Les Ballets C de la B in »Nicht schlafen« (24./25.6.) eindrucksvolle Bilder erschaffen.