Mahler-Fahrrad. Foto: Komponistenquartier Hamburg

Mahler-Fahrrad. Foto: Komponistenquartier Hamburg

KQ - eine Stadt und ihre Musikheroen

Manche waren sesshaft, für andere war es eine Stufe auf der Karriereleiter: Hamburg erinnert mit sechs Museen im KomponistenQuartier (KQ) an Große in der Musik.

Das Hamburger KomponistenQuartier ist komplett! Ende Mai zogen mit Gustav Mahler und den Geschwistern Fanny und Felix Mendelssohn die letzten drei Musiker in das Museen-Viertel im Herzen der Hansestadt. Nun können die Besucher in sechs Museen in sieben Komponistenleben und zwei Jahrhunderte lebendige Musikgeschichte eintauchen. Moderne Medien vermitteln anschaulich, was die Musiker über sich und die Hansestadt zu erzählen haben. Neben den drei Neuzugängen lernen die Gäste die Arbeits- und Lebensweise von Georg Philipp Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Adolf Hasse und Johannes Brahms kennen.

Im KomponistenQuartier, kurz KQ, lässt sich die Musikstadt Hamburg neu entdecken. „Hier wird die musikalische Geschichte Hamburgs lebendig", schwärmt Kent Nagano. Der US-amerikanische Dirigent ist Schirmherr des KQ. Das KQ liegt nur einen Steinwurf vom Michel entfernt, in der idyllischen, von Bürger- und Kaufmannshäusern gesäumten Peterstraße. Das Museums-Viertel ist das Ergebnis großen bürgerschaftlichen Engagements.

Hinter dem Trägerverein „Komponisten-Quartier Hamburg e.V." stehen neben der Carl-Toepfer-Stiftung, die mit einem außerordentlichen finanziellen Engagement das Museumensemble unterstützt, Institutionen wie die Telemann-Gesellschaft, die Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Gesellschaft, die Hasse-Gesellschaft Bergedorf, die Fanny und Felix Mendelssohn-Gesellschaft, die Johannes-Brahms-Gesellschaft sowie die Gustav Mahler Vereinigung und die Hochschule für Musik und Theater, Hamburg.

„Man kann gar nicht dankbar genug sein für die Initiativen des KQ und deren Ausstellungen, Konzerte, Kursprogramme und musikpädagogischen Angebote", sagt Kent Nagano. „Es sind diese Initiativen, die das kulturelle Erbe unserer Stadt lebendig halten."

„Die Geschwister Mendelssohn und Gustav Mahler gehören zu den ‚Großen' der Musik- und Kulturgeschichte Hamburgs und Europas", findet Nagano. Seiner Meinung nach widerspiegeln ihre Biografien „einerseits Aufbruch und Hoffnung auf eine aufgeklärte Bürgergesellschaft innerhalb eines modernen Nationalstaates mit demokratischer Verfassung, Industrialisierung und wachsendem Wohlstand. Andererseits die großen sozialen Unterschiede und den aufkommenden Nationalismus.

"Die Komplettierung des KQ wird von einem üppigen, dreiwöchigen Eröffnungsprogramm umrahmt. Den Auftakt bildet am Sonntag, 27. Mai um 17 Uhr „Fanny und Felix Mendelssohn – Ein Dialog" im quartiereigenen Lichtwarksaal. Gestaltet wird er von Mitgliedern der Camerata Hamburg, den Schauspielern Muriel Bielenberg und Sebastian Doppelbauer sowie den Wissenschaftlern Professor Julius H. Schoeps und Professorin Beatrix Borchard. Am Sonntag, 3. Juni lädt das Quartier ab 13 Uhr unter dem Motto „Musik erzählt Geschichten" zum Familiennachmittag. Kinder bis 14 Jahre und ihre Eltern haben freien Eintritt. Am Mittwoch, 13. Juni gestaltet die Schweizerin Beatrice Berrut ab 19.30 Uhr im Lichtwarksaal einen Klavierabend, es erklingen unter anderem Werke Gustav Mahlers. Den Einführungsvortrag hält Dr. Alexander Odefey. Am Freitag, 15. Juni, 19 Uhr hält Professor Peter Ruzicka den Festvortrag „Mahler-Bild". Für die musikalische Umrahmung sorgen der Bariton Dietrich Henschel und der Pianist Fritz Schwinghammer.

Am Sonntag, 17. Juni lädt das KQ um 11.30 Uhr zu einer Lied-Matinee mit der Altistin Gerhild Romberger und dem Pianisten Alfredo Perl. Das Duett präsentiert Werke von Gustav Mahler, Erich Wolfgang Korngold und Alexander Zemlinsky. Karten gibt es bei der Konzertkasse Gerdes Rothenbaumchaussee 77, Telefon 040/ 45 33 26.

Für den Dirigenten und Komponisten Gustav Mahler (1860-1911) war Hamburg eine wichtige Station auf der Karriereleiter. Die Ausstellung beleuchtet unter anderem seinen Arbeitsalltag als Erster Kapellmeister des Hamburger Stadt-Theaters, das er von 1891 bis 1897 leitete. Mahler trieb seine Musiker zu Höchstleistungen an und wurde einer der populärsten Dirigenten seiner Zeit. Die Besucher lernen außerdem die wichtigsten Weggefährten Mahlers, seine Leidenschaft fürs Fahrradfahren, seine Affäre mit einer Hamburger Sopranistin sowie seine geistige Welt kennen - und erfahren, warum er als kompositorischer Wegbereiter der Moderne gilt.

Wie sah eigentlich der Alltag der jüdischen Familie Mendelssohn in Hamburg aus? Wie erging es Felix (1809-1847) als „Wunderkind"? Und warum durfte Fanny (1805-1847) trotz ihres großen Talents als Pianistin und Komponistin keine Berufsmusikerin werden? Diesen und anderen Fragen geht die Ausstellung auf den Grund. Erzählt wird auch ein „Forschungskrimi" rund um Fannys wiederentdeckten Klavierzyklus „Das Jahr".

Auch die übrigen vier Museen haben jeweils einen eigenen Schwerpunkt. Das Hasse-Haus legt den Fokus auf die Oper, das Bach-Haus auf die Bedeutung der Kammermusik für das aufstrebende Bürgertum, das Telemann-Museum auf die Kirchenmusik und das Brahms-Museum blickt vor allem auf Brahms erste drei Lebens- und Lehrjahrzehnte in Hamburg.