Die Oper in Lüttich. Foto: Lorraine Wauters

Die Oper in Lüttich. Foto: Lorraine Wauters

Kreuzfahreroper für Paris

Ein Schlachtengemälde kombiniert mit Momenten der persönlichen Schicksale hat Verdi mit seiner Kreuzfahreroper "Jerusalem" ganz nach dem Geschmack der Pariser "Grand Opéra" geschrieben. Lüttich macht diese Tradition lebendig.

Mit der Neuinszenierung von Guiseppe Verdis Oper „Jérusalem" zeigt die Opéra Royal de Wallonie-Liège erneut eine Rarität (Premiere 17. März 2017). Das Werk setzt den Fokus auf den Komponisten fort, der im Herbst 2016 mit „Nabucco" eingeleitet wurde und im Juni 2017 mit der Wiederaufnahme von „Otello" beschlossen wird. Für die Regie von „Jérusalem" zeichnet der Intendant des Hauses, Stefano Mazzonis di Pralafera, verantwortlich. Am Pult steht die junge, aufstrebende Dirigentin Speranza Scappucci. Der Tradition entsprechend sind die Hauptrollen hochkarätig besetzt: Zu erleben sind Elaine Alvarez (Hélène), Marco Spotti (Roger) und Marc Laho (Gaston). Folgeaufführungen finden am 19., 21., 23. und 25. März statt. Die Vorstellung am 21. März wird live bei Culturebox gestreamt und ist anschließend on demand verfügbar. 

Bei „Jérusalem" handelt es sich um Verdis Adaption von „I Lombardi alla prima crociata" für die Opéra de Paris – beides Frühwerke des Komponisten, die heute nur selten aufgeführt werden. Nach dem internationalen Erfolg von „I Lombardi" hatte auch die Pariser Oper Interesse an einer Grand Opéra. Weil die Zeit für eine völlige Neuschöpfung aber nicht ausreichte, entschied sich Verdi für die französische Fassung eines älteren, aber in Paris noch nicht gezeigten Werks.

Sowohl Libretto als auch Musik unterscheiden sich allerdings so stark von „I Lombardi", dass kaum von einer zweiten Fassung, sondern vielmehr von einem eigenständigen Werk gesprochen werden kann. Nach der Uraufführung im Jahr 1847 war die Oper jahrzehntelang auf den Spielplänen zu finden – aber fast nur in Frankreich. Mit dieser Repertoireerweiterung geht die Oper in Lüttich ihrer Mission nach, Opernraritäten neue Sicht- und Hörbarkeit zu verschaffen, wie in der vergangenen Saison bereits mit Verdis „Ernani" sowie Aubers „Manon Lescaut". 

In der Rolle der Hélène ist die kubanisch-amerikanische Sopranistin Elaine Alvarez zu erleben, die letztes Jahr in Lüttich die Elvira in „Ernani" übernahm. Sie war Ensemblemitglied der Oper Leipzig und gastierte bereits an der Oper Frankfurt, der Bayerischen Staatsoper und der Opéra National de Bordeaux sowie an zahlreichen Opernhäusern in Nordamerika.

Den italienischen Bass Marco Spotti (Roger) und gefragten Verdi-Interpreten führen kommende Engagements u.a. an die Metropolitan Opera in New York und die Semperoper in Dresden. In die Rolle des Gaston schlüpft der Lütticher Tenor Marc Laho, regelmäßiger Gast am Opernhaus seiner Heimatstadt. Er ist v.a. in französischsprachigen Ländern bekannt, gab jüngst aber auch sein erfolgreiches Debüt an der Oper Stuttgart, in der Titelpartie von Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen" in einer umjubelten Inszenierung von Christoph Marthaler.  

Das Orchester der Oper in Lüttich hat sich als Ensemble von internationalem Format etabliert und legte bereits zahlreiche Alben vor. Geleitet wird es bei dieser Produktion von der jungen, vielversprechenden Dirigentin Speranza Scappucci. Die an der Juilliard School und am Conservatorio di Musica Santa Cecilia in Rom ausgebildete Pianistin fand erst spät an das Dirigentenpult und gab im Jahr 2012 ihr Dirigentinnendebüt an der Yale Opera in Mozarts „Cosi fan tutte". Seitdem hat sich ihre Karriere rasant entwickelt. In der Saison 2016/17 führen sie weitere Engagements an die Opera di Roma, ans Opernhaus Zürich und – bereits zum dritten Mal – an die Wiener Staatsoper.