Komponist Mark Andre. Foto: Manu Theobald

Komponist Mark Andre. Foto: Manu Theobald

Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat den evangelischen Komponisten Mark Andre mit seinem Kunst- und Kulturpreis ausgezeichnet. Jury und Festakt waren hochkarätig besetzt.

Der deutsch-französische Komponist Prof. Dr. Mark Andre (52) hat in Leipzig den mit 25.000 Euro dotierten „Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken" erhalten. Die Verleihung fand in der katholischen Propsteikirche St. Trinitatis statt, die 2015 für die wachsende Leipziger Stadtgemeinde erbaut wurde. Vor rund 400 Gästen aus Kultur, Kirche, Politik und Medien würdigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, den Preisträger Mark Andre als „Musik-Avantgardisten", der „kein abgehobener Mensch ist, sondern einer, der zuhört, der bescheiden ist". Kardinal Marx hob insbesondere Mark Andres Hauptwerk, die Oper Wunderzaichen hervor: „Kann Kunst avantgardistischer, also vorantreibender, aktueller, ökumenischer sein?", so Kardinal Marx. 

In seiner Ansprache lenkte Kardinal Marx den Blick auf das Verhältnis von Kirche und Avantgarde. Dabei gehe es um eine Offensive sozialer Sensibilität, sinnbezogener Lebensperspektiven und intellektueller Redlichkeit in einer Zeit, die von der Versuchung zur Vereinfachung und Gewalt bedroht sei. Kardinal Marx erinnerte neben dem Interesse an der Avantgarde auch an die Breitenwirkung der Musik, die ebenso notwendig sei: „Deshalb fördern wir mit Überzeugung und Freude ein Laienchorwesen, das weltweit seinesgleichen sucht. In rund 18.000 katholischen Chören und Musikensembles sind 374.000 Laienmusiker zusammengeschlossen."  

Der Komponist Prof. Jörg Widmann, der die erste der beiden Laudationes hielt, sagte über den Preisträger: „Es ist radikal, sperrig und un-erhört – sein tastendes Suchen und die Erkundung klanglicher Grenzzonen sind einzigartig." Die zweite Laudatorin, Ordensschwester Prof. Dr. Margareta Gruber OSF, betonte in ihrer Rede den ökumenischen Bezug: „Andre ist evangelischer Christ, in Frankreich geboren, ein Nachkomme der von der katholischen Kirche fast ausgerotteten Hugenotten. Im Jahr des Reformationsgedenkens (...) ist diese Ehrung eines von vielen Zeichen dieses Jahres, das die Versöhnung unter den Konfessionen symbolisiert."  

Das Votum der Jury unter Vorsitz des Cellisten Prof. Julius Berger ehrt Mark Andre als „Avantgardist, der nicht nach Gefälligkeit, Popularität oder gar Marktförmigkeit schielt; er weiß sich einzig der Suche nach dem anderen, dem neuen Klang verpflichtet und scheut vor dem Experiment nicht zurück." Bei dem Festakt wurden Filmmitschnitte aus der Oper Wunderzaichen gezeigt – die Geschichte eines zeitreisenden Mystikers, der nach Israel zu den Stätten Jesu möchte, aber bereits am Flughafen an der Einreise gehindert wird.  

Bei der Übergabe der Preisurkunde verwies der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Thomas Sternberg, auf eine derzeitige „neue Annäherung von weltlicher und geistlicher Musik, von öffentlicher und kirchlicher Kulturarbeit". Es sei eine deutliche Zunahme von Konzerten zu verzeichnen, in denen geistliche Musik im weitesten Sinne, Musik mit religiösen Bezügen erklinge. An den Preisträger gewandt, sagte Prof. Sternberg: „Ich hoffe, dass es uns gelingt, mit der Preisverleihung an Sie solche Impulse zu stärken."  

Mark Andre dankte für die Zuerkennung des Kunst- und Kulturpreises der deutschen Katholiken: „Mir geht diese hohe Auszeichnung nahe, zumal sie ja von christlicher Seite und damit im weiteren Sinne sozusagen aus dem Hause Gottes kommt." In seiner Rede richtete er einen ökumenischen Appell an die Gäste: „Möge die Kraft des Heiligen Geistes und damit die uns eigene uns helfen, in einer einheitlichen Kirche wieder zusammenzukommen!" An diesen Appell anknüpfend, griff Jörg Widmann zu seiner Klarinette und spielte Andres Stück „Atemwind", das motivisch Bezug auf Johannes 3,8 nimmt: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht." 

Der Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken ist die höchste Auszeichnung der katholischen Kirche auf dem Kultursektor. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird für herausragende künstlerische und kulturelle Leistungen vergeben. Mit dieser Stiftung leisten die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken einen Beitrag zur Förderung der Begegnung von Kirche und moderner Kultur.  

Der Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken wird seit 1990 abwechselnd alle zwei bis vier Jahre in den Sparten Literatur, Architektur, Musik, Film, Bildende Kunst und Theater verliehen; 2017 erfolgt die neunte Vergabe. Unter den bisherigen Preisträgern waren Tankred Dorst und Ursula Ehler-Dorst (2008), Peter Zumthor (2011) und Ralf Rothmann (2014).  

Die Jury: Prof. Julius Berger (Vorsitz), Professor für Violoncello und Kammermusik an der Universität Augsburg; Prof. Dr. Inga Behrendt, Professorin für Gregorianik und Deutschen Liturgiegesang an der Hochschule für Kirchenmusik Rottenburg, Cembalistin; Prof. Markus Bellheim, Professor für Klavier an der Hochschule für Musik und Theater München; Dr. Eleonore Büning, Leiterin der Musikredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Dr. Corinna Herr, Privatdozentin/Vertretungsprofessorin für Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Tanz Köln; Christiane Oelze, Lied-, Konzert- und Opernsängerin (lyrischer Sopran); Prof. Michael Roßnagl, Geschäftsführer der Ernst von Siemens Musikstiftung, Honorarprofessor für Musikmanagement an der Musikhochschule München; David Timm, Universitätsmusikdirektor der Universität Leipzig und Leiter des Leipziger Universitätschors.