Drei von vielen wichtigen Aufnahmen mit Kurt Moll, der eine umfangreiche Diskografie hinterlässt.

Drei von vielen wichtigen Aufnahmen mit Kurt Moll, der eine umfangreiche Diskografie hinterlässt.

Kurt Moll hinterlässt viele Aufnahmen

Einen Monat vor seinem 79. Geburtstag ist der große deutsche Bass Kurt Moll nach langer Krankheit gestorben. Bereits vor elf Jahren hatte er sich von der Bühne zurück gezogen.

Es fällt bei großen Sängern nicht leicht, das Besondere genau zu kennzeichnen. Sind es doch gerade die Unterschiede, die die Individualität eines Sängers ausmachen, jene Eigenschaften, die eben nicht schulmäßig sind, jene unerklärlichen Zutaten, die aus dem begabten und tüchtigen einen genialen Sänger machen.

Kurt Moll war ein höchst individueller Sänger, ein Künstler, der mit seiner Persönlichkeit zu berühren verstand. Eine derartige Stimmfülle kombiniert mit einer kultivierten Legatoführung ist sehr selten. Höhe und die phänomenale Tiefe begeisterten gleichermaßen. Sang Moll in Ensembleszenen tiefe Töne - sie wurden nicht übertönt, zu präsent war diese Stimme im Raum. Der runde warme Klang strömte und strömte, geriet dank der sicheren und sehr variablen Stimmführung aber nie eintönig.

Natürlich musste dieser Sänger Wagner singen, er tat es bereits früh. Zunächst aber debütierte er als 23-Jähriger 1961 in Aachen. Es folgten kurze Stationen in Mainz, Wuppertal und bis 1970 Köln. Als er nach Hamburg wechselte, hatte er sein Bayreuth-Debut (Nachtwächter in den Meistersingern von Nürnberg 1968) bereits hinter sich. Auf dem grünen Hügel sang er alle wichtigen Basspartien, die des Hagen ausgenommen, die metallischeren Stimmen wie der von Matti Salminen oder John Tomlinson einfach besser liegt. Zudem legte Moll eine transatlantische Welt-Karriere hin und sang dabei von Monteverdi bis Moderne.

Dass Moll als Rheinländer (er stammt aus dem kleinen Ort Buir bei Köln) an der Wiener Staatsoper in der wienerischsten aller Bass-Partien, der des Baron Ochs im Rosenkavalier von Richard Strauss, Triumphe feierte, spricht ebenso Bände wie die Tatsache, dass er auch ein höchst kultivierter Liedersänger war, dem die Sprache keine Begleiterscheinung, sondern Wesen des Singens war. Molls Lebensleistung ist umso höher zu bewerten, als dass sich charakterlich weniger geerdete Sänger von dieser ungeheuren stimmlichen Begabung hätten verführen lassen. Nicht so Moll, der immer die Stimmkontrolle behielt und als Professor an der Kölner Hochschule dieses Wissen um den Eigenklang der Stimme auch weitergab.

Man hätte sich Moll, dann mit noch mehr Weisheit gesegnet, gerne noch in höchstem Alter auf der Bühne gewünscht. Aber die Gesundheit spielte nicht mit. Im Jahr 2006 gab Moll an der Bayerischen Staatsoper seinen Abschied - wieder als Nachtwächter in den Meistersingern. Nun ist er gestorben. Er hat die Musikwelt reich beschenkt, sie wird davon zehren.