Die Komische Oper zeigt eine Neuinszenierung von Anatevka von Barrie Kosky. Foto: Jan Windszus

Die Komische Oper zeigt eine Neuinszenierung von Anatevka von Barrie Kosky. Foto: Jan Windszus

Lachen und Weinen in Berlin

Anlässlich des 70. Geburtstags der Komischen Oper Berlin bringt Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky nach der West Side Story nun eines der bedeutendsten Musicals der Welt zurück auf die Bühne an der Behrenstraße: Anatevka.

Für den Intendanten der Komischen Oper, Barrie Kosky, gehört das Stück seit Walter Felsensteins Inszenierung von 1971 mit über 500 Aufführungen bis 1988 zur Tradition der Komischen Oper Berlin – für den Regisseur Kosky ist die Neuproduktion die Erfüllung eines persönlichen Traums, denn auch seine Familie ist einst von Osteuropa nach Australien ausgewandert.

»Anatevka ist ein Theaterstück über den Verlust eines Zuhauses und die Suche nach einem (neuen) Platz in der Welt. Diese Frage beschäftigt uns heute und hat viele Generationen vor uns beschäftigt; sie ist ein Teil des Menschseins schlechthin. Daher kann sich jeder Zuschauer mit den Figuren in Anatevka identifizieren«, fasst der Intendant und Chefregisseur Aktualität und Relevanz des Stücks zusammen.

Max Hopp in der tragenden Hauptrolle als Tevje und Dagmar Manzel als seine zeternde Ehefrau Golde führen ein hochkarätiges Ensemble an. Wie schon bei West Side Story liegt die Musikalische Leitung in den Händen von Musicalspezialist Koen Schoots, für die Choreografien zeichnet erneut Otto Pichler verantwortlich. Gemeinsam mit Rufus Didwiszus (Bühne) und Klaus Bruns (Kostüme) schlägt Kosky eine magisch-realistische Brücke von der Gegenwart in ein metaphorisches osteuropäisches Schtetl um 1905 – in eine facettenreiche Erinnerung an die Vergangenheit, in der Anatevka spielt.  

Das Buch zu Anatevka, im englischen Original Fiddler on the Roof, verfasste Joseph Stein nach Motiven aus den berühmten jiddischsprachigen Erzählungen von Scholem Alejchem, die zwischen 1894 und 1916 unter dem Titel Tewje, der Milchmann entstanden. Jerry Bock schuf – mit mehr als 3.000 Aufführungen allein am Broadway – eines der erfolgreichsten, aber auch tragischsten Meisterwerke des Genres, mit Songs und Nummern zwischen typischem Broadway-Musicalsound, schwungvollen Tanzrhythmen und folkloristischen Melodien. Anatevka ist die erste von zwei Neuproduktionen in der Spielzeit 2017/18, mit denen die Komische Oper Berlin ihren 70. Geburtstag begeht und die an das Vermächtnis Walter Felsensteins erinnern. Als zweite Neuproduktion stellt Stefan Herheim am 17. März 2018 seine Lesart eines weiteren Stücks vor, das in der Inszenierung von Felsenstein im Haus an der Behrenstraße und darüber hinaus legendäre Erfolge feierte: Jacques Offenbachs Operette Blaubart.  

Vor und nach der Premiere von Anatevka am 3. Dezember feiert die Komische Oper Berlin ihren 70. Geburtstag: Am Nachmittag findet eine Podiumsdiskussion zum Thema »70 Jahre Zukunft Musiktheater« mit Barrie Kosky (Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin), Thomas Flierl (Berliner Kultursenator a. D.), Andreas Kleinert (Filmregisseur, Grimme-Preisträger), Julia Spinola (Journalistin) und Ethel Matala de Mazza (Literaturwissenschaftlerin) statt, moderiert von Knut Elstermann (Moderator, Radio Eins). Im Anschluss an die Premiere legt DJ Ipek bei der großen Geburtstagsparty auf – Sekt und Geburtstagskuchen inklusive! Der Eintritt zu Podiumsdiskussion und Geburtstagsparty sind frei.  

Der Geburtstag der Komischen Oper Berlin jährt sich offiziell einen Tag vor Heiligabend. Das Haus wurde am 23. Dezember 1947 eröffnet, auf dem Spielplan stand Die Fledermaus von Johann Strauss. Während der Spielzeit 2017/18 wird das Jubiläum mit diversen Veranstaltungen begangen.