Die Gruppe Leleka. Foto: Frank Rasimowitz

Die Gruppe Leleka. Foto: Frank Rasimowitz

Lebendige und junge internationale Jazzszene

5.000 Euro Preisgeld, tosender Applaus und die Ehre, vor Blood, Sweat & Tears die 49. Internationale Jazzwoche in Burghausen zu eröffnen: Die Gruppe Leléka überzeugt mit ihrer Musik auf ukrainische Texte.

„Wie tief kann Musik gehen?“, fragte sich die Jury des 10. Europäischen Nachwuchsjazzpreises der Stadt Burghausen zum Auftritt der Berliner Jazzformationen Leléka, die den Jazzpreis 2018 der Stadt Burghausen unter tosendem Applaus im ausverkauften Stadtsaal abgeräumt hat. Mit dem Gewinn verbunden war ein Preisgeld von 5.000 Euro und die Ehre, die 49. Internationale Jazzwoche Burghausen vor großem Publikum vor den Kult-Jazzrockern Blood, Sweat & Tears in der Wackerhalle zu eröffnen.

Die vier Musiker von Leléka verflechten ukrainische altertümliche Motive mit modernen Jazzrhythmen. „Das ist Musik wie aus einem Traum. Man sieht abgeerntete, weite Felder, man hört einen kraftvollen Groove und die wirklich unglaubliche Stimme von Sängerin Viktoria Anton“, so die Jury. Vor allem die lebensbejahende, gefühlvolle Stimme der Sängerin, die in ihren Songs selbstverständlich leicht, emanzipierte Geschichten von unzufriedenen Frauen, die ihre Männer auf dem Markt verkaufen, erzählt, hat Publikum und Jury gleichermaßen überzeugt. Nebenbei erwähnt ein Novum, denn Publikum und Jury waren in den vergangenen zehn Jazzpreis-Jahren nicht immer einer Meinung.

Den zweiten Platz machte die Vocal-Formation „Of Cabbages and Kings“ aus Köln, bestehend aus vier Frauenstimmen, die mal Brecht, mal Shakespeare für sich adaptieren. Die Sängerinnen „mit Stimmen wie Irrlichter, die ohne Effekte, effektvoll wirken“, so das Urteil der Jury, nehmen ein Preisgeld von 3.000 Euro mit nach Hause.

Den dritten Jazzpreis (1.000 Euro) erhielt das Auxane Trio aus Frankreich, wobei Pianist Auxane Cartigny zudem den spontan ausgelobten Solistenpreis, der ebenfalls mit 1.000 Euro dotiert ist, von der Jury verliehen bekam. Die Jury, die seit zehn Jahren unverändert aus Prof. Joe Viera (Leitung), Dozent und Musik-Journalisten Roland Spiegel (BR), Journalist Ralf Dombrowski (SZ) sowie dem freien Journalisten Reinhard Köchl besteht, hat sich anlässlich des 10. Nachwuchsjazzpreises mehreren Premieren gegenüber gesehen: „Noch nie war es so schwer, eine Entscheidung zu treffen, noch nie waren wir so stolz, solche Formationen ins Finale gewählt zu haben, noch nie hatten wir eine solche Vielfalt beim Jazzpreis Burghausen“, sagte Roland Spiegel zum Auftakt der Preisverleihung.

Die Jury zeigte sich ob des Könnens der Nachwuchsmusiker beeindruckt und zuversichtlich: „Es zeigt vor allem auch, wie lebendig die große, junge internationale Jazzszene ist.“ Insgesamt hätte die Jury in den vergangenen zehn Jahren ca. 800 bis 1.000 CDs im Blindverfahren gehört, "aber so richtig, richtig stolz auf die Endauswahl wie dieses Jahr waren wir noch nie“, sagte Juror Reinhard Köchl.  

Auch die beiden weiteren Formationen, die ohne Preisgeld, aber nicht ohne Lob und Applaus nach Hause fahren, wurden von der Jury mehr als positiv bewertet. Das „Anton Mangold Quartett“ aus Würzburg „überzeugte mit vier absolut gleichberechtigten Musikern auf der Bühne, die kraftvollen Sound auf ganz hohem Niveau“ abgeliefert hätten.

Und auch „Stadtgespräch“ aus Köln mit einem klassischen Jazz-Quartett und einem Streicher-Quartett beeindruckte das Publikum im ausverkauften Burghauser Stadtsaal und die Jury: „Sie haben eine sehr reizvolle Verzahnung der Gespräche zwischen den Streichern und den Jazzern geschaffen – sehr spannend“, formulierte Roland Spiegel.

Insgesamt hatten sich 64 Nachwuchsformationen bei der Interessengemeinschaft Jazz e.V. beworben. Fünf Bands kamen ins Finale. Zur 50. Internationalen Jazzwoche Burghausen 2019 wird eine Auswahl aus den Gewinnerbands des Burghauser Nachwuchsjazzpreises zum Swining Sunday am Ende der Jazzwoche eingeladen: „Dann wollen wir sehen, was aus den Nachwuchshoffnungen geworden ist. Älter sind sie auf jeden Fall geworden“, sagte Burghausens Erster Bürgermeister Hans Steindl, der sich ebenfalls für die „perfekte Technik“ und die kürzesten Umbaupausen“ in der Geschichte des Jazzpreises bei dem Technik-Team des Stadtsaals und der IG Jazz Burghausen e.V. bedankte.