Preisträger des Deutschen Muiskinstrumentenfonds. Foto Walter Remy

Preisträger des Deutschen Muiskinstrumentenfonds. Foto Walter Remy

Leihinstrumente aus dem Deutschen Musikinstrumentenfonds

23 junge Musiker erhalten Streichinstrumente aus dem Deutschen Musikinstrumentenfonds, darunter 8 Instrumente, die erstmalig aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt werden.

10 Violinen, 4 Bratschen, 6 Violoncelli und 3 Kontrabässe von der Deutschen Stiftung Musikleben an 23 Preisträger von „Jugend musiziert“ vergeben. Die Musiker sind im Alter von 12 bis 21 Jahren und kamen aus ganz Deutschland für einen Tag nach Hamburg, um sich eines der begehrten Leihinstrumente aus dem Deutschen Musikinstrumentenfonds auszuwählen. Ab früh morgens hatten die jungen Musiker in den Räumen des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg die Gelegenheit, die Instrumente anzuspielen. Zur Vergabe standen besonders klangschöne Streichinstrumente, darunter über 300 Jahre alte historische Raritäten, und seltene Instrumente mit verringerter Korpusgröße, an denen junge Virtuosen noch wachsen können und die für den Nachwuchs in den allermeisten Fällen unerschwinglich sind.

Zum Glück gibt es Menschen, die solche Instrumente besitzen, jedoch nicht selbst spielen. Das Instrument gehörte vielleicht dem Vater, der nicht mehr lebt, der Tochter, die doch nicht Profimusikerin geworden ist oder wurde als Liebhaberobjekt und Wertanlage angeschafft – ähnlich wie bei Kunstwerken steigen die Preise kostbarer Streichinstrumente seit Jahren. Über den 1993 gegründeten Deutschen Musikinstrumentenfonds bringt die gemeinnützige Deutsche Stiftung Musikleben Instrumentenbesitzer und vielversprechende junge Musiker zusammen, damit die Instrumente weiter klingen können und so manchem jungen Talent eine Zukunft weisen.

Der 12-jährigen Mari Hönig aus Seevetal wurde als jüngster Teilnehmerin ein kostbares Violoncello mit 1/2 Korpusgröße von Wenzl Hannabach, Schönbach bei Eger, aus Grasberger Privatbesitz verliehen. Kai Gabel (16 Jahre) aus Mörstadt wählte sich eine Meistervioline mit Zettel „Jean Baptiste Vuillaume“, Französische Schule aus dem 19. Jahrhundert, aus Rheinfeldener Familienbesitz aus, die gerade erst in den Fonds eingegeben wurde. Marta Mitreuter (15) aus Icking entschied sich für eine Violine mit Zettel „Pietro Messori, Modena anno 1903“, die der Stiftung als Schenkung aus Hamburger Privatbesitz erstmalig zur Verfügung gestellt wurde. Die Instrumente werden den jungen Musikern als Leihgabe für zunächst ein Jahr mit der Option auf Verlängerung bis zum 30 Lebensjahren überlassen. Im Rahmen eines Lunchkonzerts um 12.30 Uhr im Spiegelsaal des MKG, mit dem die Deutsche Stiftung Musikleben die bereits 27. Saison ihrer Konzertreihe „Foyer Junger Künstler“ eröffnete, wurden die Instrumente an die Bewerber vergeben – teilweise von den Treugebern persönlich.

Im kommenden Frühjahr, vom 22.-24. Februar 2019, findet, ebenfalls im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, der 27. Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds statt, bei dem die Spitzeninstrumente des Fonds, darunter Meisterwerke von Stradivari, Guarneri und Guadagnini, nach 3-tägigen Wertungsspielen von einer Fachjury an fortgeschrittene Jungvirtuosen vergeben werden.

Der 1993 als gemeinsame Initiative mit der Bundesregierung gegründete Deutsche Musikinstrumentenfonds stattet aufstrebende Solisten mit hervorragenden Streichinstrumenten aus. Der anfängliche Bestand von 20 Instrumenten aus Stiftungs- und Bundesbesitz ist mittlerweile zur bundesweit größten Sammlung von über 200 klangschönen Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässen angewachsen – über die Hälfte davon sind Treugaben aus Privatbesitz. Der Fonds umfasst sowohl historische Meisterstücke von Stradivari, Guarneri, Guadagnini oder Gagliano als auch moderne Instrumente europäischer Meisterwerkstätten, die als Auftragsarbeiten der Stiftung eigens hergestellt werden. Im Rahmen des jedes Jahr stattfindenden Wettbewerbs des Deutschen Musikinstrumentenfonds werden die Spitzeninstrumente durch eine unabhängige Fachjury an die junge Streicherelite vergeben. Rund die Hälfte der Instrumente bleibt Bundespreisträgern des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ vorbehalten, die die Chance erhalten sollen, an einem hervorragenden Instrument weiter wachsen zu können.

Seit 1962 fördert die Deutsche Stiftung Musikleben bundesweit den Spitzennachwuchs in der klassischen Musik. Unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten begleitet sie derzeit rund 300 hochbegabte junge Musiker zwischen 12 und 30 Jahren langfristig und individuell mit einem umfassenden Förderangebot: Neben dem Deutschen Musikinstrumentenfonds bietet die Stiftung in der Konzertreihe „Foyer Junger Künstler“ ihren „Rising Stars“ vielfältige Auftrittsmöglichkeiten, die vom Kammerkonzert über musikalische Rahmenprogramme und das traditionelle Sommerkonzert auf Sylt bis zu Debüts in großen Sälen reichen. Abgerundet wird das Förderkonzept durch Sonderpreise und Stipendien, von der Auszeichnung bei Wettbewerben über das Carl-Heinz Illies-Stipendium für junge Pianisten bis zum Gerd Bucerius-Stipendium für ein Musikstudium an einer der großen Musikhochschulen der Welt. Mit Patenschaften geben besonders engagierte Förderer ausgewählten Stipendiaten finanzielle Unterstützung für deren musikalischen Werdegang. Die gemeinnützige Stiftung wird ehrenamtlich geleitet, seit 1992 von Irene Schulte-Hillen, und bestreitet ihr umfangreiches Förderprogramm unter dem Motto „KÖNNER BRAUCHEN GÖNNER“ fast ausschließlich durch Zuwendungen ihrer Freunde und Förderer, die sich mit ehrenamtlichem Einsatz, Spenden und Zustiftungen, mit Künstlerpatenschaften oder Instrumententreugaben engagieren.