Jazz & the City Intendantin Tina Heine. Foto: Wildbild

Jazz & the City Intendantin Tina Heine. Foto: Wildbild

Let´s get lost

Jazz & the City hat zwar ein Motto, aber eines, das den Roten Faden als Gehhilfe bewusst durchtrennt: Hier kann man sich treiben lassen und die Offenheit für Klangerlebnisse kultivieren.

Das Jazz & The City Festival lädt ein, eigene Hörgewohnheiten infrage zu stellen. „Let´s get lost“ ist das Thema der 19. Ausgabe des Festivals für Jazz, World & Electronic Music. 100 Konzerte an über 40 Orten, alle bei freiem Eintritt: Die Salzburger Altstadt zeigt sich an diesen fünf Tagen (17. bis 21. Oktober) mit einer Vielfalt, die man hinter der malerischen Kulisse entlang der Salzach kaum vermuten mag. Alte Werkstätten mitten in der Getreidegasse, Partykeller unter barocken Kirchen, das Salzburger Landestheater, die Universität Mozarteum neben dem kultigen Gitarrenladen, das Künstlerhaus mit offenen Ateliers, Gasthäuser und Hotels. 

In diesem Jahr wird es erstmals eine zentrale Anlaufstelle und Infopoint sowie Artist Checkin geben. Am Bürgerspitalplatz 1 gibt das Info-Team Auskunft, hilft mit Orientierung und organisiert alles rund ums Wohlergehen der Künstler. Ein guter Ort auch für Besucher, um sich zu treffen und von dort auszuschwärmen ins Festival.

Seit 2016 eröffnet das Festival mit europäischen Großensembles – in diesem Jahr mit einem Besuch aus dem hohen Norden – dem Trondheim Jazz Orchestra (TJO). Die Besonderheit in diesem Jahr ist das eigens fürs Festival entstehende Projekt mit TJO und der Frauen-Power Band Hearth.
 
Neben festen Programmpunkten gibt es eine Reihe „Blind Date“ – Konzerte, bei denen oft bis kurz vor Beginn noch nicht feststeht, wer spielen wird. Die Künstler können sich auf dem Festival spontan verabreden und diese Begegnung vor dem Publikum erproben. Und dabei werden die unterschiedlichen Räume mit ihren akustischen Herausforderungen oft zum dritten Mitspieler. Idealerweise gehören Entdeckungen bei Festivals einfach dazu – bei diesem Festival wird das programmatisch auf die Spitze getrieben. Keine Genrebühnen und keine Kategorien, kein Leitfaden nach der Devise: „Wem dies gefällt, dem gefällt auch das.“ Instinkt, Neugierde und Spontanität sind die Ingredienzien. Weltmusikalische sowie ortsverbundene Klänge und barocker Orgelsound sind bei diesem Festival neben der improvisierten Musik ebenso zu HAuse wie DJ Sets bis in die späte Nacht.

Am Freitag und Samstagnachmittag laden Künstler des Festivals zu Klangspaziergängen mit Musik und entdecken Orte über Resonanz, unterschiedliche Oberflächen über Sound und führen vielleicht an Orte, die man sonst eher übersieht. Im Künstlerhaus (Sa 20.10. ab 15:00) und im Mozartkino (So 21.10. 11:00) zeigt der Hamburger Filmemacher Peter Sempel seine „Documentarypsychomusicfilms“ u.a. über Peter Brötzmann, Bazon Brock, Jonathan Meese Kazuo Ohno.

Für Studenten und interessierte Musiker gibt der Sänger Andreas Schaerer einen Workshop am Mozarteum am Freitag, den 19.10. um 14:00 und für Kinder gibt es neben spannenden Backstagetouren in der Szene (Fr 19.10, und Sa 20.10. um 14:00 und 16:00) auch noch Musiktheater im Toihaus („On Air“ am 19.10. um 16:00)  

Auch das Finale, am Sonntagmittag im Mirabellgarten, ist eine Hommage an die Schönheit der Improvisation und an die Lust sich verzaubern zu lassen. Intendantin Tina Heine: „Den Abschluss gestalten die Musiker selbst, sie haben im Lauf der Woche Zeit, es sich zu überlegen – und gemeinsam zu entwickeln – wo und wann wer spielen wird. Ich halte mich raus, werde mich dann treiben lassen und lade alle Festival-Besucher ein, es mir gleich zu tun.“ (So 21.10. 12-15 Uhr)

www.salzburgjazz.com