Junge Deutsche Philharmonie. Foto: Achim Reissner

Junge Deutsche Philharmonie. Foto: Achim Reissner

Live in der Digital Concert Hall

Das Musikfest Berlin startet mit einem Vorabend im Kammermusiksaal, u. a. mit Luigi Nono. Beim Eröffnungskonzert spielt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Wolfgang Rihms „Tutuguri“. Auch die Konzerte der Gastorchester werden in der Digital Concert Hall übertragen.

Vom 2. bis 20. September präsentiert das Musikfest Berlin in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker in seiner 12. Ausgabe bei 28 Konzerten rund 20 Orchester, Instrumental- und Vokalensembles und 34 internationale Solisten. Neben den Konzerten der Berliner Philharmoniker werden erstmalig auch die Konzerte der großen Gastorchester in der Digital Concert Hall, insgesamt neun Abende, zu erleben sein.

Die drei großen Orchester aus München sind mit Orchesterwerken des 20. Jahrhunderts zu Gast: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, mit Daniel Harding und dem Schauspieler Graham F. Valentine als Sprecher, eröffnet am 3. September mit der konzertanten Aufführung von Wolfgang Rihms zweistündigem Poème danse „Tutuguri“ (1980-82) das internationale Orchesterfestival.

Die Münchner Philharmoniker und Valery Gergiev spielen die 3. Sinfonie (1983) von Galina Ustwolskaja und Schostakowitschs 4. Sinfonie (1935/36) und das Bayerische Staatsorchester unter der Leitung von Kirill Petrenko „Lontano“ (1967) von György Ligeti, Richard Strauss’ „Sinfonia Domestica“ (1902/03) und Béla Bartóks Violinkonzert (1907/08) mit Frank Peter Zimmermann als Solisten.

Mit insgesamt sechs Soloschlagzeugern im Orchester entfaltet Wolfgang Rihms „Tutuguri“, in räumlicher Aufstellung und mit eingespielten chorischen Stimmen eine immense räumliche Klangwirkung und rituelle Kraft. Die 1982 als Auftragswerk der Deutschen Oper Berlin uraufgeführte Komposition ist inspiriert von dem gleichnamigen Gedicht Antonin Artauds, in dem der Dichter in expressiver Sprache ein auf seiner Mexiko Reise erlebtes Ritual der Tahamumara-Indianer beschwört.

Zehn Perkussionisten bilden ebenfalls das Herz der „Turangalîla-Symphonie“ (1945-48, rev. 1990) von Olivier Messiaen, die das Orquesta Sinfónica Simón Bolívar aus Venezuela mit Pianist Jean-Yves Thibaudet als Solist und Dirigent Gustavo Dudamel beim Musikfest Berlin aufführen wird. Von dem französisch-amerikanischen Komponisten Edgard Varèse sind fünf Werke beim Festival zu hören: „Arcana“ mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Andris Nelsons und „Désert“ (1949-54) im Konzert der Jungen Deutschen Philharmonie mit Jonathan Nott. Auf dem Programm des Ensemble Musikfabrik stehen die Kompositionen „Ecuatorial“ (1933/34), „Ionisation“ (1929-31) und das „Poème électronique“ (1958) in Verbindung mit Werken von Frank Zappa.

The John Wilson Orchestra aus London ist zum ersten Mal in Deutschland zu Gast und präsentiert beim Musikfest Berlin 2016 das Programm mit Musik der MGM Filmmusicals, mit dem das Orchester 2009 seinen Durchbruch bei den Proms feierte. Zu den Ursprüngen der Filmmusik führt das Konzert des Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin mit Dirigent Frank Strobel: Anlässlich des 125. Geburtstages von Sergej Prokofjew werden zum ersten Mal beide Teile von „Iwan Grosny“ zusammen mit der Filmprojektion des Originals von Sergej Eisenstein aufgeführt. Ein weiterer Beitrag zum Thema Musik und Film ist die deutsche Erstaufführung der Produktion „No More Masterpieces“ der niederländischen Gruppe Gruppe 33⅓ Collective mit dem Ensemble intercontemporain; hier wurde speziell auf das „Concerto Seraphin“ (2008) von Wolfgang Rihm ein Film komponiert.

Zahlreiche internationale Solisten sind mit außergewöhnlichen Solowerken zu erleben: Als Solisten und im Duo geben Pierre-Lauret Aimard und Tamara Stefanovich am 12. September einen Klavierabend als Hommage an Pierre Boulez. Anlässlich der Ausstellung zu Ferruccio Busonis 150. Geburtstag in der Kunstbibliothek am Kulturforum wird das GrauSchumacher Piano Duo eine Matinee mit den gesamten Duo-Werken des Komponisten spielen. Außerdem bringt das Klavierduo am 2. September, dem Vorabend zum Eröffnungskonzert, „Le temps, mode dèmploi“ (2014) von Philippe Manoury zur Aufführung. Ebenfalls an diesem Vorabend spielt die Geigerin Isabelle Faust „La lontananza nostalgica utopica futura“ (1988) von Luigi Nono. Julia Fischer interpretiert Henzes Violinkonzert „Il Vitalino raddoppiato“ (1977), Leila Josefowicz „Scheherazade.2“ 2014/15) von John Adams, der finnische Geiger Pekka Kuusisto das Konzert von György Ligeti (1990, rev. 1992) und Frank Peter Zimmermann Bartóks Violinkonzert (1907/08).

Die Bratschistin Tabea Zimmermann wird als Solistin in „Filz“ (2015) von Enno Poppe und als Dirigentin des Ensemble Resonanz auftreten. Schlagzeugerin Robyn Schulkowsky wird die aktuelle Komposition „Trurliade-Zone Zero“ (2016) der österreichischen Komponistin Olga Neuwirth zur Deutschen Erstaufführung bringen.

Drei Streichquartettkonzerte finden sich im Festivalprogramm des Musikfest Berlin 2016: The Danish String Quartet spielt Musik von Per Nørgård, Carl Nielsen, Schostakowitsch und Beethoven und das Szymanowski Quartett mit Udo Samel, dem Bariton Dietrich Henschel und Pianisten Markus Pawlik widmet Artur Schnabel eine Hommage. Schließlich findet das IPPNW-Benefizkonzert mit dem Artemis Quartett und weiteren Solisten zugunsten des Vereins „MitMachMusik – ein Weg zur Integration von Flüchtlingskindern“ statt.Neben den neun Konzertstreamings der Digital Concert Hall werden insgesamt zwölf Veranstaltungen vom Deutschlandradio Kultur übertragen, vier davon live. Das rbb Kulturradio sendet ein Konzert live und vier weitere in Aufzeichnung.