Lucas Cranach d.Ä. (Werkst.) - Porträt des Martin Luther (Lutherhaus Wittenberg)

Lucas Cranach d.Ä. (Werkst.) - Porträt des Martin Luther (Lutherhaus Wittenberg)

Luthers weitreichende Musikalität

Die zwölfte Ausgabe des Wittenberger Renaissance Musikfestivals feiert Martin Luther als den »Vater der Lieder«. Und animiert erneut dazu, die Kunst des Renaissancetanzes aktiv zu pflegen.

Im Jubiläumsjahr der Reformation steht auch beim Wittenberger Renaissance Musikfestival der große Reformator und Denker Martin Luther im Zentrum des Programms. Unter dem Motto »Vater der Lieder – Martin Luther und die Musik« präsentiert das Festival vom 20. Oktober bis zum 05. November insgesamt 13 Konzerte, 11 Kurse für Instrumentalspiel und Tanz und natürlich den Historischen Tanzball sowie die Instrumentenausstellung im Alten Rathaus. Sowohl internationale Spitzenkünstler als auch selten zu erlebende Instrumentalvirtuosen bereichern das ohnehin sehr dichte Kulturprogramm in der Reformationswoche musikalisch.

Denkt man an die Reformation und ihren Wegbereiter Martin Luther, so denkt man zuerst an die weitreichenden gesellschaftlichen und religiösen Veränderungen, die sein Thesenanschlag vor 500 Jahren in Gang setzte. Martin Luther war aber nicht nur mutiger Vordenker, er war auch kunstsinniger, musikalischer und geselliger Privatmensch. Und auch diese Seiten seines Charakters waren prägend für das Wesen und Wirken der Reformation und für die Entwicklung der Kirchenmusik.

So verwundert es nicht, dass Festivalleiter Thomas Höhne den Reformator als den »Vater der Lieder« ins Zentrum seines diesjährigen Programms stellt und daran erinnert, wie lebensnotwendig die Musik für Martin Luther war. Er komponierte, dichtete, sang und spielte selbst Laute. Musik als wirksames Mittel gegen Sorge, Trauer und Hass war für ihn untrennbar mit der religiösen Praxis verbunden. Luther vertonte zahlreiche Psalmen, komponierte regelrechte Ohrwürmer, die dazu dienten, Glaubenstexte zu verinnerlichen und führte den deutschsprachigen Gemeindegesang im Gottesdienst ein. Sein Wirken in der Musik beeinflusste das kompositorische Schaffen von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach, es prägte die Chorbewegung und ermöglichte erst den Beruf des Kirchenmusikers. Damit wurde die Tradition der evangelischen Kirchenmusik in Wittenberg begründet, was nach wie vor ideengebend und identitätsstiftend für das Renaissance Musikfestivals ist.

Mit Pauken und Trompeten, sprich in großer Besetzung, wird die Wittenberger Hofkapelle - als gastgebendes Ensemble des Festivals - in diesem Jahr erstmals das Eröffnungskonzert gestalten (Fr, 20.10.). Für ihren Leiter Thomas Höhne, der das Festival 2006 gründete, war dies ein großer und persönlicher Wunsch; auch um exponiert auf die reiche regionale Musiktradition zu verweisen und diese zu zelebrieren.

Um nah bei Luther zu bleiben, verkörpern Gesang und das Musizieren auf der Laute den roten Faden des Festivalprogramms. Dabei vermitteln das renommierte Calmus Ensemble (So, 22.10), die Sänger von VocaMe (Di, 24.10.), der Kinderchor der Oper Leipzig (Sa, 21.10.), der Tenor Johannes Weiss (Mo, 23.10.), der Chor der Valparaiso Universität aus Indiana/ USA (So, 05.11.) und die Sopranistin Julla von Landsberg (Sa, 28.10.) einen Eindruck von der berührenden Kraft des Gesangs. Mit der Lautten Compagney (So, 22.10.), dem Leipziger Barockorchester (So, 05.11.) und den Solisten Rolf Lislevand (So, 29.10.), Lorenz Duftschmid (Di, 31.10.) und Christoph Sommer (Mi, 25.10.) kehren renommierte und international gefeierte Virtuosen der Lautenmusik zum Festival zurück.

Erstmals präsentiert das Festival mit dem Potsdamer Ensemble I Confidenti (Fr, 27.10.) auch Musiktheater. Mit Maskenspiel, Chören und Instrumentalmusik bieten sie in »Dolcissima Speranza« ein Mysterienspiel dar, das Luthers Lieder mit Kompositionen von Schütz und Monteverdi verbindet. Besonders ist hierbei, dass das Bühnenbild der Produktion unter Mitwirkung von Schülern des Wittenberger Melanchthon-Gymnasiums entsteht und das Orchester mit Schülern der Musikschule der Wittenberger Hofkapelle besetzt ist.

Die Einbindung von Kindern und Jugendlichen ins Festival ist nach wie vor eines der großen Anliegen Thomas Höhnes. Und so findet auch die Konzertreihe der Nachwuchsmusiker mit Konzerten der Jugendmusiziergruppe Michael Praetorius aus Leipzig (Sa, 21.10.), dem Praetorius Consort aus Wittenberg (Sa, 21.10.) und dem Kinderchor der Oper Leipzig (Sa, 21.10.), der erstmals beim Festival gastiert, auch in diesem Jahr ihre Fortsetzung.

Das Wittenberger Festival ist ein Festival, das zum aktiven Erleben, zum Mitmusizieren und zum Mittanzen einlädt. Denn während an den Abenden zumeist die Konzertmusik durch Wittenbergs historische Altstadt klingt, stehen die Tage ganz im Zeichen der insgesamt 11 Kurse für Instrumentalspiel und Tanz. Absolute Koryphäen ihres Fachs stehen auch in diesem Jahr als Dozenten wieder zur Verfügung, um sowohl Laien als auch Fortgeschrittene anzuleiten und musizierend und tanzend in die Welt der Renaissancemusik zu entführen. Zu den herausragenden Dozenten gehören der Lautenvirtuose Rolf Lislevand, die Geschwister Seitz als Duo für Harfe und Hackbrett und die Flötistin Lucia Mense.

Aufgrund des großen Interesses für Renaissancetanz bietet das Festival auch in diesem Jahr wieder drei Tanzkurse an, die als unmittelbare Vorbereitung auf den Historischen Tanzball die vielen Interessierten einstimmen sollen.

www.wittenberger-renaissancemusik.de