Orchester Jakobsplatz München. Foto: Robert Brembeck.

Orchester Jakobsplatz München. Foto: Robert Brembeck.

Mahlers Abschied im chinesischen Original

Das Orchester Jakobsplatz München und sein Dirigent Daniel Grossmann widmen sich der Wechselwirkung zwischen jüdischen Flüchtlingen und ihrem chinesischen Zufluchtsort.

Ab 1933 flohen etwa 20.000 Juden vor der Verfolgung aus Deutschland, Österreich und Polen in eine ferne und fremde Kultur – sie gingen nach Shanghai. Das Orchester Jakobsplatz München unter Daniel Grossmann thematisiert in seinem nächsten Konzert dieses Kapitel aus der Geschichte der Juden, das in Deutschland wenig bekannt ist.

Das Orchester zeichnet die Lebensumstände und den Alltag dieser Menschen im Ghetto von Shanghai nach und erforscht den gegenseitigen künstlerischen Austausch von Flüchtenden und Einheimischen.

Der Komponist Wolfgang Fraenkel – er hatte einen jüdischen Vater – avancierte in Shanghai zu einem bedeutenden Lehrer für Komposition; er lehrte als Erster die atonale Musik in China. 1936 entstand seine Vertonung der 82. Sure des Korans (Al Infitar – Das Zerbrechen), die durch die politischen Ereignisse seit der Gründung Israels 1948 eine besondere Bedeutung erlangt hat.

Fraenkels aus heutiger Sicht bedeutendster Schüler war Sang Tong. Der Einfluss westlicher Musik spielt für sein Schaffen eine große Rolle. Der Musiker Huang Ruo steht für die junge Generation chinesischer Komponisten, zu deren wichtigsten Vertretern er gehört. Sein Werk „Leaving Sao“, das für hohe Kopfstimme und Kammerorchester komponiert ist, wird er in München selber als Solist aufführen.

Von Gustav Mahlers Lied von der Erde erstellte Daniel Ng erst in jüngster Vergangenheit eine Version des Werkes mit den Original-Texten in chinesischer Sprache. Die Aufführung des letzten Satzes „Abschied“ auf Chinesisch schlägt die Brücke zwischen China und Zentraleuropa.

Zudem lassen Projektionen das Shanghai von damals lebendig werden. Und Zeitzeugen kommen zu Wort. Michael W. Blumenthal, Sonja Mühlberger und Harry Jorysz schildern in eigens für diesen Abend produzierten Filminterviews sehr persönlich und aus heutiger Sicht ihre Reise in die unbekannte Welt, berichten über ihre Erlebnisse, Erinnerungen, Sehnsüchte. Das Konzert ist zu erleben am Montag,  23. November 2015 um 20 Uhr in der Reithalle, München, Heßstraße 132.         

Ein Filmausschnitt von den Gesprächen gibt schon einmal vorab einen Einblick: http://www.orchester-jakobsplatz.org/page26/index.php?post_id=25&title=film-ab