Manfred Krug und Uschi Brüning. Foto: Steven Haberland

Manfred Krug und Uschi Brüning. Foto: Steven Haberland

Manfred Krug als Jazzsänger

Mitte Dezember wird "Auserwählt", Manfred Krugs letztes Album, welches er 2014 zusammen mit Uschi Brüning bei Edel veröffentlicht hat, mit dem PLATIN Jazz Award für 20.000 verkaufte Exemplare ausgezeichnet.

 

Uschi Brüning und Manfred Krug haben ein gemeinsames Jazzalbum aufgenommen. Es war ihren Fans zu verdanken, die nach beseelten Konzerten der zwei Ikonen ein Extrakt der hochmusikalischen und dennoch sehr unterhaltsamen Abende mit nach Hause nehmen wollten. Von Beginn an waren die Karrieren als Jazzer von Uschi Brüning und Manfred Krug eng verknüpft. Beide glänzten in Duetten, fanden sich auf vielen Bühnen. Ein bisschen Bruder und Schwester im aufmüpfigen Geiste, wenn auch von gänzlich unterschiedlichem Temperament. Sie haben sich dennoch oder gerade deswegen aneinander auserwählt. „Auserwählt“ heißt auch ihr erstes, gemeinsames Album. Benannt nach dem von Andreas Bicking komponierten und von Manfred Krug getexteten Song.

Uschi Brüning galt schon früh als die Grand Dame des modernen Jazz in Ost-Berlin, wiederholt gelangen ihr echte Radiohits. „Wenn die Frau anfing, ging ich immer kaputt. Ich glaube, sie ist nicht schlechter als Ella Fitzgerald oder eine. Sie hätte alles von mir haben können, wenn sie da vorn stand mit ihrer großen Brille und sich langsam in die Truppe einsang“, lässt Ulrich Plenzdorf seinen Romanhelden Edgar Wibeau in „Die neuen Leiden des jungen W.“ sagen. „Bei Uschi Brüning geht es in jedem Ton ums Ganze“, titelte der Berliner Tagesspiegel über die Sängerin von seltenem Format.

Manfred Krug ist nicht zuletzt durch seine nicht unbedingt schöne, jedoch unverwechselbar-markante Stimme mit dem faszinierenden Jazz-Feeling und dieser Lässigkeit im Timbre bekannt geworden. Die frühen Aufnahmen verblüffen noch heute durch ihre Zeitlosigkeit. Sie waren seinerzeit Dauerbrenner im Ostrundfunk, die Alben Verkaufsschlager. Trotz des Verbots des Films „Spur der Steine“ wurde Krug Ende der 60er als Schauspieler, Sänger und Vortragskünstler endgültig zu einem der populärsten Künstler des Landes. Gebildete ältere Ossis erkennt man heute daran, dass sie zwei Texte auswendig hersagen können: Den „Osterspaziergang“ und „Die Kuh im Propeller“.

Dann durfte Manfred Krug im Osten nicht weiter Musik machen, weil er sich dafür eingesetzt hatte, dass ein anderer im Osten weiter Musik machen durfte: Nach der Biermann-Ausweisung war er im Westen erst „Auf Achse“, dann der Liebling von Kreuzberg und schließlich bereicherte er den ARD-Tatort mit herrlichen Gesangseinlagen.

Das Album „Auserwählt“ lebt von zwei unverwechselbaren Stimmen, die keinerlei Abnutzungserscheinungen aufweisen und jedem Puristen mit Leichtigkeit und Leidenschaft trotzen. Brüning und Krug faszinieren mit dem Können, Swing, Bossa, Chanson und populären Jazz so zu koppeln, um damit auch außerhalb einer Nische zu gewinnen. Ebenso wurde eine Truppe exzellenter Musiker auserwählt, zusammengetrommelt im übertragenen wie im wahren Wortsinne vom großartigen Drummer Wolfgang „Zicke“ Schneider, der beinahe alle Krug-Alben miteinspielte.

Auf „Auserwählt“ gibt es internationale Klassiker und Standards, persönliche Lieblingslieder und Evergreens und nicht zuletzt eigene Songs mit deutschen, klugen Texten von Manfred Krug. Auserwählt wurden beispielsweise „Somewhere Over The Rainbow“ und „On The Sunny Side Of The Street“ über „Son Of Preacher Man“ bis hin zu „Niemand liebt dich so wie ich“ und „Wenn du schläfst mein Kind“. Übergreifende Klammer ist dabei der Spaß, den die Protagonisten bei der Produktion in den geschichtsträchtigen Hallen der Berliner Rundfunkstudios in der Nalepastraße hatten. Dem Produzenten Andreas Bicking ist es gelungen, ihn hörbar zu machen – eingebettet in einen frischen, sehr vitalen Sound.Den haben sich mittlerweile schon 20.000 Musikfreunde nach Hause geholt.