Luzide Atmosphäre für Kammermusik: Das Arp-Museum Rolandseck. Foto: Rolandseck-Festival

Luzide Atmosphäre für Kammermusik: Das Arp-Museum Rolandseck. Foto: Rolandseck-Festival

Mit Bassnachtigall und Parade

Das elfte Festival im schönen Arp Museum bei Bonn bietet ein Programm, das an die Blüte der Dada-Bewegung und ihre Auswirkungen auf die Musik erinnert.

Das Jahresmotto des Arp Museums „100 Jahre Dada“ findet das Publikum auch im Programm des Musikfestivals wieder: So werden die Konzerte am 2. Juli eröffnet mit Erwin Schulhoffs „Bassnachtigall“, einem Stück, das das Absurde als künstlerische Idee der Dada-Bewegung gut veranschaulicht, ebenso wie Schulhoffs humorvolle „Fünf Pittoresken“, die am 8. Juli zu hören sind.

Dazwischen erklingt am 3. Juli die vierhändige Fassung von Eric Saties „Parade“ von 1917. Dieses avantgardistische Ballett ist das Ergebnis einer auch von Dada gefeierten Zusammenarbeit verschiedener künstlerischer Disziplinen: Musik (Satie), Literatur (Jean Cocteau) und bildende Kunst (Pablo Picasso). Auch die aktuelle Ausstellung der Kunstkammer Rau „Menschenskinder, Kinderleben zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ spiegelt sich im Festivalprogramm in der Bearbeitung von Robert Schumanns „Kinderszenen“ von Guy Braunstein wider.

Mit zahlreichen Bearbeitungen setzen die beiden Festivalleiter, der Geiger Guy Braunstein und der Pianist Ohad Ben-Ari, auch dieses Jahr wieder eine Tradition fort und tauschen die „musical chairs“: So nimmt die Geige mal die Position der Oboe ein, der Hornist übernimmt die Rolle der Violine; so sind  Schulhoffs „Fünf Pittoresken“ für Flöte, Fagott und Klavier bearbeitet worden.

Zu den musikalischen Gästen in diesem Jahr zählt das in Rolandseck gegründete Arp Quartett mit Guy Braunstein, Rosanne Philippens, Yulia Deyneka und Zvi Plesser, das inzwischen auch bei anderen Festivals und auf internationalen Bühnen als Ensemble konzertiert. Neben den Pianisten Ohad Ben-Ari und Sunwook Kim sind ebenfalls die Bläser Gili Schwarzman (Flöte), Chen Halevi (Klarinette) und Chezy Nir (Horn) langjährige und gern gesehene Mitwirkende. Erstmals in Rolandseck dabei sind der Fagottist Mor Biron und der Bratschist Ulrich Knörzer, beide Mitglieder der Berliner Philharmoniker.

Mit der Einladung von Petrit Ceku, einem Gitarrenvirtuosen aus dem Kosovo, bringen Braunstein und Ben-Ari eine neue musikalische Facette ein. In den Konzerten am 7. und 8. Juli wird er gemeinsam mit den anderen Festival-Musikern in Werken von Händel, Boccherini und Castelnuovo-Tedesco zu hören sein. Ein weiteres Highlight ist die erneute Mitwirkung von Gergana Gergova (Violine) und ihres Mannes, des weltberühmten deutschen Cellisten Alban Gerhardt, die nach ihrem Debüt 2014 zum zweiten Mal in Rolandseck zu Gast sein werden.