Das Theater in Mainz. Foto: Andreas J. Etter

Das Theater in Mainz. Foto: Andreas J. Etter

Mit Beethoven "grob" gestört?

Gegen rund 120 Mitarbeiter des Mainzer Theaters liegt eine Anzeige vor, weil sie während einer Kundgebung der AfD "Freude schöner Götterfunken" gesungen haben. Die Staatsanwaltschaft wird zu ermitteln haben, ob das eine "grobe" Störung war.

"Ich habe auch mitgesungen" sagt die Dame aus der Pressestelle. Und rund 120 weitere Mitarbeiter des Theaters in Mainz hätten das auch getan. Während die AfD auf dem Gutenbergplatz eine Versammlung abhielt, an der laut Polizei rund 300 Menschen teilnahmen, sang der Chor der Freiwilligen im Foyer des benachbarten Theaters dreimal den Chor aus Beethovens neunter Symphonie - mit Notenblättern in der Hand - genauer gesagt etwa einen einminütigen Ausschnitt daraus. Intendant Markus Müller war mit von der Partie und vertritt die Aktion offensiv. Ein Foto des Ereignisses zeigt zudem Posaunisten bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit.

Die Polizei findet in ihrer Pressemeldung folgende Worte für diesen Vorgang: "Zu Beginn des ersten Redners auf der AfD-Bühne wurde vom gegenüberliegenden Staatstheater eine Gesangsaktion gestartet, die so laut war, dass die Rede unterbrochen werden musste. Trotz mehrmaliger Ansprache durch die Polizei wurde die Gesangsaktion nicht beendet, sondern verstärkt. Eine Anzeige bezüglich dieses Sachverhalts wird der Staatsanwaltschaft zur Prüfung vorgelegt" 

Nun ist die Staatsanwaltschaft am Zug und wird zu entscheiden haben, ob sie ermittelt oder gar eine Anklage erhebt wegen grober Störung der Versammlung. Im Theater sieht man das sehr gelassen, denn die Versammlung habe ja stattfinden und alle Redner hätten ihre Beiträge äußern können. Mittlerweile melden sich viele Menschen beim Theater, die spenden möchten für den Fall, dass die an der Beethoven-Aktion Beteiligten eine Strafe zahlen müssen.