Freude an der Musik: Francesco Tristano. Foto: Aymeric Giraudel

Freude an der Musik: Francesco Tristano. Foto: Aymeric Giraudel

Mit Tristano auf einen Absacker an der Bar

Es gibt ja manche junge perfekte Super-Pianisten, die vor allem eins sind: super jung und super perfekt. Francesco Tristano ist zwar auch jung. Ob er perfekt ist? Natürlich nicht! Denn die Welt der Musik saust durch zu viele Kosmen, als dass man mit irgendetwas abschließen könnte. Deshalb: immer mit der Ruhe.

Ist das schon die neue Vertraulichkeit zwischen Künstler und Auditorium oder doch zunächst einmal ein PR-Coup, der neugierig machen sollen darauf, nicht nur der Musik, sondern auch dem, der sie macht, nah zu sein? An der Bar nach dem Konzert, da kann man es erfahren. Frankfurt, elfter März

Francesco Tristano Schlimé, von der Bühne an die Bar, stammt aus Luxemburg hat an der Juilliard School of Music in New York studiert, sich von Rosalyn Tureck unterweisen lassen, er hat die Goldberg-Variationen aufgenommen und den ganzen Berio.

Nun ist es nichts Ungewöhnliches, wenn Luxemburger über die eigenen Grenzen hinausdenken. Tristano schickt sich an, einer jener zu werden, auf die Schimpfwörter wie „Crossover“ nicht mehr passen, weil da einer nicht in A aufgewachsen ist und auch mal in B vorbeischaut, sondern weil die mediale Verfügbarkeit von allem und jedem eine Generation hervorgebracht hat, deren kluge Köpfe ihre Neugier und Offenheit in einer Weise stillen und dadurch neu entfachen können, die keine Schubladen mehr erlaubt, weil sie eh alle in derselben Cloud stecken.

Wer Tristano mit Elektro-Mann Carl Craig oder dem langsamen Satz aus Ravels G-Dur-Konzert hört oder mit Bach, der kann Tristanos Interesse spüren, an der ganzen Musik, nicht an deren Zuspitzung auf Momente. Tristano hat es dementsprechend auch nicht eilig.

„Hab den Tristano hier auf Youtube erst kennengelernt, und vor allem mit Bach, Techno & Co.! Hier höre ich gerade rein, (Huch, da ist eine dissonance oder soll das so?) - und ist das jetzt Ravel? Da kenn' ich mich zu wenig aus aber das habe ich noch nie gehört. Ich bin begeistert!!!“ schreibt ein digitaler Musikhörer unter ein Video bei Youtube.

Tristano, der Name lässt natürlich an den Namensvetter, den so ernsthaften Jazzer Lennie denken, möge sich bei all dem nicht verlieren. Und wenn: Er kann sich abholen am elften März an der Bar, bevor er sich im kleinen Saal der Alten Oper von Frescobaldi bis Strawinsky entschleunigt hat.

Francesco Tristano, Klavier „Non senza fatica: Motorik versus Stasis“

Francesco Tristano: Hello;
 Girolamo Frescobaldi; Aus Toccaten, Buch II: Toccata Nr. 4 "da suonarsi alla levazione" Toccata Nr. 9 "Non senza fatica si giunge la fine", Toccata Nr. 8 "Di durezze e ligature", Cento partite sopra passacagli;
 Francesco Tristano: Ground Bass (Chaconne);
 Johann Sebastian Bach: Toccata c-Moll BWV 911, Praeludium es-Moll BWV 853,
Toccata e-Moll BWV 914; Igor Strawinsky: Tango, 3 Sätze aus Petruschka: Danse Russe – Chez Petrouchka – La semaine grasse

Freitag, 11. März 2016 , Alte Oper Frankfurt, Mozart Saal, 20.00 Uhr

Im Anschluss an das Konzert, gegen 22:00, Foyer Ebene 2: An der Bar mit Francesco Tristano, Moderation: Hans-Jürgen Linke (Dauer: ca. 30 Min.)