Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Foto: Molina Visuals

Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Foto: Molina Visuals

Mit Vogelstimmen und inneren Räumen

Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin geht in die zweite Saison unter Vladimir Jurowski. Thematisch geht es um Lebensräume, weswegen der NABU als Partner fungiert und auch Expeditionen in die Natur angeboten werden.

Die zweite Spielzeit unter der Leitung von Vladimir Jurowski steht beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) unter dem Motto „Der Mensch und sein Lebensraum" und bietet dem Publikum neben zahlreichen musikalischen Werken aus den Themenkreisen Natur, Umwelt und Landschaft auch Aktivitäten außerhalb des Konzertsaales, wie Spaziergänge mit Vogelstimmen, Führungen durch Parkanlagen oder Meditationen zur Erkundung der inneren Räume.

Partner der Spielzeit mit dem Slogan „Natürlich RSB" ist der NABU Berlin e.V., weitere Angebote werden durch die Zusammenarbeit mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten ermöglicht. Beginnend mit der Spielzeit 2018/2019 geht das RSB jährlich eine enge künstlerische Partnerschaft mit einem Komponisten und einem Solisten ein. Der erste „Composer in Residence" ist der Australier Brett Dean. In drei Sinfonie- und zwei Kammerkonzerten werden insgesamt fünf seiner Werke aufgeführt und am 9. Dezember ist er als Solist in seinem eigenen Bratschenkonzert zu erleben.

Der erste „Artist in Focus" ist der aus München stammende Cellist Johannes Moser, der am 7. April Waltons Cellokonzert interpretiert und mit den Cellisten des RSB am 9. Mai ein Kammerkonzert im Kühlhaus Berlin gestaltet. Ende Mai gibt er ebenfalls mit den Cellisten einige „Pop-up-Konzerte" in sozialen und medizinischen Einrichtungen und präsentiert am 30. Mai ein großes Cello-Mitmachkonzert. 

Vladimir Jurowski dirigiert das RSB in insgesamt 22 Konzerten, wobei zwölf davon in Berlin stattfinden und sich größtenteils dem Saisonthema widmen. Gleich am Anfang der Spielzeit stehen zwei Gastspiele mit Werken von Mozart, R. Strauss und Strauß (Sohn), eines zum Abschluss des Choriner Musiksommers 2018 und eines im Maison de la Radio in Paris. Am 14. Oktober erklingt unter Jurowskis Leitung Mahlers „Lied von der Erde" mit Sarah Connolly und Torsten Kerl in der Philharmonie Berlin. Am 15. Dezember dirigiert der RSB-Chefdirigent im Konzerthaus Berlin John Adams' Weihnachtsoratorium „El Niño" mit dem Rundfunkchor Berlin und Solisten wie Rosemary Joshua und Davóne Tines, bevor er das Publikum am 23. Dezember in der Philharmonie mit einem Weihnachtsprogramm mit Werken von Bach über Pärt bis Honegger und u.a. mit Andreas Scholl, Christopher Purves, der Berliner Singakademie sowie zwei Kinderchören auf die Festtage einstimmt. Beethovens Sinfonie Nr. 9 wird zum Jahreswechsel mit der Uraufführung eines Auftragswerkes von Georg Katzer kombiniert, dem für die Komposition die Orchesterbesetzung der Beethoven-Sinfonie zur Verfügung steht.

In den Konzerten am 22. und 24. Februar leitet Vladimir Jurowski jeweils Strauss' „Alpensinfonie", einmal in Verbindung mit Mozarts Klavierkonzert KV 467 mit Leif Ove Andsnes und einmal mit Brahms' Violinkonzert mit der Solistin Akiko Suwanai. Der Pianist und die Geigerin gehen im März mit Vladimir Jurowski und dem RSB auf eine Japan-Tournee mit neun Konzerten, deren Repertoire aus dem Klavierkonzert Nr. 1 und dem Violinkonzert von Brahms sowie aus Beethovens Sinfonie Nr. 7 und Mahlers Sinfonie Nr. 1 besteht.

Für das Konzert am 19. Mai arbeitet das RSB unter seinem Chefdirigenten mit dem „ensemble unitedberlin" zusammen: Gérard Griseys „Les espaces acoustiques" lassen den Klang zum Lebewesen werden, das sich durch die Zeit bewegt und dabei stetig wächst – von der Solobratsche (Jean-Claude Velin) bis zum vollen Orchester.

Weitere Akzente hinsichtlich des Saisonschwerpunktes setzt Vladimir Jurowski mit Mahlers Sinfonie Nr. 1 in der Fassung mit dem fünften Satz „Blumine", die sich am 31. März an Brahms' Klavierkonzert Nr. 1 mit Nicholas Angelich anschließt, und mit Beethovens Sinfonie Nr. 6 („Pastorale") am 16. Mai, die nach dem Strauss'schen Violinkonzert mit Alina Ibragimova erklingt. Um die vom Menschen verursachte akustische Verschmutzung der Lebensräume geht es am 26. Mai in Brett Deans „Vexations and Devotions", u.a. mit dem Rundfunkchor Berlin, dem Mahlers Rückert-Lieder mit Thomas Hampson vorausgehen. Den Berliner Saisonabschluss bilden am 23. Juni in der Philharmonie Haydns „Jahreszeiten", in denen die Solisten Chen Reiss, Topi Lehtipuu und Dietrich Henschel sowie erstmals das Vocalconsort Berlin mit dem RSB zu hören sind. Am Tag zuvor erklingt das Oratorium bereits zur Eröffnung des Choriner Musiksommers 2019. 

Seine Berliner Saison eröffnet das RSB beim Musikfest Berlin mit Frank Strobel, der 100 Jahre nach dem Ende des 1. Weltkrieges in einem Filmkonzert die Musik von Philippe Schoeller zu Abel Gances Antikriegs-Stummfilm „J'accuse" dirigiert. John Storgårds leitet das RSB in Bruckners Sinfonie Nr. 5 in Köln sowie in Werken von Britten, Dean und Schumann in Berlin. Nach vielen Jahren kehrt Peter Ruzicka mit einer Eigenkomposition, Bruchs Violinkonzert Nr. 1 mit Ray Chen und zwei Werken von George Enescu zum RSB zurück. Im Konzert mit Dima Slobodeniouk interpretiert Carolin Widman das Violinkonzert von Robert Schumann. Alondra de la Parra und Arabella Steinbacher präsentieren ein Programm mit Werken von Ravel, Korngold und Milhaud. Michael Wendeberg dirigiert das RSB im Rahmen von „Ultraschall Berlin", u.a. in einer Uraufführung eines Werkes von Claus-Steffen Mahnkopf, an der die Neuen Vocalsolisten beteiligt sind.

Die Zusammenarbeit mit Alain Altinoglu wird mit Werken von Beethoven, Pintscher und Prokofjew fortgesetzt, wobei Emmanuel Pahud als Soloflötist zu hören ist. Ivan Repušić kehrt mit Werken von Devčić und Walton sowie der Symphonie fantastique von Berlioz zum RSB zurück. Lahav Shani leitet das Orchester in Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 einmal mehr vom Klavier aus und führt zum Saisonabschluss am 30. Juni mit dem RSB Bruckners Sinfonie Nr. 7 in der Basilika Ottobeuren auf.

In einem Konzert in Kooperation mit dem WWF debütiert Nicholas Carter beim RSB, u.a. mit Vaughan Williams' „Sea Symphony". Mit der französischen Dirigentin Ariane Matiakh hat das RSB bereits drei CDs aufgenommen, wobei die erste mit Klavierkonzerten von Zara Levina sogleich für einen Grammy nominiert wurde. Nun gibt die Französin auch ihr RSB-Konzertdebüt, bei dem Fazıl Say sein Klavierkonzert „Water" spielt.

Erstmals beim RSB zu Gast sind außerdem der Australier Iain Grandage im Rahmen des Filmkonzertes „Setan Jawa", das vom Humboldt Forum veranstaltet wird, und Massimo Zanetti, der in einem Sonderkonzert Arien und Duette aus Verdi-Opern dirigiert, dargeboten von Sonya Yoncheva und ihrem Bruder Marin Yonchev. Ihren Einstand beim RSB geben zudem Sylvain Cambreling, unter dessen Leitung Anna Vinnitskaya Prokofjews Klavierkonzert Nr. 2 interpretiert, und Antonello Manacorda, der Beethovens Achte mit Schuberts „Großer" C-Dur-Sinfonie kombiniert, während bei Edward Gardners RSB-Debüt mit Werken von Mendelssohn, Chausson, Wagner und Debussy die Mezzosopranistin Clémentine Margaine zu hören ist.

Im Rahmen des Mitsingkonzertes vom Rundfunkchor Berlin mit dem Dirigenten Simon Halsey tritt das RSB im November erneut gemeinsam mit seinem Patenorchester, der Deutschen Streicherphilharmonie (DSP), auf. Die Programme der sieben Kammerkonzerte wurden erneut von den Musikerinnen und Musikern des RSB selber konzipiert. An drei Abenden sind Konzerte im silent green Kulturquartier im Wedding zu hören, das sich als hervorragender Ort für die Klassik im kleinen Rahmen etabliert hat. Nach Drucklegung der Saisonbroschüre wurde das Konzert vom 14. Februar aus Dispositionsgründen vom silent green ins Ehemalige Stummfilmkino Delphi verlegt, eine ebenfalls sehr inspirierende Spielstätte. Zwei weitere Programme finden im Schloss Schönhausen in Pankow statt, das sich als neue Kulisse in die lange Reihe der Kammermusikorte des RSB einfügt. Das letzte Kammerkonzert der Saison wird am 9. Mai vom „Artist in Focus" Johannes Moser gemeinsam mit den Cellisten des RSB im Kühlhaus Berlin gestaltet. 

Insgesamt drei Mal gehen Mitglieder des RSB in der Spielzeit 2018/2019 auf Schultour durch Berlin und bereiten damit Schüler verschiedener Altersstufen auf ein Familien- bzw. ein Kammerkonzert des Orchesters vor. Dabei laden sie die Kinder und Jugendlichen dazu ein, selbst zu komponieren. Im Vorfeld der März-Konzerte mit Juri Tetzlaff, in denen einige Schülerkompositionen vorgestellt werden sollen, finden außerdem Workshops für Schulklassen statt. 

Deutschlandfunk Kultur überträgt 17 der RSB-Konzerte live oder zeitversetzt, der Deutschlandfunk strahlt sieben Konzerte aus und das kulturradio vom rbb drei. Es sind mehrere Studioaufnahmen für CD geplant, u.a. mit PENTATONE, capriccio, Sony Classical und Deutschlandfunk Kultur. In den vergangenen Monaten ist bei PENTATONE eine CD mit den Violinkonzerten von Britten und Hindemith mit Arabella Steinbacher unter der Leitung von Vladimir Jurowski erschienen sowie der Live-Mitschnitt von „Hänsel und Gretel", der die letzte RSB-Aufnahme mit Marek Janowski war. Das Label capriccio brachte drei Solokonzerte für Klavier, Cello und Posaune von Harald Genzmer mit der Dirigentin Ariane Matiakh heraus sowie die Stummfilmmusik zum Eisenstein-Epos „Iwan Grosny" von Sergei Prokofjew mit Frank Strobel und dem Rundfunkchor Berlin, während bei Sony Classical eine Einspielung der beiden Brahms-Klavierkonzerte mit Adam Laloum und Kazuki Yamada veröffentlicht wurde. Für Mai 2018 ist die PENTATONE-Aufnahme der Orchesterkonzerte von Bartók und Kodály unter der Leitung von Jakub Hrůša angekündigt.