Monforter Zwischentöne am Abgrund des Lebens

Sterben und Sterben lassen - bei den Monforter Zwischentönen geht es ums Loslassen, auch das des eigenen Lebens. Hat das etwas mit der politischen Stimmung im Land zu tun? Keine Ahnung. Halten wir uns lieber an den Messias von Händel.

Die sechste Ausgabe der „Montforter Zwischentöne“ steht unter dem Titel „Sterben – Über das Loslassen“. Im November, wenn an Allerheiligen und Allerseelen der Toten gedacht wird, beleuchten Künstler und Experten des Alltags das Sterben aus ganz unterschiedlichen und persönlichen Blickwinkeln. In den Fokus wird nicht etwa der Tod als Endpunkt des Lebens gestellt, sondern vielmehr das Potenzial des Bewusstseins der eigenen Endlichkeit.

So tastet das Programm eine fast schon tabuisierte Bedingung unserer Existenz auf ihre Brauchbarkeit für das Leben ab. Thematisiert wird der Kreislauf von Geburt, Leben und Auferstehung, mit Ausblick auf die sich anschließende Feier zur Geburt Christi. Im Zentrum dieser „Zwischentöne“ steht Händels „Messias“, mit Live-Interviews mit Experten rund um die Themen Geburt, Verfolgung, Tod und Auferstehung.  

Besondere Aufmerksamkeit gebührt dem Ereignis „Messias – Liveschaltung ins Diesseits“, in dessen Mittelpunkt Georg Friedrich Händels Oratorium „Messias“ steht. Das englischsprachige Libretto des Werkes besteht fast ausschließlich aus Zitaten aus dem Alten Testament und neigt in seiner Formelhaftigkeit dazu in liturgischer Distanz zur Lebensrealität zu bleiben. Durch die „Liveschaltung ins Diesseits“ wird das Sujet aktuell, werden die Texte in den Spiegel der Gegenwart gestellt und auf seine inhaltliche Resonanzfähigkeit hin seziert: Der TV-Journalist Hanno Settele, als langjähriger ORF-Korrespondent in Washington, stellt live die Fragen, die von einem Theologen, einer Sozialarbeiterin, einem Oberarzt einer Palliativstation und einem Kunsterzieher beantwortet werden. Es sind zeitgenössische Antworten auf ewige Fragen zu Glaube, Verfolgung und Erlösung. Mit den Auferstehungs-Klängen des „Messias“ wird das „Zwischentöne“-Jahr beschlossen.  

Mit Spannung erwartet wird das Ereignis „Mörder Seelen“, im sterilen, gekachelten Bassin des Alten Feldkircher Hallenbads. Raimund „Tschako“ Jäger liest aus seiner kriminologischen Enzyklopädie mit Kurzportraits von Serien-, Massen-, Sekten- und Mitleidsmorden, während einer der international wichtigsten Gerichtspsychiater, Reinhard Haller, die Studien kommentiert. Musikalisch umrahmt wird der Abend vom Schlagzeuger Alfred Vogel. „Mörder Seelen“ ist ein Bewältigungsversuch als Jam-Session mit literarischen, wissenschaftlichen und musikalischen Mitteln. Bei diesem Quintett werden jeweils sieben Fragen an Expertinnen und Experten gestellt, die aus unterschiedlichen Zugängen und Professionen Menschen am Ende ihres Lebens begleiten: ein Arzt, ein Priester, eine Angehörige und ein Hospiz-Begleiter. Auf diese persönlichen Erfahrungen antwortet der Cellist Peter Bruns spontan aus seinem reichen Repertoire mit Werken von Johann Sebastian Bach bis Ernst Toch zum Thema.  

Das im Januar 2015 eröffnete Montforthaus, Kongress- und Kulturzentrum, setzt in Feldkirch neue Zeichen. Die eigene Reihe „Montforter Zwischentöne“ wird von Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde ausgerichtet und erregt neben der positiven Publikumsresonanz in der Region auch internationale Aufmerksamkeit für ihre innovativen Programm-Konzepte. Bewusst außerhalb der Hauptsaisons im Februar, Juli und November angesiedelt, greift sie Themen auf, die mit jahreszeitlich verbundenen Stimmungen, Bräuchen und Festen sowie unserem Lebensalltag verbunden sind. Die Programme entstehen in enger Zusammenarbeit der beiden Kuratoren, die mit der Konzeption der Zwischentöne Neuland betreten und neue Veranstaltungsformate im Dialog zwischen Musik, Literatur und bildender Kunst kreieren. Alle Projekte werden exklusiv für Feldkirch entwickelt und bringen in der Regel lokale Künstler mit internationalen Spezialisten zusammen oder stellen Projekte internationaler Künstler in lokale Kontexte.  

www.montforter-zwischentoene.at