Freude an der Musik beim Zermatt-Festival. Foto: Aline Fournier

Freude an der Musik beim Zermatt-Festival. Foto: Aline Fournier

Musik am Fuß des Matterhorns

Das Scharoun-Ensemble, das aus Mitgliedern der Berliner Philharmoniker besteht, lädt wieder nach Zermatt zum Kammermusikfestvial in imposanter Naturkulisse und ungewöhnlichen Konzerträumen ein.

Wie jedes Jahr seit nunmehr zwölf Jahren, findet das Zermatt Festival am Fuß des Matterhorns mit dem aus den Reihen der Berliner Philharmoniker hervorgegangenen Scharoun Ensemble statt. Seinen Namen leitet das Ensemble vom Architekten seines Stammhauses ab: Mit der Berliner Philharmonie hat Hans Scharoun (1893-1972) einen weltweit einzigartigen Konzertsaal geschaffen, der eine Synthese zwischen Innovation und Traditionsbewusstsein wagt und neue Wege der künstlerischen Kommunikation eröffnet – Ideale, denen sich auch das Scharoun Ensemble verpflichtet fühlt.

Diese Werte setzt das Ensemble heute in den Mittelpunkt seines musikalischen Schaffens. In Zermatt, wo das Ensemble seit seiner Gründung "in residence" ist, finden jedes Jahr nicht nur hochkarätige Konzerte statt, sondern auch Kammermusik-Akademien, im Rahmen derer sich jungen Musikerinnen und Musikern die einzigartige Chance bietet, mit den Mitgliedern des Ensembles zu arbeiten, zu musizieren und sich mit ihnen auszutauschen. Dabei liegt ein Hauptaugenmerk auf dem Austausch mit zeitgenössischen Komponisten.

Exzellenz in Schlichtheit – so lautet der Leitspruch. Am ersten Wochenende wird der auf alte Musik spezialisierte niederländische Cembalist, Orchester- und Chorleiter Ton Koopman in dem auf 1.608 Metern am Fuß des sagenumwobenen Matterhorns gelegenen Ort ein Gastspiel geben und u. a. die 99. Sinfonie von Haydn und das  Mozart-Requiem dirigieren. Ihm zur Seite stehen bekannte Solisten und mit dem Oberwalliser Vokalensemble ein bereits mehrfach ausgezeichneter Chor.

Ein weiteres Festival-Highlight ist der Cellist Jean-Guihen Queyras, der von den Lesern der Musikzeitschrift Diapason zum «Künstler des Jahres» gewählt und 2008 mit dem Victoires de la Musique Classique als «Bester Soloinstrumentalist» für das Cellokonzert in A-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach ausgezeichnet wurde.

Der brasilianische Pianist rumänischer Herkunft und Prix Haskil-Preisträger des Jahres 2013, Cristian Budu, war eigentlich schon für das Festival 2015 eingeplant. Jetzt endlich kommt er mit Beethoven und Chopin (24 Préludes), dem Programm seiner ersten, am 20. Mai bei Claves erschienenen CD.

Kleine Kostbarkeiten haben der Bariton Stephan Genz und der Pianist Michel Dalberto in einem Liederzyklus von Schumann am Vorabend des zweiten Wochenendes zu bieten. Ebenfalls im Programm: der amerikanische Geiger Noah Bendix-Balgley – u. a. Finalteilnehmer des Concours International Reine Elisabeth 2009 in Brüssel und übrigens seit kurzem 1. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker.

Das Duo Christiane Baume-Sanglard – Dana Ciocarlie präsentiert sich in einem Klavierprogramm zu vier Händen und der Berliner Pianist Martin Helmchen, ein weiterer Prix Haskil-Preisträger (2001), spielt das Klavierkonzert Nr. 18 in B-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart.

Zwischen diesen beiden ereignisreichen Wochenenden liegt eine Woche, in der die Darbietung des Stummfilms «In Sturm und Eis» von Arnold Fanck über die 1921 erfolgte Erstbesteigung des östlich vom Matterhorn gelegenen Liskamms mit der originalen Filmmusik von Paul Hindemith einen Höhepunkt markiert. Dieser in Zermatt sehr beliebte Film wird seit 2014 jedes Jahr gezeigt.

Über die gesamte Woche hinweg spielen die Akademie-Teilnehmer Gratiskonzerte an verschiedenen Spielstätten in Zermatt. Die Akademie ist ein wichtiger Faktor in Zermatt. Sie ist wesentlicher Bestandteil des Festivals und die Teilnehmenden und ihre Dozenten arbeiten zehn Tage lang sehr intensiv, mit nicht weniger als 260 Probenstunden insgesamt. Die Zermatter Akademie ist anders als andere europäische Akademien. Sie unterscheidet sich vor allem durch ihr umfangreiches Repertoire an Klassik und selten gespielten zeitgenössischen Werken. Das diesjährige Abschlusskonzert findet in der Stiftung Pierre Gianadda in Martigny statt, basierend auf einer im Jahr 2015 initiierten Zusammenarbeit, die uns viel Freude bereitet. Das Zermatt-Festival findet statt vom 9. bis 18. September.

www.zermattfestival.com