In Hamburg beim Festival Lux aeterna traten auch tanzende Derwische aus Damaskus auf. Foto: Claudia Hahn

In Hamburg beim Festival Lux aeterna traten auch tanzende Derwische aus Damaskus auf. Foto: Claudia Hahn

Musik für die Ewigkeit

Mit einem Konzert geistlicher Werke Antonio Vivaldis mit der Sopranistin Ana Quintans und dem Concerto de' Cavalieri (Leitung: Marcello Di Lisa) in der Laeiszhalle ging am Mittwoch das Festival »Lux aeterna« zu Ende.

»Lux aeterna – ein Musikfest für die Seele« bot dem Publikum diesmal 25 unterschiedliche Konzertprogramme in 35 Konzerten an neun Spielorten. Wie auch schon bei der dritten Ausgabe 2017 standen die beiden Säle der Elbphilharmonie im Zentrum, doch auch die beiden Hauptkirchen St. Michaelis und St. Katharinen öffneten für »Lux aeterna« ihre Tore, ebenso die Laeiszhalle, Kampnagel, der resonanzraum St. Pauli und das Planetarium Hamburg. Neu hinzugekommen waren der Tschaikowsky-Saal und die Halle 424 am Oberhafen.

Wie stets fand das Festival nahezu den ganzen Februar über statt. Mehr als die Hälfte der Konzerte und nahezu zwei Drittel der Programme steuerte die HamburgMusik bei. Zu den vielen Höhepunkten zählte gleich nach der Festival-Eröffnung die Aufführung von Debussys selten gespieltem Oratorium »Le Martyre de Saint Sébastien« durch die Symphoniker Hamburg mit der Europa Chor Akademie Görlitz und Solistinnen. Das Konzert markierte gleichzeitig das Debüt Sylvain Cambrelings, neuer Chefdirigent der Symphoniker Hamburg, in der Elbphilharmonie.

Auch die »Trois petites liturgies« von Messiaen und Schostakowitschs Sinfonie Nr. 13, die Ingo Metzmacher mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester einander gegenüberstellte, sorgten für drei ausverkaufte und umjubelte Vorstellungen. Der schottische Pianist Steven Osborne hinterließ mit seinem zweieinhalbstündigen Parforce-Ritt durch Olivier Messiaens Klavierzyklus »Vingt regards sur l'enfant Jésus«, bei dem er sich keine Pause gönnte, einen unvergesslichen Eindruck.

Die algerische Sängerin Houria Aichi verzauberte das Publikum mit authentischen Gesängen aus einer entlegenen Berber-Region, der Jazzkomponist Christophe Schweizer führte in großer Besetzung mit lokalen Musikern seine komplex zwischen Komposition und Improvisation changierende Suite »Rumi – Silence is a Language of God« auf. Beide brachten damit Varianten der Sufi-Tradition ins Spiel, der mystischen Richtung des Islam, die bereits Noureddine Khourchid und die Derwische aus Damaskus zu Beginn von »Lux aeterna« beschworen hatten. Arabisches klang zudem beim Duo Naqsh an, das in der Halle 424 auf Gitarre und Klarinette iranisch inspirierte Kammermusik spielte. Während der Darbietung des mikrotonalen Werks »in vain« des österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas mit dem Ensemble Modern (Leitung Jonathan Stockhammer) erfüllte den Kleinen Saal an zwei Stellen minutenlang eine komplette Finsternis. Sie ließ an jenen unnennbaren Zeitraum und Zustand denken, ehe Gott es Licht werden ließ.

»Singing« im Großen Saal der Elbphilharmonie geriet mit dem NDR Chor und gut 1000 Laiensängerinnern und –sängern unter der Leitung von Klaas Stock zum berührenden Fest der Stimmvielfalt. Eine erfrischend unkonventionelle Bearbeitung einiger Kompositionen Beethovens für Klavier, Sitar und Tabla hatte das Trio Cosmos in den Tschaikowsky-Saal mitgebracht. Im Beisein des Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier, des Präsidenten der Republik Lettland Raimonds Vējonis sowie des Komponisten Peteris Vasks gelangte sein »Veni Domine« zur Uraufführung, ein Auftragswerk der Elbphilharmonie. Stürmisch gefeiert wurden hierbei die aus Lettland stammende Titularorganistin der Elbphilharmonie Iveta Apkalna und der Staatschor Latvija (Leitung Maris Sirmais). Der Jazz-Pianist Craig Taborn schließlich ließ bei seinem Solokonzert im Kleinen Saal der Laeiszhalle manche agnostischen Zuhörer zumindest an die Kraft der Improvisation glauben.