Yuja Wang tritt als Solistin in Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 4 mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra (CBSO) bei „Musik im Riesen“ auf. Foto: Norbert Kniat

Yuja Wang tritt als Solistin in Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 4 mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra (CBSO) bei „Musik im Riesen“ auf. Foto: Norbert Kniat

Musik im Riesen

Das Klavier im Konzert mit Orchester und als Soloinstrument, Musik an der Schnittstelle zwischen regionalem Schaffen und internationaler Ausstrahlung sowie sakrale Chormusik prägen das Programm von Musik im Riesen vom 22. bis 26. Mai 2019 in Wattens und Innsbruck.

Höhepunkt des Festivals ist der Auftritt zweier junger Weltstars am 25. Mai 2019: Pianistin Yuja Wang und Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla kommen mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra nach Innsbruck. „Das Klavier scheint alle Instrumente im Orchester nachmachen zu können“, schwärmt die junge Pianistin Yuja Wang über das Instrument, dem sie sich zuallererst „wie einem großen Spielzeug“ näherte. Ihre unbändige Spielfreude und ihre Lust am Entdecken wird auch zu hören sein, wenn die gebürtige Chinesin und Wahl-New-Yorkerin als Solistin in Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 4 mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra (CBSO) bei „Musik im Riesen“ auftritt. Am Dirigentenpult steht dann ein anderer junger weiblicher Superstar: die Litauerin Mirga Gražinytė-Tyla, seit 2016 Musikdirektorin des CBSO und damit eine der jüngsten Dirigentinnen eines führenden Orchesters.

Für das seit 16 Jahren bestehende Festival der Swarovski Kristallwelten Wattens, dessen Hauptaugenmerk auf Kammermusik liegt, ist ein Orchesterkonzert dieser Größenordnung zwar ungewöhnlich, aber durchaus schlüssig: Der künstlerische Leiter Thomas Larcher, der 2018 selbst als Komponist seiner 2. Symphonie „Kenotaph“ mit dem Prix de Composition Musicale sowie dem Ernst-Krenek-Preis der Stadt Wien ausgezeichnet wurde, knüpft damit an frühere Konzerte für Kammerorchester mit Solisten wie Nicolas Altstaedt und Sol Gabetta an.

Als zweite Aufführung in großer Besetzung ist die Missa Omnium Sanctorum a-Moll für Soli, Chor und Orchester von Jan Dismas Zelenka geplant. Der Barockkomponist gilt heute als musikalischer Vorreiter, der bei Zeitgenossen wie Johann Sebastian Bach höchstes Ansehen genoss, auf der Bühne aber erst in den letzten Jahrzehnten die gebührende Aufmerksamkeit erhielt. Den Chorpart bei diesem Sakralkonzert übernimmt der Choropax Kammerchor Wattens, ein Ensemble der Musikschule Wattens, das seit Jahren mit „Musik im Riesen“ über das Masterclass-Programm „Impuls“ eng verbundenen ist.

Für eine Mitwirkung beim Masterclass-Programm „Impuls“ konnten 2019 die Pianisten Paul Lewis und Aaron Pilsan gewonnen werden, die beim Festival jeweils ein Solokonzert geben. Paul Lewis eröffnet Musik im Riesen unter anderem mit Beethovens letzter Komposition für Klavier solo, den Diabelli-Variationen, und einem Spätwerk von Johannes Brahms.

Aaron Pilsan spannt mit Solowerken von Joseph Haydn bis Karol Szymanowski einen Bogen von der Klassik hin zum Impressionismus. Ein Thema, das alle Konzerte des Festivals berührt, ist jenes der Abschiede, Übergänge und (Neu-)Anfänge. Es findet sich in den genannten Werken aus späten Schaffensphasen, in Ligetis frühem Concert Românesc und in Musik, die wie Joseph Haydns Klaviersonate e-Moll kurz vor der Abreise (in diesem Fall aus London) entstand. Es findet sich in Antonín Dvořáks letztem vollendeten Streichquartett, das er in den USA begann und in Prag abschloss, und im siebten und achten Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch – das eine seiner verstorbenen Frau Nina gewidmet, das andere von ihm im Stillen als Nachruf auf sich selbst komponiert.

Aufgeführt werden diese letztgenannten Werke vom Pavel Haas Quartet. Den wohl ungewöhnichsten Beitrag zum Thema Neuanfang leistet Knödel, ein Ensemble, dass sich nach 17 Jahren wieder zusammengefunden hat. Das Oktett um den Komponisten, Fagottisten, Zitherspieler und Elektroniker Christof Dienz repräsentiert neben den Interpreten von Zelenkas Messe und Aaron Pilsan das überregional bedeutende österreichische Musikschaffen bei Musik im Riesen. Dass die acht Musiker seit der Auflösung der Knödel im Jahr 2000 zwar jeweils eigene Wege beschritten haben, aber nach wie vor einen frischen Zugang zu Klassik, Jazz und Volksmusik pflegen, demonstrieren sie im Konzert und auf einer neuen CD, die sie im Rahmen des Festivals präsentieren.