Mitsuko Uchida und das Mahler Chamber Orchestra. Foto: May Zircus

Mitsuko Uchida und das Mahler Chamber Orchestra. Foto: May Zircus

"Musik ist ein großes Gemälde!"

„Hört zu. Haltet eure Ohren offen.“ Mitsuko Uchida ist eine Verkünderin, deren Botschaft die Musik ist. Die Kempff-Schülerin vereint zerbrechlich wirkende Grazilität mit markanten Zügen - sowohl optisch, als auch in ihrem Klavierspiel. Mit der "Häppchen"-Kultur hat sie nichts am Hut. Frankfurt widmet ihr ein Mini-Festival.

Sie steht im Fokus – und nimmt sich selbst doch gerne zurück, das zeigt der zweite der drei Konzertabende des Fokus-Festivals um Mitsuko Uchida in der Alten Oper Frankfurt. Ihren Kammermusikabend am Donnerstag, 28. Januar 2016, um 20.00 Uhr im Mozart Saal gestaltet die japanisch-britische Pianistin gemeinsam mit hochgeschätzten Kollegen, dem Klarinettisten und Komponisten Jörg Widmann sowie Mitgliedern des Mahler Chamber Orchestra. Wie ihr Orchesterkonzert am 27. Januar und ihr Solorezital am 30. Januar kreist auch dieser Abend um das Schaffen Wolfgang Amadeus Mozarts, dem sicherlich wichtigsten Komponisten in der Laufbahn Mitsuko Uchidas.

Dessen eher heiteres Flötenquartett KV 285 und das tiefgründige Klarinettenquintett bilden die Gegenpole – und zeigen zugleich, welche Klangwelten auch Mitte des 19. Jahrhunderts einen Robert Schumann gefangen nahmen. Wie dieser sich von den Mozart’schen Stimmungswechseln, den Zwischentönen, dem Esprit und dem Schalk – und nicht zuletzt von den durch Mozart erstmals tiefgehend erkundeten Ausdrucksmöglichkeiten der Klarinette inspirieren ließ, stellt Mitsuko Uchida gemeinsam mit Jörg Widmann in Schumanns Fantasiestücken op. 73 unter Beweis.

Die meiste Zeit rede sie englisch, mit ihrer Verwandtschaft spreche sie japanisch – aber ihr musikalisches Denken finde in deutscher Sprache statt, erläuterte die Pianistin Mitsuko Uchida unlängst in einem Interview mit dem „Guardian“. Ein Deutsch mit österreichischem Zungenschlag, denn die in Japan geborene Musikerin verbrachte prägende Jahre in Wien, bevor sie in London 1972 ihre internationale Karriere begann.

Seither ist sie mit allen führenden Orchestern in den wichtigsten Konzertsälen aufgetreten und hat sich einen Ruf als führende Interpretin unserer Zeit erspielt. Ihr Rat an junge Musiker: „Hört zu. Haltet eure Ohren offen.“ Als größte Bedrohung der klassischen Musik sieht sie die Häppchenkultur an. „Musik ist ein großes Gemälde, eingerahmt in Zeit. Man braucht sie ganz.“

KAMMERMUSIK MIT MITSUKO UCHIDA

JÖRG WIDMANN Klarinette
CHIARA TONELLI Flöte
MITGLIEDER DES MAHLER CHAMBER ORCHESTRA
Donnerstag, 28. Januar 2016 ▪ Mozart Saal ▪ 20.00 Uhr

Wolfgang Amadeus Mozart Flötenquartett D-Dur KV 285; Robert Schumann Fantasiestücke op. 73; Wolfgang Amadeus Mozart Klarinettenquintett A-Dur KV 581