Max-Littmann-Saal. Foto: Kissinger Sommer

Max-Littmann-Saal. Foto: Kissinger Sommer

Musik nach der Natur gemalt

Der Kissinger Sommer 2019 steht unter dem Motto "1762 - Nach der Natur gemalt". Das Festival mit 56 Veranstaltungen vom 14. Juni bis zum 14. Juli lenkt im kommenden Jahr den Blick auf die Musik des 18. Jahrhunderts und die Beziehungen zwischen Musik und Natur.

"Winterreise" oder "Sommernächte": Viele von der Natur inspirierte Werke prägen im kommenden Jahr den Kissinger Sommer. Die Vernetzung von Künstlern und Inhalten kennzeichnet das dritte Festival unter der Intendanz von Tilman Schlömp. Mehr als zwei Drittel der Programme sind exklusiv für den Kissinger Sommer entstanden oder wurden in enger Abstimmung mit den Künstlern an das Festivalprogramm 2019 angepasst. Orchester wie die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen (sie ist Festivalorchester des Kissinger Sommers), die Tschechische Philharmonie oder die Klangkörper des Bayerischen Rundfunks ermöglichten so die Entwicklung sehr individueller "Kissinger Programme".

Die Sopranistin Julia Lezhneva, der die New York Times eine "engelsgleiche" Stimme bescheinigt, begleitet den Kissinger Sommer 2019 als Artist in Residence. Mit Repertoire vom Barock bis zur Romantik bringt die Künstlerin das Motto "Nach der Natur gemalt" in die historischen Kissinger Konzertsäle. Gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Paavo Järvi gestaltet Julia Lezhneva das Abschlusskonzert, das in den Werken von Haydn, Mozart und Beethoven gleichsam einen Spiegel der Wiener Klassik darstellt. Neben einem Duoabend mit Mikhail Antonenko am Flügel und Orgelpositiv ist Julia Lezhneva mit dem Kammerorchester La Voce Strumentale mit barocken Arien zu erleben.

Die Partnerschaft mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen als Festivalorchester umfasst neben ausgewählten Kammerkonzerten der Reihe "Kammerphilharmonie & friends" drei große Orchesterkonzerte. Omer Meir Wellber als Gastdirigent eröffnet mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen das Festival, Paavo Järvi leitet neben dem Abschlusskonzert einen exklusiven Schumann-Abend mit dem Pianisten Daniil Trifonov.

Gleich drei Opern und eine Operngala mit den Bamberger Symphonikern präsentiert der Kissinger Sommer 2019. Christoph Willibald Glucks 1762 uraufgeführte Oper Orfeo ed Euridice ist das wohl bekannteste Werk des Komponisten und Startpunkt seiner Opernreform, die der Musik den unmittelbaren Gefühlsausdruck zurückgab. Der Kissinger Sommer hat den Komponisten Damian Scholl beauftragt, eine "Kissinger" Fassung dieses Werkes zu erstellen und eigene Zwischenspiele zu komponieren, die den berühmten Orpheus-Mythos reflektieren. Der Abend mit der Mezzosopranistin Lena Belkina verbindet somit Tradition und Moderne.

Richard Wagners "Rheingold" beginnt in einer mythischen Naturwelt und illustriert die gestörte Beziehung des Menschen zu ihr. Für diese Oper holt der Kissinger Sommer die Produktion der Nordwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung von Frank Beermann in den Max-Littmann-Saal. Junge international erfolgreiche Sänger gestalten die konzertante Aufführung. Noch einmal zurück ins 18. Jahrhundert blickt das "Zukunftslabor" des Kissinger Sommers, das wieder Schülerinnen und Schüler von Kissinger Schulen mit professionellen Akteuren zusammenbringt. Auf der Basis von Jean-Jacques Rousseaus Kurzoper "Le devin du village" ("Der Dorfwahrsager") erarbeiten die Schüler gemeinsam mit Regisseur Till Kleine-Möller eine Musiktheater-Produktion, die an zwei Tagen im Kurtheater präsentiert wird. Die Accademia di Monaco unter der Leitung von Joachim Tschiedel und Vokalsolisten der Theaterakademie August Everding (München) sind Partner dieses Projektes.

2019 umfasst der Kissinger Sommer 56 Veranstaltungen, von der großen Opernproduktion bis zur Musikalischen Schnitzeljagd für Familien mit Kindern. Dazu kommen drei Meisterkurse des französisch-zypriotischen Pianisten Cyprien Katsaris mit den Teilnehmern des Kissinger KlavierOlymps 2018, außerdem ein Sonderkonzert mit der Sopranistin Diana Damrau am 24. Mai 2019. Auch im kommenden Sommer wird ein Teil des Festivals von der "eigenen" Künstlerfamilie gestaltet, wodurch teils sehr individuelle Programme möglich werden. Dazu gehören u.a. die Geigerin Patricia Kopatchinskaja, das Ensemble 2012 der Russisch-Deutschen MusikAkademie und das Ensemble Resonanz, der Pianist Igor Levit und das Netzwerk der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

Die 2018 neu hinzugekommenen Spielstätten werden auch 2019 mit besonderen Programmen bedacht: Daniel Hope spielt mit seinem New Century Chamber Orchestra im Innenhof des sanierten Luitpoldbades, das finnische Vokalensemble Rajaton gastiert in Bad Neustadt, und das Kobra Ensemble aus Amsterdam entwickelt ein Programm rund um das Thema "Wasser", mit dem der Kissinger Sommer im Schwimmbad KissSalis Therme a-cappella-Kunst mit Wellness verbindet. Bereits eingeführte Formate wie Lounge, Jazz Breakfast und literarische Konzerte bleiben bestehen. An die Stelle des Wandelkonzertes tritt das Sonderformat "Ein Tag mit Joseph Haydn". Das Kammerorchester Spira Mirabilis gestaltet den 22. Juni mit den drei Tageszeiten-Symphonien von Joseph Haydn, im Wechsel mit Brunch und Kaffeetafel im Kurgarten Café. Der Tag klingt aus mit einem late-night concert des Vision String Quartet.

Die Kissinger LiederWerkstatt bleibt als traditioneller Ort der Moderne, an dem fast alles erlaubt ist, ein Experimentierfeld auf höchstem Niveau für das Festival. "Hier kann das Lied in aller Ruhe gedeihen", schrieb die FAZ über die LiederWerkstatt 2018. Nach zwei Jahren Pause ist 2019 erstmals wieder Wolfgang Rihm mit einer Uraufführung dabei, die weiteren Komponistinnen und Komponisten sind Zeynep Gedizlioglu, Gerhard Rühm, Benjamin Scheuer, Steffen Schleiermacher und Manfred Trojahn. Die Kissinger LiederWerkstatt wird gefördert durch die Anton und Katharina Schick Stiftung.

www.kissingersommer.de