Donaueschinger Musiktage 2018, hier Enno Poppe (li.) mit Rundfunk für neun Synthesizer. Foto SWR/Ralf Brunner

Donaueschinger Musiktage 2018, hier Enno Poppe (li.) mit Rundfunk für neun Synthesizer. Foto SWR/Ralf Brunner

Musik von neun Komponistinnen und 17 Komponisten

Die Donaueschinger Musiktage 2018 boten 22 Uraufführungen in vier Tagen und feierten 25 Jahre Klangkunst. Der Preis des SWR Symphonieorchesters geht an die schwedische Komponistin Malin Bang.

Die Donaueschinger Musiktage 2018 endeten mit einem Konzert des SWR Symphonieorchesters und neuen Werken von Janis Petraskevics, Hermann Meier und Benedict Mason. Rund 10.000 Besucherinnen und Besucher erlebten von 18. bis 21. Oktober 22 Uraufführungen und fünf Klanginstallationen. "Mensch und Maschine", "Historische Instrumente in der Neuen Musik" und "Macht und Manipulation" waren dabei nur einige der Themen des Festivals.

Bei den Donaueschinger Musiktagen wurden Stücke von neun Komponistinnen und 17 Komponisten aus 18 Ländern aufgeführt. Alle Uraufführungen des Festivals waren Kompositionsaufträge des Südwestrundfunks (SWR). Zu den Veranstaltungen der Musiktage kamen Besucherinnen und Besucher aus Deutschland, zehn weiteren europäischen Ländern sowie aus Übersee.

Zu den international renommierten Ensembles, die das diesjährige Festival prägten, zählten unter anderem das Cikada Ensemble, IRCAM (Paris), Klangforum Wien, Ensemble Modern, ensemble mosaik, SWR Experimentalstudio, SWR Vokalensemble und die Neuen Vocalsolisten Stuttgart. Besonders große Resonanz beim Publikum fanden unter anderem Malin Bangs "splinters of ebullient rebellion" beim Eröffnungskonzert, Georges Aperghis&#700 (60-minütiges "Thinking Things" für vier Performer und robotische Erweiterungen)  sowie Enno Poppes Rundfunk für neun Synthesizer.

Isabel Mundry setzte sich in ihren Werken mit Fragen der Gegenwart auseinander wie dem Attentat von München im Sommer 2016 oder der Situation von Flüchtlingen in Deutschland. Begleitet wurden die Musiktage von zahlreichen Komponistengesprächen und einer Podiumsdiskussion über die Bedeutung von Beziehungen im Musikleben.

Seit 1993 ist die Klangkunst fester Bestandteil der Donaueschinger Musiktage. Mit Klangskulpturen und Installationen waren die Musiktage in diesem Jahr an so ungewöhnlichen Orten wie der Alten Molkerei, dem Fischhaus im Schlosspark und im Gewölbekeller der Alten Hofbibliothek präsent. Björn Gottstein, Leiter der Donaueschinger Musiktage, sagte: "So lange Komponisten mit einer derartigen Fülle an Klangideen, an Konzepten, Themen und Formen aufwarten, müssen wir uns um die Neue Musik keine Sorgen machen. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, dass uns die vielen gelungenen und wirklich triftigen Werke dieses Jahrgangs darin versichern, dass die Neue Musik uns weiterhin wichtige Anregungen und Gegenentwürfe zu unserem beschädigten Alltag geben kann."

Der Preis des SWR Symphonieorchesters bei den Donaueschinger Musiktagen 2018 geht an "Splinters of ebullient rebellion" der schwedischen Komponistin Malin Bang (44). Die Jury in ihrer Begründung: "Ein Werk, das mit einem großen Spektrum an Klangmöglichkeiten aufwartet. Ein einziger dramaturgischer Spannungsbogen hat immer wieder überraschende Einzelmomente. Geräusch-Attacken und nostalgische Melodiereste stehen im Dienst derselben Idee. Die Rolle der Orchestermusiker wird dabei (und auch das gehört nach Donaueschingen) neu definiert, beginnend beim Einzelnen und dann in seinen Möglichkeiten als und in der Gruppe. Die Wirkung geht vom scheinbar harmlos Einfachen aus und fasziniert gerade dadurch - der einzelne Sprung über den gewohnten Klang-"Schatten" entfaltet kollektive Kraft. Das Werk ist damit in Komposition und Aussage frisch, gegenwärtig und womöglich ausbaufähig." Mit der Auszeichnung verpflichtet sich das Orchester, sich für weitere Aufführungen des prämierten Werkes einzusetzen.

Gerold Hug, Programmdirektor Kultur des SWR, kommentiert: "Jedes Jahr beeindruckt es mich, wie lebendig die Szene der Neuen Musik ist und wie viele junge Menschen sich bei den Donaueschinger Musiktagen für die Avantgarde begeistern. Für den SWR ist es Aufgabe und Privileg, mit seinen Ensembles Spitzenkultur zu ermöglichen und kulturelle Höhepunkte, wie sie sich hier in Donaueschingen ereignen, mit seinen Programmen in die Welt zu senden." Und Oberbürgermeister Erik Pauly ergänzt: "Die Donaueschinger Musiktage und die Donauquellstadt sind untrennbar miteinander verbunden. Aus einer höfischen Musiktradition und dem engagierten Musikdirektor Heinrich Burkard, der 1921 ein kleines Musikfest ins Leben rief, entwickelte sich ein absolut einzigartiges Festival, das heute der Leuchtturm der Neuen Musik ist und Besucher aus der ganzen Welt anzieht. Undenkbar jedoch wäre der Erfolg der Donaueschinger Musiktage ohne die reibungslose Zusammenarbeit von Südwestrundfunk, der Stadt Donaueschingen und der zahlreichen Firmen vor Ort, die zuverlässig mit dafür sorgen, dass die vielen künstlerischen Ideen binnen kürzester Zeit realisiert werden."

Neben dem Eröffnungskonzert zeigte SWRClassic.de, das Webportal für die Orchester, Ensembles und Festivals des SWR, auch die Aufführung des neuen Werks von Georges Aperghis als Live-Videostream. Beide Konzerte sind dort nun als Video on Demand zu sehen. Das Kulturradio SWR2 sendete 15 Uraufführungen live und wird alle Konzerte als Mitschnitt ausstrahlen. "Kunscht!", das SWR Kulturmagazin, berichtet am 25. Oktober, um 22:45 Uhr im SWR Fernsehen über die Donaueschinger Musiktage 2018.

Die Donaueschinger Musiktage 2019 finden von 17. bis 20. Oktober statt. Auf dem Programm stehen dann neue Orchesterwerke von Saed Haddad, Michael Pelzel, Gérard Pesson, Eva Reiter, Matthew Shlomowitz, Simon Steen-Andersen und Lidia Zielinska. Neben dem SWR Symphonieorchester, dem SWR Experimentalstudio und dem SWR Vokalensemble ist 2019 auch die SWR Big Band zu Gast. Außerdem sind das Ensemble Intercontemporain, das Klangforum Wien, das Phace Ensemble und das Ensemble Resonanz zu erleben. Kompositionsaufträge ergingen außerdem an Mark Andre, Ragnild Berstad, Johannes Boris Borowski, Beat Furrer, Herbordt/Mohren, Gordon Kampe, Bernhard Leitner, Nicole Lizée, Alberto Posadas, Kirsten Reese, François Sarhan, Sote und Jan St. Werner. Die Kulturstiftung des Bundes fördert die Donaueschinger Musiktage im Rahmen ihrer Spitzenförderung. Weitere Förderer sind das Land Baden-Württemberg, die Ernst von Siemens Musikstiftung, die Stadt Donaueschingen und der Südwestrundfunk.