Markgräfliches Opernhaus Bayreuth nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild. Foto: Achim Bunz/Bayerische Schlösserverwaltung

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild. Foto: Achim Bunz/Bayerische Schlösserverwaltung

Musiktheater: restauriertes Weltkulturerbe

Nach sechs Jahren aufwendiger Restaurierung und Sanierung heißt es im April 2018 »Vorhang auf« für das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth. Mit einem Feuerwerk an Sonderveranstaltungen feiert die Bayerische Schlösserverwaltung das außergewöhnliche Kulturdenkmal und seine Restaurierung.

Im Jahr 2012 wurde das weltweit einzigartige Barocktheater in Bayreuth in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen. Zum dauerhaften Erhalt dieses Monuments europäischer Fest- und Musikkultur für zukünftige Generationen arbeitete seitdem ein Expertenteam unter der Fachaufsicht der Bayerischen Schlösserverwaltung und des Staatlichen Bauamts Bayreuth an einer nachhaltigen Sanierung des Theaterbaus.

1748 war das Opernhaus anlässlich der Hochzeit der einzigen Tochter Markgräfin Wilhelmines von Bayreuth mit einem glänzenden Fest und den italienischen Opern Ezio und Artaserse eingeweiht worden. Letztere wird anlässlich der Wiedereröffnung nun am 12., 14. und 15. April wieder im Markgräflichen Opernhaus aufgeführt. Als Architekten ihres neuen Opernhauses bestellte sie den europaweit führenden Theateringenieur Giuseppe Galli Bibiena. In weniger als vier Jahren entstand ein opulentes Logentheater ganz aus Holz und Leinwand.

Der Zuschauerraum gehört zu den spektakulärsten Schöpfungen der europäischen Festarchitektur des Barock. In Bezug auf die Restaurierung des Logenraums hieß das: Originale Oberflächen sollten samt ihrer Gebrauchsspuren erhalten bleiben. Konservierung statt Restaurierung war die Devise – Erhalt des Originals statt Rekonstruktion. Die zwei zentralen Aspekte, die im Fokus der zeitweise bis zu 30 Restauratoren standen, waren dementsprechend die Abnahme späterer Mal- und Schmutzschichten sowie der Umgang mit Retuschen. Retuschiert wurde nur dort in Maßen, wo der Gesamteindruck der Malerei dies erforderte.

Ansonsten galt: Mut zur Lücke; schließlich muss ein historisches Denkmal nicht „wie neu“ aussehen. Nicht nur spätere Malschichten der zu dunkel geratenen Restaurierungen des 20. Jahrhunderts galt es bis auf wenige Ausnahmen zu entfernen. Auch ölige Insektenschutzmittel hatten das Logenhaus stark nachdunkeln lassen. Aufwendig wurden diese Chemikalien soweit möglich entfernt. So präsentiert sich das Logenhaus nun wesentlich lichter und heller – wie zur Zeit der Markgräfin Wilhelmine.

Eine auffällige Veränderung hat der Bühnenprospekt erfahren. Hier wurde ein nachträglicher Einbau von 1935/36 entfernt und somit die originale Größe der Bühnenöffnung aus dem 18. Jahrhundert wiederhergestellt. Diese Maßnahme komplettieren ein neues Bühnenbild und ein neuer Vorhang, die auf Grundlage umfangreicher kunsthistorischer Forschungen seitens der Bayerischen Schlösserverwaltung entstanden. Der geöffnete Hauptvorhang und die rahmenden Vorhänge geben den Blick frei auf das rekonstruierte Bühnenbild der Eröffnungsoper von 1748 nach einem Entwurf von Carlo Bibiena und vermitteln so einen authentischen Eindruck der ursprünglichen, barocken Bühnenöffnung. Auch die Vorhangelemente wurden nach historischen Vorbildern als Leinwandmalerei ausgeführt.

Verantwortlich für die Malerei von Bühnenbild und Vorhängen waren Bühnenmaler des Bühnenservice Berlin, die die aufwendigen Arbeiten unter der Fachaufsicht der Bayerischen Schlösserverwaltung nach intensiven Recherchen zu vergleichbaren Bühnenprospekten in historischen Theatern von Anfang 2016 bis November 2017 durchführten.

Neben der baulichen Renovierung des Opernhauses, die auch Reparaturen an der Konstruktion, insbesondere am Dachstuhl beinhaltet hat, dienten die Sanierungen dazu, die modernen Nutzungsansprüche im Einklang mit der Denkmalpflege zu unterstützen, etwa an die Haus- und Bühnentechnik, den Brand- und den Arbeitsschutz.

Die außerordentliche kunsthistorische Bedeutung des historischen Zuschauerraumes erforderte besondere Lösungen. So wurde eine Hochdrucknebellöschanlage installiert, um einen Dachstuhlbrand bereits im Entstehen mit geringsten Wassermengen effektiv löschen zu können, wobei die Dachkonstruktion ihre Tragfähigkeit behält und kein Löschwasserschaden entsteht. Vor allem die Schaffung eines stabilen Raumklimas war ein wichtiger Beitrag zum Erhalt des sensiblen Kulturdenkmals.

Da die historische Bühnentechnik nicht erhalten ist, wurde nun eine moderne Bühnentechnik eingebaut, die das Opernhaus auch in unserer Zeit als Theater nutzbar macht. Das Nutzungskonzept legt dabei größten Wert auf die Denkmalverträglichkeit. Daher kann das Markgräfliche Opernhaus neben seiner vorrangig musealen Nutzung ausschließlich in den Sommermonaten mit Konzerten und szenischen Aufführungen bespielt werden.

Insgesamt investierte der Freistaat Bayern 29,6 Millionen Euro in diese große Bau- und Restaurierungsmaßnahme, die das Markgräfliche Opernhaus für künftige Generationen erhalten soll. Die Bayerische Schlösserverwaltung feiert die Wiedereröffnung mit Pauken und Trompeten. Den Auftakt liefert die Aufführung der Oper Artaserse von Johann Adolph Hasse. Bei den Einweihungsfeierlichkeiten des Markgräflichen Opernhauses im Jahr 1748 wurde diese auf Wunsch von Markgräfin Wilhelmine aufgeführt. Nun bringt die Theaterakademie August Everding die barocke Opera seria mit der Bayerischen Schlösserverwaltung erneut auf die Bühne des historischen Opernhauses. Öffentliche Aufführungstermine sind am14. und 15. April 2018. Nach den Vorstellungen in Bayreuth gibt es am 11., 13. und 15. Mai 2018 Aufführungen dieser Produktion im Cuvilliés-Theater in München.