Neue Vocalsolisten. Foto: Martin Sigmund

Neue Vocalsolisten. Foto: Martin Sigmund

Neue Vocalsolisten und andere

Das Festival Neue Musik Stuttgart 2017 fokussiert sich in besonderem Maß auf Neuheiten, denn 25 der 30 im Festival programmierten Werke sind Uraufführungen.

Die Ausgabe des Festivals Neue Musik Stuttgart 2017 richtet ihren Blick insbesondere auf die „Generation Y“: Fast ein Drittel der Komponisten, Schriftsteller, Bühnenbildner, Regisseure, Video- und Medienkünstler in diesem Festival sind nach 1980 geboren.

Ihre Themen sind Selbst-Optimierung und -Inszenierung, Kreativitäts-Hype und Empowerment, das Überschreiten von Grenzen, die Auflösung von Privatheit und der Einfluss digitaler Medien auf den Menschen. In vielfältigen Bezügen zwischen virtuellen und realen Welten reizen sie die Möglichkeiten der digitalen Medien aus, mit Lust an der Vernetzung, im Spiel mit den Genres, im Formen multipler Identitäten, im Auflösen von Raum, von Perspektiven und Funktionen.

So entstehen interdisziplinäre Formate zwischen Musiktheater, Performance, Revue, Installation und Konzert-Inszenierung. Am Eröffnungsabend (2. Februar, 21:30 Uhr) wird die Komponistin Jagoda Szmytka zur Protagonistin ihres Musiktheaters DIY or DIE. In einer Vaudeville-Revue zeigt sie die Sehnsüchte und Abgründe auf, die mit unendlicher Freiheit und Grenzenlosigkeit verbunden sein können. Gerhild Steinbuch schickt anschließend in Friendly Fire „ein zur Soldatin mutiertes Riot-Grrl auf die Reise ins finstere Herz des Deep Web.

Auch der zweite Abend ist performativen Formaten gewidmet. In Brigitta Muntendorfs Out of the Dark (3. Februar, 19:30 Uhr) agieren die Musiker-Performer isoliert aus schwarzen Boxen heraus und machen, nur durch Kameraeinblicke sicht- und hörbar, das Publikum zum Voyeur.

Christoph Ogiermanns Inner Empire treibt danach (22 Uhr) in einem ebenso rasanten wie grotesken Schlagabtausch Kommunikation auf die Spitze, führt sie ad absurdum. Interpreten dieser Werke sind die Ensembles Garage aus Köln, Mam aus Frankfurt und 2e2m aus Paris. Ein besonderer Fokus liegt auf New York mit der Videokünstlerin Jenny Sabin, dem Mivos Quartet und dem Talea Ensemble. Dieses stellt Steven Takasugis international gefeierte Sideshow vor: In Anspielung auf die Freak-Shows im Vergnügungspark Coney Island vor hundert Jahren zeigt Takasugi eine Revue über Entertainment, Spektakel, Business und über „die Opfer, die man erbringt, um in der Welt zu überleben“.

Tragende Säulen des Festivals sind wieder Stuttgarter Interpreten, die sich weltweit einen Ruf als führende Ensembles neuer Musik erobert haben: die Pianisten Nicolas Hodges und Florian Hölscher, der Akkordeonist Stefan Hussong, das SWR Vokalensemble, das SWR Symphonieorchester, ascolta und die Neuen Vocalsolisten.