Jos van Immerseel. Foto: Alex Vanhee

Jos van Immerseel. Foto: Alex Vanhee

Neue Welt aus altem Archiv

Das Konzert mit Jos van Immerseel und seinem Orchester Anima Eterna Brugge am Sonntag, 9. Oktober 2016, um 16:30 Uhr in der Essener Philhamronie verspricht überraschende Einsichten. Die populäre Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvořák präsentiert sich in neuem Licht.

In den Archiven des New York Philharmonic hat Hilary Metzger, die Cellistin des Ensembles, geforscht. Alte Bogenstriche, Fingersätze und Artikulationen hat sie ans Tageslicht geholt: eine Sinfonie Nr. 9 aus erster Hand, auf authentischem Instrumentarium. Der ebenso märchenhafte wie blutige „Wassermann“ ist eine weitere Frucht von Dvořáks USA-Aufenthalt. Zwischen diesen kraftvollen Werken bildet das luftige Cembalokonzert von Bohuslav Martinů einen markanten Kontrast. Solistin ist die tschechische Organistin und Cembalistin Kateřina Chroboková – oder kurz „KATT“, wie sie sich selbst nennt.  

Die Formation Anima Eterna Brugge entzieht sich den herkömmlichen Kategorien des Musiklebens. Weder handelt es sich um eines der vielen Spezialensembles für Alte Musik, auch wenn die Gruppe aus diesem Bereich heraus entstanden ist, noch um ein herkömmliches Sinfonieorchester. Gegründet wurde Anima Eterna Brugge 1987 von Jos van Immerseel, damals noch als typisches Alte-Musik-Ensemble mit dem Ziel einer möglichst authentischen Wiedergabe von Musik des Barockzeitalters auf historischen Instrumenten. Ohne von dem Grundgedanken der Authentizität abzulassen, erschlossen sich die Musiker zusammen mit ihrem Leiter nach und nach ein immer breiteres Repertoire, das die festgefahrenen Grenzen zwischen „Alter Musik“ auf der einen und „Klassik/Romantik“ auf der anderen Seite souverän missachtet und inzwischen bis hin zu Werken der Moderne reicht.