Prof. Tilman Jäger (HMTM), Mark Mast (Bayerische Philharmonie), Martin Schleske (Geigenbauer aus Landsberg), Prof. Dr. Bernd Redmann (HMTM), Prof. Jan Müller-Wieland (HMTM), Jennifer Czorny (Landsberger Jugendliche der Schülerarbeitsgruppe KZ-Außenlag

Prof. Tilman Jäger (HMTM), Mark Mast (Bayerische Philharmonie), Martin Schleske (Geigenbauer aus Landsberg), Prof. Dr. Bernd Redmann (HMTM), Prof. Jan Müller-Wieland (HMTM), Jennifer Czorny (Landsberger Jugendliche der Schülerarbeitsgruppe KZ-Außenlager Lager VII), Sonia Beker (Angehörige der Familie Durmashkin und eigens aus den USA angereist). Foto: Conny Kurz

Neuer Kompositionswettbewerb

Die Jury des erstmals ausgeschriebenen Kompositionswettbewerbes "Wolf Durmashkin Composition Award" (WDCA) hat in der Hochschule für Musik und Theater München über die drei Siegerpartituren entschieden.

Erstmals wurde ein einem jüdischen Musiker und Künstler gewidmeter Kompositionspreis ins Leben gerufen, der 1944 Opfer des nationalsozialistischen Terrors und Holocaust wurde: Wolf Durmashkin. Junge Musiker bis 35 Jahre waren weltweit aufgerufen, sich mit dem Thema Musik und Holocaust auseinanderzusetzen und zeitgenössische Interpretationen zu finden. Umstände, Stimmungen, Gefühle, Niederlagen, Kämpfe und auch die Rebellion durften und sollten sich dabei in ihren Kompositionen widerspiegeln.

Der Wettbewerb stieß auf großes weltweites Interesse: Zahlreiche Einreichungen kamen bis zum Einsendeschluss am 10. Januar an – aus den USA, China, Israel, Frankreich, Brasilien, Iran, Japan, England, Österreich, Schweiz, Deutschland und Tschechien. In einem anonymen Verfahren hat eine siebenköpfige Jury die Siegerkompositionen ermittelt.

Die vier Fachpreisrichter für den Bereich Musik und Komposition, Prof. Dr. Bernd Redmann (HMTM), Prof. Jan Müller-Wieland (HMTM), Prof. Tilman Jäger (HMTM), Mark Mast (Bayerische Philharmonie) sowie die drei Sachpreisrichter Sonia Beker (Angehörige der Familie Durmashkin aus New York), Martin Schleske (Geigenbauer aus Landsberg), Jennifer Czorny (Landsberger Schülerin, die sich mit der NS-Geschichte beschäftigt) haben sich intensiv mit den eingereichten Werken, Texten und Partituren zum Thema Holocaust beschäftigt.

Schnell waren sie sich in der Auswahl der drei Sieger einig – berührt vom einfühlsamen Umgang mit der Thematik des Wettbewerbes. Die Preisträger des ersten Wolf Durmashkin Composition Awards sind: 1. Preis: Bracha Bdil aus Jerusalem, Jahrgang 1988, Werktitel: Hayom. 2. Preis: Rose Miranda Hall aus York, England, Jahrgang 1991, Werktitel: Mein Schatten. 3. Preis: Otto Wanke aus Wien, Jahrgang 1989, Werktitel: Vergiss, wer du bist.

Der erste Preis wurde an die Komponistin Bracha Bdil aus Israel für eine besondere, puristische, auf Tenor und Horn reduzierte, Partitur vergeben. „’Hayom’ – hebräisch für ‚heute’ – heißt ihr Stück, das wir als eine interessante Konstellation, eine gelungene Auseinandersetzung mit der Thematik sowie auch musikalisch eine schöne Gestaltung empfanden“, erklärt Mark Mast, Intendant und Chefdirigent der Bayerischen Philharmonie.

Bereits seit Jahren beschäftigt sich die junge Künstlerin Bracha Bdil mit dem Holocaust. Umso mehr wurde sich die Jury nach Aufhebung der Anonymisierung bewusst, eine symbolhafte Entscheidung getroffen zu haben, die dem Geist des Wettbewerbs entspricht. Die Preisverleihung findet am 9. Mai 2018 in Landsberg am Lech statt. Einen Tag später werden die Siegerkompositionen im Rahmen eines Jubiläumskonzertes in Landsberg uraufgeführt – in Anwesenheit der Nachkommen des Namensgebers Wolf Durmashkin sowie weiterer Ehrengäste und Zeitzeugen. Das Datum markiert den 70. Jahrestag des Konzerts des DP-Orchesters zusammen mit der Gründung des Staates Israel (14. Mai 1948). Ein Initial für die Hochschule „dass das Projekt etwas Besonderes ist, hat sich durch den Wettbewerb und die Jury-Sitzung einmal mehr bestätigt“, betont Prof. Dr. Bernd Redmann, Präsident der Hochschule für Musik und Theater München.

„Die Komponistinnen und Komponisten haben sich auf einzigartige Weise mit einem wichtigen Aspekt der jüngeren Zeitgeschichte auseinander gesetzt – ein wunderbares Beispiel für eine aktive Erinnerungskultur, der wir uns auch wegen unserer Räumlichkeiten besonders verpflichtet fühlen.“ 1937 wurde das heutige Gebäude der Hochschule für Musik und Theater München an der Arcisstraße als „Führerbau“ eröffnet, in dem unter anderem das Büro Adolf Hitlers zu finden war. Initiiert und entwickelt haben das Projekt der Landsberger Künstler Wolfgang Hauck und die Journalistin Karla Schönebeck.

„Es gibt wohl kaum einen symbolträchtigeren Ort für unsere Jury-Sitzung als die Hochschule für Musik und Theater München mit ihrer Geschichte“, sagt Hauck, der Sonia Beker im Anschluss durch die Räumlichkeiten führte und sie auf deren besondere Bedeutung hinwies. Diese äußerte sich sichtlich gerührt: „Was für ein Triumph für all die Menschen, die unter dem Nationalsozialismus gelitten haben.“ Der WDCA ist ein Projekt des Landsberger Kulturvereins dieKunstBauStelle e.V. in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater München und der Bayerischen Philharmonie.

www.wdc-award.org