Aufruf zum Musiktheaterwettbewerb in Darmstadt. Foto/Collage: Vincent Stefan

Aufruf zum Musiktheaterwettbewerb in Darmstadt. Foto/Collage: Vincent Stefan

Neues Musiktheater in Darmstadt

Premiere für besondere Premieren: Zum ersten Mal findet in Darmstadt ein Kompositionswettbewerb für zeitgenössische Musiktheater-Komponisten statt. Die Uraufführungen sind im Rahmen der Ferienkurse zu erleben.

Zum ersten Mal hat das Staatstheater Darmstadt einen Kompositionswettbewerb für Musiktheater ausgelobt. In Zusammenarbeit mit dem Staatstheater entstehen fünf kurze Stücke von Sivan Cohen Elias (Israel), Marta Gentilucci (Italien), Carsten Hennig (Deutschland), Patricia Martínez (Argentinien) und Abel Paúl (Spanien).

Eine Jury hatte die Komponisten im September 2015 ausgewählt. Alle Kompositionen werden in einem Werkstattformat am Samstag, 30. Juli im Rahmen der Darmstädter Ferienkurse 2016 zur Uraufführung gebracht. Im Anschluss an die Premiere erhält einer der fünf Komponisten vom Staatstheater den Auftrag für ein abendfüllendes Musiktheaterstück. Zudem vergibt das Darmstädter Publikum einen Publikumspreis.

Die gewählten Themen spiegeln die unterschiedlichen Herangehensweisen der einzelnen Komponisten an das zeitgenössische Musiktheater: Sivan Cohen Elias erforscht das „Deep Net“, ein anonymer, Google nicht zugänglicher Bereich des Internets. Sie setzt in ihrem Stück auf die Interaktion von digitalem mit analogem Klang. Patricia Martínez arbeitet zusammen mit dem Librettisten Mariano Saba. Ihr Stück basiert auf der realen Geschichte eines Elternpaares, das ihr Kind nach dessen Tod einfrieren ließ, in der Überzeugung, es in einer Zukunft wiederbeleben lassen zu können, in der die Medizintechnik die Mittel dazu hat.

Marta Gentilucci erforscht mit klanglichen Mitteln den weiblichen Körper, und Abel Paúl spürt auf minimalistische Weise und unter Verwendung von Stimmen, Instrumenten und allerlei Alltagsgegenständen der Grenze zwischen Realität und Fantasie nach. Carsten Hennig interessiert sich in seinem Stück „selbstversuch“ ebenfalls für grenzgängerische Situationen – sowohl formal, indem er das Stück zwischen Konzert und Theater changieren lässt, als auch inhaltlich: Referenz sind u.a. Humboldts galvanische Experimente am eigenen Körper.

 

Patricia Martínez

The frozen little girl

Kammeroper in XIX Bildern (Auszug),

Libretto von Mariano Saba

 

Marta Gentilucci

(On) The Other Side of The Skin. Lullaby

für Soli, Chor, Orchester und Elektronik

 

Sivan Cohen Elias

.onion

Musiktheater für Sänger, Instrumentalensemble, Video und Elektronik

 

Abel Paúl

gyre and gimble

für Stimmen, Instrumentalensemble und Elektronik

 

Carsten Hennig

selbstversuch.

Musiktheater für einen Schauspieler,

zwei Sänger und Orchester

 

Ensemble des Staatstheater Darmstadt

Das Staatsorchester Darmstadt

Musikalische Leitung Johannes Harneit

Regie Dirk Schmeding, Isabel Ostermann

Bühne und Kostüme Christoph Ernst

Dramaturgie und Produktionsleitung Katharina Ortmann

 

Premiere am Samstag, 30. Juli 2016, 19.30 Uhr | Großes Haus

Mit Auftakt um 18.45 Uhr im Foyer Großes Haus