Letzte Spielzeit für Tobias Richter in Genf. Foto: Grand Théatre de Genève/Nicolas Schopfer

Letzte Spielzeit für Tobias Richter in Genf. Foto: Grand Théatre de Genève/Nicolas Schopfer

Oper Genf kehrt ins Stammhaus zurück

Das Grand Théâtre de Genève präsentierte eine Vorschau auf die letzte Saison des aktuellen Generaldirektors Tobias Richter.

Im Zentrum der nächsten Genfer Opernsaison stehen drei Neuproduktionen, die Rückkehr ins Theater an der Place de Neuve, die Wiederaufnahme von Der Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Dieter Dorn sowie der Abschied von der Opéra des Nations.

Zwei Werke werden erstmals in Genf gezeigt: Viva la mamma! (Donizetti) und The Beggar’s Opera (die Originalversion von Johann Christoph Pepusch). Eine Saison des Abschieds, die im Zeichen des Neuen steht. Die Saison 2018-2019 spielt sich zwischen der Opéra des Nations, die drei Jahre lang Ausweichquartier des Theaters war, und dem Grand Théâtre de Genève ab, wo man nun die umgestalteten Foyers und weitere neue Räumlichkeiten entdecken kann.

Zahlreiche Künstler, die die Intendanz von Tobias Richter geprägt haben, werden aus diesem Anlass nach Genf zurückkehren: Robert Carsen, Laurent Pelly, Teodor Currentzis, Patricia Petibon, Paolo Arrivabeni, David McVicar, Matthias Hartmann, John Fiore, Dieter Dorn, Jürgen Rose und viele andere. Drei Neuproduktionen stehen auf dem Spielplan dieser letzten Saison: Carmen von Bizet in einer Interpretation von Reinhild Hoffmann, Boris Godunow von Mussorgsky inszeniert von Matthias Hartmann und Un ballo in maschera in einer Inszenierung von Giancarlo del Monaco und Richard Peduzzi.

Im Graben wird das Orchestre de la Suisse Romande (OSR), dessen Kalender ansonsten durch die Feierlichkeiten seines einhundert jährigen Bestehens dicht gefüllt ist, als wichtigster künstlerischer Partner vier Produktionen begleiten. Des Weiteren spielen L’Orchestre de Chambre de Genève (L’OCG), die Cappella Mediterranea und das Ensemble MusicAeterna aus Perm.

Als Koproduktion mit der Opéra National de Lyon und dem Gran Teatre del Liceu kommt Viva la Mamma! heraus und mit der English National Opera Médée.Das von Jacques-Élisée Goss entworfene und 1879 eröffnete Grand Théâtre de Genève wurde drei Jahre lang grundlegend saniert. Die Arbeiten wurden von der Stadt Genf und einer Genfer Stiftung finanziert.

Anfang 2019 wird das Publikum die Foyers mit ihren Gemälden in ihrem ursprünglichen Glanz bewundern können. Außerdem werden die gastronomischen Räumlichkeiten neu gestaltet und Büros sowie Probenräume renoviert sein. Die Saison wird eröffnet mit Carmen von Bizet in einer Neuproduktion von Reinhild Hoffmann, einer Größe des Tanztheaters, die im vergangenen Oktober das Ballett Callas herausgebracht hat. Die Titelrolle wird von Héloïse Mas und Ekaterina Sergeeva gesungen, die musikalische Leitung hat John Fiore (10. bis 27. September). 

Ein Spezialist für Barockmusik sowie ein Ausnahmeregisseur werden sich einer wahrhaften Rarität annehmen: The Beggar’s Opera von Johann Christoph Pepusch. William Christie und Robert Carsen werden diese „Bettleroper“ in ihrer Originalversion der Vergessenheit entreißen als Koproduktion mit dem Théâtre des Bouffes du Nord (3. bis 7. Oktober).

Als weitere Neuproduktion folgt Boris Godunow, inszeniert von Matthias Hartmann, in der Urfassung von 1869. Diese seltene Fassung wird vom 28. Oktober bis zum 15. November von Paolo Arrivabeni dirigiert mit Mikhail Petrenko in der Titelrolle. Zum Jahresende wird Laurent Pelly Donizettis Viva la mamma! als Koproduktion mit der Opéra National de Lyon und dem Gran Teatre del Liceu inszenieren (21. Dezember bis 3. Januar). Es spielt das Orchestre de Chambre de Genève, dirigiert von Gergely Madaras, der im vergangenen November für seine Interpretation von Offenbachs Fantasio von der Presse gefeiert wurde.

Als Höhepunkt dieser Saison wird im Februar 2019 mit Wagners Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Dieter Dorn (Saison 2012-13 und 2013-14) das angestammte Haus an der Place de Neuve wiedereröffnet. Auf Das Rheingold am 12. Februar folgen bis zum 17. März Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung in drei kompletten Zyklen. Als eine der wichtigsten Wagnersängerinnen unserer Zeit wird Petra Lang als Brünnhilde nach Genf zurückkehren.

Médée von Marc-Antoine Charpentier wird vom 30. April bis zum 11. Mai in einer Koproduktion mit der English National Opera gezeigt. Die Inszenierung stammt von David McVicar, der in Genf bereits La traviata und Wozzeck inszeniert hat. Die musikalische Leitung übernimmt mit Leonardo García Alarcón am Pult seiner Cappella Mediterranea ein Spezialist für das Barockrepertoire. Die Titelrolle wird von Anna Caterina Antonacci verkörpert. Schließlich endet die Opernsaison mit Un ballo in maschera in einer Neuproduktion von Giancarlo del Monaco im Bühnenbild von Richard Peduzzi, der 1976 auch den berühmten Jahrhundert-Ring in Bayreuth ausgestattet hat. Pinchas Steinberg wird Verdis Oper vom 4. bis zum 22. Juni in der Version Gustavo III dirigieren mit Ramón Vargas in der Titelrolle und Franco Vassallo als Anckarström.

Viele große Stimmen werden in der kommenden Saison in Liederabenden zu hören sein: der Bassbariton Luca Pisaroni am 2. November, der polnische Tenor Piotr Beczała am 16. November, die Mezzosopranistin Dame Sarah Connolly am 7. März sowie der Bariton Christian Gerhaher, der ein Schumann-Programm gestalten wird, am 20. Mai. Am Klavier werden diese Sänger begleitet von Malcolm Martineau, Helmut Deutsch, Julius Drake und Gerold Huber. Zwei weitere Abende drehen sich auch um den Gesang: Liebeslieder Walzer am 27. Februar mit Marlis Petersen, Werner Güra, Anke Vondung und Paul Armin Edelmann, sowie ein Konzert mit Patricia Petibon und dem Ensemble Amarillis am 21. Juni. Konzerte und sonstige Veranstaltungen Mit Franco Vassallo, Michael Spyres und Marina Rebeka werden drei prominente Sänger in Bellinis Il pirata zu erleben sein. Diese konzertante Aufführung steht am 22. und 24. Februar auf dem Programm.

Bevor die Opéra des Nations nach China reisen wird, wird es in diesem Gebäude noch eine Hommage an eine Theaterform aus dem Reich der Mitte geben: die Pekingoper. Außerhalb Chinas hat man nur sehr selten die Gelegenheit, dieses Genre zwischen Gesang, Musik, Tanz, Theater und Kampfkunst zu erleben. In Genf wird es am 12. und 13. Januar eine Faust-Version von Anna Peschke geben, einer Regisseurin, die sich intensic mit dem Genre Pekingoper beschäftigt. Nach drei spannenden Jahren, fast 300 Vorstellungen und rund 300.000 Besuchern wird dieses Holztheater danach sicherlich genauso sein neues Publikum in China begeistern, wie es in Genf der Fall war.