In diesem Openhaus gibt es vor 2022 wahrscheinlich keine Aufführung: Köln. Foto: Schmitz

In diesem Openhaus gibt es vor 2022 wahrscheinlich keine Aufführung: Köln. Foto: Schmitz

Oper, Musical, Operette

Doppelt so viele Musical-Inszenierungen wie Operetten stehen auf den Spielplänen. Die Statistik des Bühnenvereins zeigt Jahr für Jahr, was gespielt auf deutschen, österreichischen und schweizerischen Bühnen. Wieder ganz vorne: Die Zauberflöte.

Der deutsche Bühnenverein hat wieder seine jährliche Liste der meistgespielten Werke herausgegeben. Im Musiktheater steht Mozarts „Zauberflöte" mit 27 Inszenierungen in Deutschland wieder an erster Stelle, vor Humperdincks "Hänsel und Gretel" (26 Inszenierungen) und Bizets „Carmen" (21 Inszenierungen). Bei den Zuschauerzahlen wird die „Zauberflöte" mit 239.744 Besuchern nur vom Musical „Starlight Express" überflügelt (441.623 Zuschauer).

Insgesamt zeigt die Werkstatistik für das Musiktheater folgende Aufteilung in den deutschen Theatern: 899 Operninszenierungen stehen 121 Operetteninszenierungen gegenüber, im Bereich Musical sind es 253 Inszenierungen. Auf die Oper entfallen demnach 70 Prozent der Musiktheaterinszenierungen, auf die Operette knapp zehn Prozent und auf Musicals 20 Prozent. Die Zahlen dieser 69. Ausgabe der Werkstatistik spiegeln die ganze Bandbreite der deutschen Theaterlandschaft: Über 75 Prozent aller aufgeführten Werke waren zeitgenössisch - über 70 Prozent aller Zuschauer sahen zeitgenössische Stücke aus Musiktheater, Schauspiel oder Tanz. Als „zeitgenössisch" definiert die Statistik Stücke, deren Uraufführung nach dem 1. Januar 1945 stattgefunden hat.

Erstmals ausgewertet wurde der Anteil von Projekten und Performances in der Spielzeit 2015/2016, er liegt bei über fünf Prozent aller Inszenierungen. Die älteste Inszenierung wurde am Nationaltheater Mannheim gespielt (Wagners „Parsifal" von 1957). Dasselbe Theater hat sich in den letzten Jahren aber auch einen Namen als Ort zahlreicher Uraufführungen und deutschsprachiger Erstaufführungen gemacht.

Die Theater in Deutschland haben also auf die aktuellen politischen Unsicherheiten reagiert. „Neben den inhaltlichen und ästhetischen Erkenntnissen im Theaterbereich ist es uns aber auch wichtig, mit dieser Statistik einen substanziellen Beitrag zur empirischen Aufbereitung der Kulturlandschaft in Deutschland zu leisten. Ohne Fakten kann eine qualifizierte kulturpolitische Debatte nicht geführt werden – weder im Theater selbst, noch im gesellschaftlichen Kontext. Das ist nicht nur angesichts einer Zeit, die Begriffe wie „Postfaktizität" generiert, erforderlich", kommentierte Marc Grandmontagne, der Geschäftsführende Direktor des Bühnenvereins.

Die Werkstatistik 2015/2016 beruht auf den Daten zu Werken und Inszenierungen samt Aufführungs- und Zuschauerzahlen. 464 Theater aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben ihre Zahlen der Redaktion der DEUTSCHEN BÜHNE gemeldet, die sie für alle Sparten gesammelt und aufgearbeitet hat. Ein neues Autorenregister erleichtert die Handhabung der Statistik. Anschauliche Diagramme illustrieren den Anteil von Uraufführungen, zeitgenössischen Werken oder Bearbeitungen im Gesamtrepertoire wie in den einzelnen Sparten. Begleitend zur Werkstatistik werden diese Zahlen zur Spielzeit 2015/16 im Schwerpunkt „Der Sinn der Zahlen" des Juni-Hefts der DEUTSCHEN BÜHNE erläutert und illustriert.