Paavo Järvi und das Tonhalle Orchester Zürich. Foto: Gaetan Bally

Paavo Järvi und das Tonhalle Orchester Zürich. Foto: Gaetan Bally

Paavo Järvi in Zürich

Das Tonhalle-Orchester Zürich (TOZ) musiziert in seiner dritten Saison in der Tonhalle Maag. Ab Oktober unter Leitung seines neuen musikalischen Chefs Paavo Järvi.

Paavo Järvis erste Spielzeit mit dem Tonhalle-Orchester Zürich steht vorerst im Zeichen seiner nordischen Wurzeln. Estland, Russland, Finnland, Lettland, Schweden: Diese Länder werden die musikalischen Hauptziele der Saison 2019/20 sein. Unterwegs wird Järvi mit dem TOZ sämtliche Tschaikowsky-Sinfonien und allerhand Ideen aufnehmen, so etwa seine neu geschaffene Conductors’ Academy.

Als Paavo Järvi 1962 in eine Musikerfamilie in Tallinn geboren wurde, war Estland Teil der Sowjetunion. Ein Imperium, in dessen Territorien zwar an die fünfzehn Sprachen gesprochen wurden, das aber von Russland besetzt und dominiert war. Kein Zufall also, dass sein Dirigentenvater Neeme Järvi ihn schon in jungen Jahren mit Russlands Musik vertraut machte. «Tschaikowsky war geradezu ein Heiliger», sagt Järvi, «es gab einige Gurus, die vorgaben, wie er zu spielen sei». Bei Tschaikowsky wurzelt Järvis musikalische Herkunft. Er wird in der verbleibenden Zeit in der Tonhalle Maag das ambitionierte Unterfangen wahrnehmen, alle Sinfonien mit seinem Orchester einzuspielen.

Als neuer Inhaber des Creative Chairs konnte der Estnische Komponist Erkki-Sven Tüür gewonnen werden, ein Freund und Weggefährte Paavo Järvis. Auch in der Reihe Im Fokus setzt das Programm mit ausgewählten Künstlerinnen-und Künstlercharakteren auf nordisches Können: Martin Fröst, Pekka Kuusisto und Ksenija Sidorova treten sowohl mit dem TOZ unter Järvis Leitung als auch kammermusikalisch auf.

In diesem Zusammenhang ist «Kullervo» von Sibelius als Wahl für das Antrittskonzert zu sehen (2. bis 4. Oktober 2019). Auch in etlichen Wochen, in denen das Orchester unter Gastdirigenten und -dirigentinnen spielen wird, stehen Komponisten aus Nord-und Nordwesteuropa auf dem Programm –und dies durch alle Sparten hindurch: Von Orchesterkonzerten über die Kammermusik, von Familienkonzerten bis hin zum inzwischen bewährten Klassik-Partyformat tonhalleLATE.

Paavo Järvi wird ein neu geschaffenes Format zur Verfügung stehen, um Nachwuchsdirigentinnen und -dirigenten musikalisch wie organisatorisch voranzubringen: Die Conductors’Academy bietet neben technischem Schliff unter Järvi auch Kurse rund ums Orchester-und Musikmanagement.

«Wir wollen mit der Academy alle Potenziale nutzen», so Ilona Schmiel, Intendantin der Tonhalle-Gesellschaft Zürich, «und somit ein unverwechselbares Angebot schaffen.» Beim Abschlusskonzert wird das Publikum darüber entscheiden, wer mit Järvi an sein Festival in Pärnu reisen und dort die Ausbildung fortsetzen wird.

Das Tonhalle-Orchester Zürich nimmt Beethovens 250. Geburtstag im nächsten Jahr zum Anlass, anhand ausgewählter Gattungen den Blick auf das Werk des großen Erneuerers zu werfen. So wird Järvi im Rahmen der Zürcher Festspiele Beethovens Oper «Fidelio» halbszenisch mit einem herausragenden Sängercast präsentieren. Der Purismus der Spielstätte Tonhalle Maag eignet sich geradezu ideal, um dem innovativen Beethoven Rechnung zu tragen: Und so geht #bebeethoven in die zweite Runde und weiter entlang der Spur und Frage, was das Schaffen dieses revolutionären Geists für uns heute im Hinblick auf neue Klang-und Raumkonzepte bedeuten kann.

Namhafte Gastdirigenten und -dirigentinnen werden das Orchester durch die Saison 2019/20 begleiten. Es sind Wiedersehen programmiert mit dem Ehrendirigenten David Zinman, mit Herbert Blomstedt, Christoph von Dohnányi, Jan Willem de Vriend, Philippe Herreweghe, Krzysztof Urbański, Robert Trevino, Joshua Weilerstein sowie Alondra de la Parra. Das Tonhalle-Orchester Zürich wird mit hochkarätigen Solistinnen und Solisten wie Isabelle Faust, Sol Gabetta, Lisa Bathiashvili, Anja Harteros, Patricia Kopatchinskaja, Frank Peter Zimmermann und Alisa Weilerstein zu hören sein. Mit Porträts von Heinz Holliger anlässlich seines 80. Geburtstags im Rahmen des Festivals «Focus Contemporary» und einem weiteren von Krzysztof Penderecki werden zwei bedeutende Komponisten präsentiert, die ihre Werke auch dirigieren werden.

Zudem gibt es im Programm ein neuartiges Format zu entdecken: Die Rush Hour.Das Orchester lädt zu einem kurzen Konzert mit anschliessender Jam-Session im Foyer der Tonhalle Maag, während ganz Zürich im Feierabendverkehr steckt.