Thüringische Philharmonie Gotha. Foto: Bernd Seydel

Thüringische Philharmonie Gotha. Foto: Bernd Seydel

Philharmonie Gotha spielt ein Konzert am Flughafen

Dass die Klassik in ihrem Elfenbeinturm sitze, ist ein altes Vorurteil jener, die das öffentliche Geld lieber in andere Kanäle leiten wollen. Vielleicht ist die Aktion der Philharmonie Gotha unter diesem Aspekt ein kluger Zug: Das Orchester spielt am Flughafen.

Normalerweise kommt man zum Flughafen Erfurt-Weimar, um in ferne Urlaubsregionen zu entschwinden. Ein neues Angebot der Thüringen Philharmonie Gotha lädt jetzt dazu ein, sich an einem Abend von den Flügeln klassischer Musik davontragen zu lassen. Am Samstag, 20. Februar 2016, um 20 Uhr veranstaltet das Orchester unter dem Motto „Klassik im Terminal“ ein Konzert inmitten der Abflughalle des Flughafens Erfurt-Weimar.

Hinter dieser Eroberung des öffentlichen Raumes als neuen Konzertort steckt die Überzeugung von Intendantin Michaela Barchevitch: „Klassik ist für alle da und kann viel mehr Menschen begeistern, als bisher in den ‚normalen‘ Sinfoniekonzerten im traditionellen Rahmen. Man kann nicht immer warten, dass das Publikum zu uns findet, manchmal muss man auch dem Publikum entgegen gehen“. Für dieses aufeinander Zugehen bietet der Flughafen Erfurt-Weimar beste Voraussetzungen.

Jörg Eberhard, als Prokurist am Flughafen Erfurt-Weimar für den Veranstaltungsbereich zuständig, stimmt dem zu: „Wir möchten den Flughafen über den normalen Reiseverkehr hinaus erlebbar machen. Unsere Kooperation mit der Thüringen Philharmonie Gotha wird Flughafen- und Musikinteressierten ein neues Gefühl für den Airport geben und ein Klassikerlebnis zum Abheben bieten.“

 Den Konzertabend im Terminal gestaltet ein Kammerensemble der Thüringen Philharmonie Gotha mit Musik von zwei der populärsten Meister ihrer jeweiligen Epoche aber auch der klassischen Musik überhaupt. Während in der ersten Konzerthälfte die Sinfonie Nr. 40 g-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart erklingt, stehen im zweiten Teil „Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi auf dem Programm. Konzertmeister Alexej Barchevitch übernimmt an diesem Abend nicht nur den virtuosen Solopart in Vivaldis berühmten Violinkonzert. Er wird gleichzeitig, wie zu Zeiten des Barock und der Klassik üblich, das Ensemble leiten. Zudem hält er mit einigen Erläuterungen zu Vivaldis Werk manche Hörentdeckung bereit.  

Das Musizieren an ungewohnten und ungewöhnlichen Orten bedeutet für die Gothaer Philharmoniker keine gänzlich neue Herausforderung. Die Musiker sind durch ihre zahlreichen Gastspiele in Thüringen und ganz Deutschland darin erprobt sich auf neue Bühnen und Säle einzustellen – ob in der Alten Oper Frankfurt, unter Tage im Bergwerk Merkers, im Kaufhaus oder Open Air an der Talsperre in Tambach-Dietharz. Beim Flughafen handelt es sich allerdings um eine Premiere, die zu einer guten Tradition werden könnte. Einlass ist bereits eine Stunde vor Konzertbeginn um 19 Uhr. Für alle, die sich vor dem „musikalischen Abflug“ stärken möchten, hält der Flughafen ein Getränke- und Snackangebot bereit.