Mit Beethoven quer durch den Zeitgeist: Pianist Saalem Ashkar. Foto: Peter Rigaud

Mit Beethoven quer durch den Zeitgeist: Pianist Saalem Ashkar. Foto: Peter Rigaud

Pianist mit vielen Fragen: Saleem Ashkar

»Ich wollte neben dem Musizieren den Kontext erforschen, in dem die Werke geschrieben wurden – wie sie zu Beethovens Zeit und wie sie seitdem wahrgenommen worden sind«, sagt Saleem Ashkar zu seiner Tour mit den Klaviersonaten.

Pianist Saleem Ashkar spielt in dieser Saison Beethovens 32 Klaviersonaten – verteilt auf acht Konzerte an sieben ausgewählten Berliner Orten. Das zweite Konzert des Beethoven-Zyklus findet am Freitag, dem 7. Oktober im Glashof des Jüdischen Museum Berlin statt. Das Thema des Abends, »Kunst in existenziellen Zeiten«, schlägt eine Brücke zum Schicksal des Malers Felix Nussbaum. Zur vielschichtigen Aufbereitung des Themas gehören auch Film- und Interview-Einspielungen. »Ich wollte neben dem Musizieren den Kontext erforschen, in dem die Werke geschrieben wurden – wie sie zu Beethovens Zeit und wie sie seitdem wahrgenommen worden sind«, sagt Saleem Ashkar. So steht Beethoven plötzlich mitten im 21. Jahrhundert: Lebendig, streitbar, anfechtbar und menschlich.

Für den Pianisten sind die Klaviersonaten eines der „umfangreichsten musikalischen Tagebücher, das je ein Komponist hinterlassen hat“. Doch seine Annäherung lässt die private Sphäre eines Tagebuchs weit hinter sich. In jedem Konzert verknüpft er „den rebellischen Künstler, der bewusst im Zentrum des Weltgeschehens“ seiner Zeit stand, in Filmsequenzen und Gesprächen mit den Fragen, die unsere globalisierte Gesellschaft noch immer beschäftigen: zum Verhältnis von Kunst, Freiheit und Macht, zum Stellenwert von Religion, zu Nationalität und Identität.

In Nazareth geboren und in Großbritannien und Deutschland ausgebildet, bricht Saleem Ashkar diese abstrakten Themen auf Situationen herunter, mit denen er als Heranwachsender konfrontiert war und die ihn heute als reisender Konzertpianist betreffen: „Kultur – und damit Musik – ist das Herzstück sozialer und politischer Fragestellungen in der israelischen und palästinensischen Gesellschaft. Ich habe immer gefühlt, dass ich mit meiner Arbeit unwillentlich direkt ins Zentrum der Probleme gerückt wurde – allein durch die Tatsache, dass ich Klavier spielen wollte.“

Gefilmt hat er zum Beispiel in einem Dorf in Nordisrael, wo Beethoven-Sonaten zu einer islamischen Theologie-Debatte führen oder in Osnabrück, wo er mit seinem ehemaligen Lehrer im Felix-Nussbaum-Museum über das Spätwerk des Komponisten und die Endlichkeit des Lebens diskutiert. Plötzlich steht Ludwig van Beethoven mitten im 21. Jahrhundert: Lebendig, streitbar, anfechtbar und menschlich.

07.10.2016 Freitag, 20.00 Uhr · Jüdisches Museum Berlin/Glashof Kunst in existentiellen ZeitenSonaten: C-Dur op. 2 Nr. 3; d-Moll op. 31 Nr. 2 („Der Sturm“), F-Dur op. 54; A-Dur op. 101

19.11.2016 Samstag, 20.00 Uhr · Mendelssohn-Remise Mendelssohns BeethovenSonaten: A-Dur op. 2 Nr. 2; cis-Moll op. 27 Nr. 2 („Mondscheinsonate“); G-Dur op. 79; E-Dur op. 109

15.12.2016 Donnerstag, 20.00 Uhr · Akademie der Künste am Pariser Platz Politische Macht und MusikSonaten: c-Moll op. 10 Nr. 1; B-Dur op. 22; G-Dur op. 31 Nr. 1; D-Dur op.

28 09.02.2017, Donnerstag 20.00 Uhr · Stilwerk Berlin Klavier im Konjunktiv – oder: Wann klingt Beethoven wie Beethoven?Sonaten: E-Dur op. 14 Nr. 1; Es-Dur op. 31 Nr. 3; B-Dur op. 106 („Hammerklaviersonate“)

11.03.2017, Samstag 20.00 Uhr · Villa Elisabeth Weltlich, geistlich, christlich? Sonaten: Es-Dur op. 7; As-Dur op. 26; Fis-Dur op. 78; As-Dur op. 110

05.04.2017, Mittwoch 19.30 Uhr · Pierre Boulez Saal Musik und Gesellschaft Sonate: D-Dur op. 10 Nr. 3; c-Moll op. 13 („Pathétique“); g-Moll op. 49 Nr. 1; G-Dur op. 49 Nr. 2; Es-Dur op. 81a („Les adieux“)

04.06.2017, Sonntag 19.00 Uhr · Großer Saal Epilog Sonaten: F-Dur op. 10 Nr. 2; f-Moll op. 57 („Appassionata“); G-Dur op. 14 Nr. 2; c-Moll op. 111