Pierre-Laurant Aimard in Hitzacker im Duo mit Klangkünstler. Foto: Marco Borggreve

Pierre-Laurant Aimard in Hitzacker im Duo mit Klangkünstler. Foto: Marco Borggreve

Pierre-Laurent Aimards Wanderklänge

Der französische Pianist wird im Park von Hitzacker versuchen, die Dimension des Standortes seines Instrumentes mit Hilfe von rund 20 Lautsprechern zu erweitern.

Pierre-Laurent Aimard gilt nicht nur als einer der größten Tastenkünstler unserer Zeit, sondern man erlebt ihn auch als Interpreten mit ganz besonders hellhöriger, klangästhetischer Vorstellungskraft. In Hitzackers Kurpark möchte der Franzose ein ganz besonderes Open-Air-Projekt verwirklichen.

Mithilfe von modernster Ton- und Übertragungstechnik (und Tonmeister Carsten Kümmel) wird er Werke von Johann Sebastian Bach, György Kurtág, Karlheinz Stockhausen und Olivier Messiaen in die dritte Dimension überführen und mit der Natur verschmelzen lassen.

Der 1957 in Lyon geborene Schüler von Yvonne Loriod lernte den Klangfarben- und Naturtonkomponisten Messiaen schon als Zwölfjähriger persönlich kennen und wurde zu dessen Lieblingspianisten. Auch mit Kurtág steht er in regem Kontakt und wird nach Hitzacker eine Erstaufführung mitbringen. Als langjähriges Mitglied des Pariser Ensemble Intercontemporain um Pierre Boulez wurde Pierre-Laurent Aimard zum zentralen Klavierkünstler der französischen Neue Musik-Szene.

Das Konzert selbst wird in gewissem Sinne eine Uraufführung sein. Es geht nicht darum, zu zeigen, was technisch möglich ist – das allein wäre durchaus beeindruckend. Die Technik wird vielmehr eingesetzt, den originalen Klang im Augenblick des Entstehens in eine neue Kunstform zu „überführen“. Etwas konkreter heißt das: Im Aufeinandertreffen von Alt und Neu (Barock trifft auf Musik des 20./21. Jahrhunderts) wird gleichzeitig das Klavier immer weiter ins Publikum, in den Park, in die Natur projiziert.

Zu Beginn wird das minimal sein. Bei Messiaens Vogelstücken gibt es beispielsweise die Anweisung, jedes Stück solle aus einer anderen Perspektive gespielt werden – normalerweise ist das im Konzert „nur“ imaginär möglich, mit Hilfe der besonderen Technik wird es hier tatsächlich realisiert werden. Kurtágs effektreiche und sparsame, aber auch heftige Musik wird ebenfalls besonders „aufbereitet“. Bei Stockhausen werden die zahlreichen im Park verteilten Lautsprecher (zwischen 16 bis 20 Stück) voraussichtlich am meisten zum Einsatz kommen. Für das Publikum entsteht open air ein Klangraum. Das zu Beginn „einsame“ Klavier auf der Bühne wandert gewissermaßen über die Wiese und durch das Publikum, in welcher Weise, wird jeweils abhängig von den gespielten Werken sein.