Wayne Shorter. Foto: Rudolf Uhrig

Wayne Shorter. Foto: Rudolf Uhrig

Porträts ohne Lokalpatriotismus

Als Einstimmung auf das 27. Worms: Jazz & Joy (16. bis 18. Juni 2017) zeigt die EWR AG eine Ausstellung des Wormser Fotografen Rudolf Uhrig. Das Besondere daran: Keine der Aufnahmen wurde in Worms aufgenommen, keiner der Künstler war je in Worms – und das ist so gewollt.

Zum 25-jährigen Jubiläum des Wormser Festivals, vor zwei Jahren, lag der Fokus einer Ausstellung mit Fotos von Rudolf Uhrig im Museum der Stadt Worms auf dem Rückblick auf ein Vierteljahrhundert Wormser Festivalgeschichte. Uhrig dürfte einer der Wenigen sein, der über das gesamte Festival-Œuvre im Bild verfügt.

Jetzt gibt er einen Blick „frei“ auf die derzeit absolut Größten dieses Musikgenres; der Titel daher: „Jazz-Giganten unserer Zeit“! Darunter Musiker wie Sonny Rollins, Wayne Shorter, Dave Holland, Pat Metheny, Manu Katché, Charlie Haden, Sade Adu, Herbie Hancock, Michael Bublé, Paul Anka, Van Morrison, Woody Allen, Roscoe Mitchell, Archie Shepp, Reggie Workman, Gregory Porter um nur einige wenige zu nennen. Über 70 Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen die Künstler in der „Uhrig eigenen Sichtweise:“

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ heißt es verkürzt nach Aristoteles. So ist auch Musik mehr als die Summe der Noten, mit der sie aufgeschrieben werden kann.

In seinen Jazz–Fotografien aber offenbart sich fast immer der Gesamteindruck im Detail, vermittelt das Detail mehr als die Summe des Ganzen. Selten sieht man auf seinen Bildern alles, was man meint sehen zu müssen, und doch fehlt nichts, erzeugt sich die Spannung, die in der Musik gelegen haben muss, die zu hören war, durch das Detail.

So bleibt sein fotografischer Blick nur auf den Händen des Pianisten, den zupackenden Fingern des Saxophonisten, den gespannten Saiten des Basses, den Lippen, den geschlossenen Augen konzentrierter Gesichter vor schwarzem Hintergrund, der sie wie eine alte Münze geprägt hervorhebt, liegen. Das Schwarz, das Nichts auf seinen Bildern, sieht er als Pendant zur Stille. Aber ab und an „geschwängert“ von buntem Licht und Rauch als visuellen „Signalen“ der Lebendigkeit.

Jazz ist nicht nur melancholisch, pointiert, sondern auch lustig und heiter, oft überbordend bunt und farbig, geträufelt mit vielen, vielen Klangnuancen. Auch das zeigen die Bilder, ganz in Schwarz-weiß.

Uhrigs Bildsprache und Ästhetik unterscheidet sich bewusst von der vieler anderer Jazz-Fotografen: „Ich suche die puren, klaren, reinen und wahren „klangBILDER.“ Sein Credo: „Ich tauche ein in die Szene, keine der Posen ist inszeniert, ich fotografiere was ich vorfinde. Aber ich überlasse es nicht dem Zufall, wohl bedacht und überlegt warte ich auf den richtigen Moment und arrangiere sorgfältig, nichts darf diesen Sekundenbruchteil stören.“ 

Rudolf Uhrig sagt zu seiner Motivation: „Jazz kann durch Eigenschaften wie Spontaneität oder Improvisation viele andere Künstler anstecken und in veränderter Form zurückgeben. Jazz gab und gibt Impulse zur Vorwärtsbewegung und Veränderung, das ist es was ich an dieser Musik und ihrer Interpreten spannend und aufregend finde.“

Die Ausstellung ist während den EWR-Öffnungszeiten, Montag (ab 12. Juni) bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 16 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr bis zum 30. Juni 2017 geöffnet.