Stadthalle Heidelberg. Foto: Sven Marten

Stadthalle Heidelberg. Foto: Sven Marten

Programm des Heidelberger Frühlings 2019

„Wie wollen wir leben?" So lautet die Leitfrage, die über dem Programm des Internationalen Musikfestivals Heidelberger Frühling im Jahr 2019 steht.

In der 23. Saison des Heidelberger Frühlings finden vom 16. März bis 14. April 2019 über 100 Veranstaltungen in 14 Spielstätten in Heidelberg statt. Damit wird die 2017 begonnene Trilogie zu Kernmotiven der Aufklärung beschlossen und wirft einen diskursorientierten und offenen Blick in die Zukunft. Über Kunst anregen, Zukunft aktiv zu gestalten – das ist der öffentliche Auftrag, dem sich der „Heidelberger Frühling" verschrieben hat.

Das multimediale Musiktheater „Castor&&Pollux" ist die größte Eigenproduktion seit Bestehen des Festivals 1997. Die immersive Produktion ist aus dem festivaleigenen „LAB" entstanden, das seit 2017 jungen Kreativschaffenden Raum für Ideen und Visionen gibt, um die Zukunft der musikalischen Aufführung zu gestalten. „Castor&&Pollux" setzt sich durch die Verwebung zweier Mythen – dem der griechischen Antike und dem der futuristischen Utopie des Transhumanismus – mit der Vision der menschlichen Unsterblichkeit auseinander. Die gleichnamige Barockoper von Jean-Philippe Rameau trifft auf ein interaktives „4DSOUND"-System, Mensch auf Maschine, antiker Mythos auf Posthumanes Zeitalter. Wie wollen wir mit den Errungenschaften der Technologie-Revolution leben, mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz? Es sind zentrale Fragen über die Zukunft unserer Gesellschaft, die hier im Mittelpunkt stehen. Das künstlerische Team setzt sich aus den drei Fellows des Festival-„LAB" Lisa Charlotte Friederich (Regie), Lukas Rehm (Musik, Videokunst) und Jim Igor Kallenberg (Dramaturgie) zusammen. Das Sängerensemble wird in Zusammenarbeit mit Génération Baroque zusammengestellt, das Instrumentalensemble aus Spezialisten der historischen Aufführungspraxis ausgewählt. Die musikalische Leitung hat Barbara Konrad. Die Uraufführung findet am 2. April 2019 in der Alten Aula der Universität Heidelberg statt.

Die Binnenfestivals des „Heidelberger Frühling" – „Neuland.Lied" (21.-24. März) und das Kammermusikfest „Standpunkte" (4.-7. April) entwerfen ein Zukunftsbild über die musikalische Retrospektive. „Neuland.Lied" beschäftigt sich 2019 vor dem Hintergrund der Leitfrage „Wie wollen wir leben?" mit dem politischen Lied. Dieser Begriff wird weit gefasst: Die Macht des Liedes lässt sich zu allen Zeiten politisch instrumentalisieren, im Guten wie im Schlechten. Es kann Gemeinschaft und Solidarität stiften, von utopischer Schönheit sein, Poesie und Witz versprühen, aber auch anti-aufklärerisch, abstumpfend und verdummend wirken. Für „Neuland.Lied" sind gemeinsam mit herausragenden Sängern wie Daniel Behle, Julian Prégardien oder Benjamin Appl eigens für das Festival entwickelte Programme entstanden, die die universelle Kraft des Liedes beleuchten.

Direkt im Anschluss an dieses intensive Lied-Wochenende wird Georg Friedrich Händels Oratorium „Israel in Egypt" mit dem Collegium 1704 aufgeführt. In der einführenden Podiumsdiskussion wird der dieses Jahr mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnete Ägyptologe Jan Assmann sprechen. Das Kammermusikfest „Standpunkte" steht 2019 unter der Überschrift „Lebensentwürfe". Gemeinsam mit dem langjährigen Freund und Partner des Festivals Igor Levit (Künstlerische Leitung der Kammermusik Akademie) sind Programme entstanden, die mit musikalischen Mitteln individuelle Lebensentwürfe aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachten. Sie tauchen unmittelbar in die Auseinandersetzung mit der Leitfrage des „Heidelberger Frühling" 2019 ein: Wie wollten wir leben, wenn wir in einem anderen politischen System existierten? Wie, wenn wir Kind wären? Welche Lebensentwürfe haben Extremisten und Attentäter? Dafür verbinden sich die StipendiatInnen der Kammermusik Akademie des „Heidelberger Frühling" und StipendiatInnen der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker mit arrivierten Künstlern wie u.a. Igor Levit, Markus Hinterhäuser, Alisa Weilerstein, Tianwa Yang, Alexej Gerassimez, Quatuor Tchalik, Quatuor Debussy, Mavie Hörbiger oder Sebastian Koch.

Die Festival Akademien – Lied, Kammermusik und Musikjournalismus – sind das Herzstück des Heidelberger Frühlings. Das Festival investitiert mit dieser Plattform in die Zukunft, es fördert die Akteure der Musik von Morgen. Im platonschen Sinne des Akademiegedankens bauen die Stipendiatinnen und Stipendiaten in den Akademien in ihrem Fach ihre Professionalität aus und haben die Möglichkeit, interdisziplinär zu netzwerken. In öffentlichen Meisterkursen, Workshops, Podiumsdiskussionen und Konzerten findet ein direkter Austausch mit dem Publikum statt. Leiter der Festival Akademien 2019 sind Thomas Hampson (Lied), Igor Levit (Kammermusik) und Eleonore Büning (Musikjournalismus), die u.a. der Cellist Leonard Elschenbroich, Geigerin Tianwa Yang oder Pianist und Professor für Liedgestaltung Hartmut Höll als Mentoren flankieren.

Auf den Bühnen des Heidelberger Frühlings werden wieder internationale Künstlergrößen zu Gast sein. Das Publikum erwarten Klavierprogramme mit Khatia Buniatishvili oder Yefim Bronfman, der beim Festival debütieren wird, Avi Avital in drei Konzerten mit dem New Yorker Kammerorchester The Knights, dem Venice Baroque Orchestra und Nuria Rial oder mit seinem Bruder Omer Klein in der MLP Late Night Lounge; Kammermusikabende mit Renaud Capuçon, David Fray, Nils Mönkemeyer, Alban Gerhardt oder dem Quatuor Debussy, Orchesterkonzerte mit dem Orchestra in Residence des Heidelberger Frühlings, dem Mahler Chamber Orchestra, mit Mitsuko Uchida oder Alexander Melnikov und Pablo Heras-Casado, mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, David Zinman und dem Festivalakademie-Alumnus Maximilian Hornung, dem Bergen Philharmonic Orchestra mit Truls Mørk, mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, Tatjana Ruhland und der Uraufführung eines Flötenkonzerts von Philipp David Hefti, der Amsterdam Sinfoniertta mit Harriet Krijgh, Anima Eterna Brugge und Chouchanne Siranossian oder den Münchner Philharmonikern mit Valery Gergiev und Anja Harteros, die ihr einziges Gastspiel mit dem Programm des Abends beim Festivalfinale des Heidelberger Frühlings 2019 geben.  

Zeitgleich mit dem Programm des Heidelberger Frühlings ist auch das Programm für das Heidelberger Streichquartettfest erschienen. Zum 15. Mal findet es statt, vom 24. bis zum 27. Januar 2019 mit insgesamt 16 Konzerten, Workshops und der langen Nacht in der Alten Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Im Zentrum steht das Opus 33 von Joseph Haydn. Das Markenzeichen des Streichquartettfests, das jedes Jahr ein Publikum aus der ganzen Welt nach Heidelberg zieht, ist sowohl die Begegnung zwischen Künstlern und Publikum als auch zwischen den Ensembles.

Zu Gast sind das deutsche Aris Quartett, die spanischen Ensembles Cosmos Quartet und Dalia Quartet, das Dudok Quartet aus den Niederlanden sowie das deutsch-koreanische Esmé Quartet. Die Workshops leitet der Geiger und Professor für Streicherkammermusik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien, Oliver Wille (Kuss Quartett).  

Von 6. bis 10. Februar 2019 wird zudem zum zweiten Mal der von Thomas Quasthoff ins Leben gerufene biennale Internationale Gesangswettbewerb „Das Lied" unter dem Dach des „Heidelberger Frühling" ausgetragen. Er gilt als einer der wichtigsten seiner Art und wartet mit einer hochkarätigen Jury auf: Unter dem Vorsitz von Thomas Quasthoff werden Juliane Banse, Lioba Braun, John Gilhooly (der Preisträger des Musikpreises des Heidelberger Frühlings 2019), Lawrence Langevoort, Charlotte Lehmann, Helga Machreich, Malcolm Martineau, Thorsten Schmidt und Richard Stokes ihre Expertise abgeben. Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von 37.000 Euro vergeben, darüber hinaus erhalten die Preisträger Auftritte bei renommierten Konzertveranstaltern und Musikfestivals sowie Förderung durch das Internationale Liedzentrum des Heidelberger Frühling.