Der neue Luzerner Intendant Benedikt von Peter startet mit Luigi Nonos Prometeo. Bild: Into Hohn

Der neue Luzerner Intendant Benedikt von Peter startet mit Luigi Nonos Prometeo. Bild: Into Hohn

Prometeo als intimes Experiment

Das ist mal eine Ansage: Der neue Luzerner Intendant Benedikt von Peter startet mit einem anspruchsvollen und hintergründigen Werk neuer Musik: Luigi Nonos Prometeo.

Mit «Prometeo» zeigt Benedikt von Peter zu Beginn seiner Intendanz am Luzerner Theater ein Paradestück großer Festivals. Nicht zufällig befasst sich Luigi Nonos letztes großes Werk mit Prometheus, dem mythologischen Erfinder und Retter der menschlichen Kultur. Prometheus, u. a. für Johann Wolfgang von Goethe oder Karl Marx einst Prototyp des aufbegehrenden Revolutionärs, kehrt im ausgehenden 20. Jahrhundert als ein anderer zurück. Als handelnde Person, als klar definierte Figur löst er sich in Nonos Komposition auf. Als Idee, als Hoffnung auf Veränderung der Verhältnisse richtet er sich auf das scheinbar Unspektakuläre: auf das Langsame und Leise.

Keine Geschichte wird in Luigi Nonos 1984 uraufgeführten Werk – das er mit dem Untertitel „Tragödie des Hörens“ versehen hat – erzählt, sondern es ist ein Versuch der Kommunikation, der Sensibilisierung, der Schärfung der Sinne und der Suche nach Klängen an der Grenze des Wahrnehmbaren.

Bisher als rein musikalisches Ereignis zum Lieblingsstück großer Festivals avanciert, findet es im Luzerner Theater zu Beginn der Intendanz von Benedikt von Peters im bisher kleinsten Raum statt, in dem «Prometeo» jemals zu hören war. Das an die Uraufführungssituation erinnernde, intime Experiment setzt die Klangskulptur in ein Globe-Theatre, in dessen Mitte sich die Zuschauerinnen und Zuschauer befinden – in einen egalitären Raum, in dem Erleben geteilt wird.

Hierfür wird der gesamte Bühnen- und Zuschauerraum des Luzerner Theaters in ein Globe Theatre wie zu Shakespeares Zeiten umgebaut. Zu Beginn der Intendanz von Benedikt von Peter steht der Wunsch eines Neubeginns, der Wunsch die Seh- und Hörgewohnheiten auf null zu stellen und sich neuen Begegnungen zu öffnen – mit dem Publikum, aber auch der Kunst. Sinnbildlich dafür steht eine Treppe vor dem Theater, über deren Stufen das Publikum durch die Fenster des unteren Foyers sicher und auf ungewohntem Weg den Theaterraum betritt.

Die Produktion ist vom 9. September bis 15. Oktober elfmal zu sehen und ist zudem der Startschuss zu einem fünfwöchigen Auftaktfest «Open Box» am Haus.