hr Bigband. Foto: Sascha Rheker/hr

hr Bigband. Foto: Sascha Rheker/hr

Protagonisten des europäischen Jazz

Zwei legendäre deutsche Jazzmusiker würdigt die hr-Bigband in der kommenden Saison: Volker Kriegel und Albert Mangelsdorff. „Eigentlich längst überfällig", findet Olaf Stötzler, Orchestermanager der hr-Bigband. Eine Saisonvorschau.

Den europäischen Jazz und seine Protagonisten zu präsentieren und diesen mit Künstlern jenseits des Atlantiks zusammenzubringen, ist ihm Anliegen und Verpflichtung zugleich: „Gerade durch jemanden wie Jim McNeely werden unsere Projekte durchaus auch in den USA wahrgenommen", sagt Bigband-Manager Olaf Stötzler.

Chefdirigent McNeely ist froh darüber, „zu sehen, dass die Europäer nicht einfach versuchen, die Amerikaner zu imitieren. Sie bringen ihre eigenen Erfahrungen in die Musik ein." Die hr-Bigband vereint in der Saison 2018/19 musikalische Genres von Fado bis Elektronik und von Bach'scher Klassik bis hin zu traditioneller indischer Musik. Künstler wie Brian Blade, Youn Sun Nah, Dave Holland, Cristina Branco, Phronesis, Theo Bleckmann und Somi werden zu Gast sein. Außerdem ist die hr-Bigband wieder beim großen Europa Open Air des hr-Sinfonieorchesters und der Europäischen Zentralbank an der Weseler Werft dabei und bereichert das Programm mit der litauischen Sängerin Viktorija Gecyte. Das Ensemble gestaltet zwei Konzertabende des 49. Deutschen Jazzfestivals und präsentiert als Hauptact „Soul am Römer" beim offiziellen Festakt zur Eröffnung der neuen Frankfurter Altstadt auf dem Römerberg.

Erstmals ist die hr-Bigband beim Multiphonics Festival im September dabei und spielt mit dem italienischen Klarinettisten Gianluigi Trovesi in Offenbach. Die im Januar begonnene Zusammenarbeit mit dem Gespann Bert Joris und Enrico Pieranunzi geht weiter – mit einer „Ode an Chet Baker". Anlässlich dessen 40. Todestags erinnert die hr-Bigband an den genialen Trompeter, der für sein makelloses, klares Spiel berühmt war.

Ein neuer Stern am Firmament des Jazz ist die Sängerin Somi. Die US-Amerikanerin mit zentralafrikanischen Wurzeln wurde schon als die „neue Nina Simone" bezeichnet. Nun betritt sie gemeinsam mit der hr-Bigband die Bühne der Alten Oper Frankfurt und verbindet ihr großes stimmliches Charisma und ihren weiten musikalischen Horizont mit den klanglichen Möglichkeiten eines Jazzorchesters. „Bach goes Bigband" heißt ein weiterer Konzertabend in der Alten Oper Frankfurt, bei dem die hr-Bigband zeigen wird, wie zeitlos sich das Bach'sche Werk auch für den orchestralen Jazz von heute eignet.

Ihre 32 Projekte wird die hr-Bigband in zahlreichen Konzerten nicht nur in Frankfurt präsentieren, sondern auch in Gießen, Darmstadt, Rüsselsheim, Bad Hersfeld, Offenbach, Aschaffenburg, Kassel, Fulda, Bad Nauheim, Heppenheim und Geisenheim. Überregional wird sie in bedeutenden Konzerthäusern zu Gast sein, wie dem Festspielhaus in Baden-Baden, dem Palais des Beaux Arts in Brüssel oder dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern. 

In der Saison 2018/19 wird Jim McNeely fünf Projekte mit der hr-Bigband präsentieren und freut sich auf das Wiederentdecken von Künstlern wie Albert Mangelsdorff: „Seine Platte ‚Albert Mangelsdorff and Friends' kam damals in den USA heraus. Ich dachte: Oh, dieser Typ kann spielen! Gleichzeitig hatte er einen ganz eigenen Sound... ". Ganz so wie der gebürtige Darmstädter Gitarrist Volker Kriegel. Zu seinem 75. Geburtstag erinnert die hr-Bigband an diesen Künstler, der sowohl als Musiker als auch als Zeichner seine ganz individuelle Handschrift entwickelte.

Als eines der wichtigsten Projekte der Spielzeit bezeichnet Programmmacher Olaf Stötzler die beiden Konzertabende mit Brian Blade & The Fellowship Band: „Ich glaube, dass Jim McNeelys Art zu schreiben perfekt zum Sound dieser Band passt." Für den Chefdirigenten und Arrangeur wird es nach eigenen Worten „eine spannende Herausforderung", da der Schlagzeuger Brian Blade seine komplette Band mitbringt und McNeely somit beide Ensembles musikalisch miteinander verbinden muss.

Mit „Remembering Zawinul" steht eine Wiederaufnahme auf dem Programm, bei dem diesmal der Keyboard-Virtuose und Spezialist für die analogen Sounds der Siebziger Roberto Di Gioia den Part an den Tasten übernimmt. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit dem Bassisten Dave Holland, „meinem Helden seit den Siebzigerjahren", wie Jim McNeely bekennt. Für die Fortsetzung dieser erfolgreichen künstlerischen Zusammenarbeit wird er weitere Titel des Briten neu arrangieren.

Wie schon in den vergangenen Jahren wird die hr-Bigband das Jazzfestival mit einem Konzert in der Alten Oper eröffnen: Unter dem Motto „Hut ab!" feiert sie den 90. Geburtstag des weltberühmten Frankfurter Jazzposaunisten Albert Mangelsdorff. Größen wie Joachim Kühn, Pierre Favre und Nils Wogram werden ihm seine musikalische Ehre erweisen. Jim McNeely wird seine Werke jazzorchestral arrangieren und mit der hr-Bigband auf die Bühne bringen. Zusammen mit dem Enfant terrible des Jazz Matthias Schriefl, der es versteht, Alpenfolklore, Jazz, Punk und Kammermusik zusammenzubringen, bestreitet die hr-Bigband den Festivaldonnerstag im hr-Sendesaal. Sie lässt sich von dem Allgäuer Trompetenvirtuosen ein Programm schreiben, das auch indische Gastmusiker integrieren wird. „The Mirror Suite" heißt das rund einstündige Werk von Christian Elsässer, einem der vielversprechendsten Arrangeure der jüngeren Generation, das er zusammen mit der hr-Bigband und dem Elektronikkünstler Leonhard Kuhn im hr-Sendesaal aufführen wird.

Im Juni 2019 bietet die hr-Bigband ein neues Format an: In einem rund einstündigen Konzert präsentiert sie Jazzmusik für Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 14 Jahren. Das Konzert widmet sich jeweils einem Thema, zum Beispiel einer bestimmten Epoche oder einem Instrument. Mit einer altersgemäßen Moderation gehen die jungen Besucher nun auf die Suche nach den Spuren des Jazz von seinen Ursprüngen in den Südstaaten der USA bis hinauf nach New York und Chicago.