Geballter Brahms mit dem Sinfonieorchester des NDR, nunmehr firmierend als NDR Elbphilharmonie Orchester. Bild: Klaus Westermann

Geballter Brahms mit dem Sinfonieorchester des NDR, nunmehr firmierend als NDR Elbphilharmonie Orchester. Bild: Klaus Westermann

"Resonanzräume der Brahmsschen Seele"

Alle vier Brahms-Symphonien sind an einem Nachmittag live im Konzert und auch auf NDR Kultur im Radio mitzuerleben: Thomas Hengelbrock und das NDR Elbphilharmonie Orchester konzentrieren sich mit musikalischen Gästen ganz auf Brahms.

Zum Abschluss des Internationalen Musikfests Hamburg widmet der NDR dem Komponisten Johannes Brahms ein ganzes Wochenende mit rund sieben Stunden seiner Musik. Thomas Hengelbrock, der NDR Chor, Artist in Residence Alexander Lonquich sowie dessen Kammermusikpartner Carolin Widmann, James Boyd, Nicolas Altstaedt und Cristina Barbuti machen den Sonnabend (21. Mai) in einer großen Soirée mit Kammer- und Chormusik des gebürtigen Hamburgers zum „Brahmstag“. Und am Sonntag (22. Mai) gibt es ab 16.00 Uhr alle vier Brahms-Sinfonien in einem einzigartigen Konzertmarathon mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter Thomas Hengelbrock zu hören.

NDR Kultur überträgt dieses sinfonische Mammutprojekt am Sonntag live im Radio. Als einen „Berufenen“, der „uns mit seiner wunderbaren Musik auf das allertiefste“ ergreift, beschrieb Robert Schumann den großen Komponistenkollegen. Andere lobten Brahms’ „Drang in die Tiefe“ (Philipp Spitta) oder seine „ungemein geschlossenen Kompositionen, die umso tiefer und reicher einem aufgehen, je mehr man sich in sie versenkt“ (Gustav Mahler). Und zu ebensolcher Versenkung in Brahms’ Musik lädt der NDR am 21. und 22. Mai ein.

„Brahms schafft wie kein anderer romantischer Komponist diese unglaubliche Balance zwischen Expressivität und Gefühl und einer wahnsinnig konstruktiven Kraft der Kompositionstechnik“, sagt Thomas Hengelbrock. In der Brahms-Soirée dirigiert er den NDR Chor in erlesener Chormusik des Sohns der Hansestadt. Die „Vier Gesänge“ op. 17 in Begleitung von zwei Hörnern und Harfe komponierte Brahms in Hamburg für einen von ihm gegründeten Frauenchor. Ebenfalls eng mit der Hansestadt verknüpft sind die „Fest- und Gedenksprüche“ op. 109, die hier erstmals einen Tag vor der Verleihung des Ehrenbürgerbriefs an Brahms erklangen.

Mit Klavierquartetten, Liedtranskriptionen, einem Klavierduo sowie Werken für Violine und Klavier stehen daneben Stücke auf dem Programm, die in besonderer Weise mit dem privaten Umfeld und dem Freundeskreis des Komponisten zu tun haben. So führen Carolin Widmann und Alexander Lonquich das Publikum mit drei Romanzen von Clara Schumann und Brahms’ Scherzo aus der „F.A.E.“-Sonate zunächst in das Jahr 1853, als Brahms erstmals mit den Schumanns sowie mit dem Geiger Joseph Joachim zusammentraf, dem diese beiden Stücke auf den Leib geschrieben sind. Es folgt das 1861 im damaligen Hamburger Vorort Hamm vollendete Klavierquartett Nr. 1, Brahms’ erstes großes Kammermusikwerk mit wahrhaft sinfonischen Dimensionen.

Die „Variationen über ein Thema von Robert Schumann“ für Klavier zu vier Händen wiederum sind eine Hommage an Brahms’ großen Mentor und Freund, der im Jahr 1856 verstorben war und über dessen letzten musikalischen Gedanken Brahms hier variiert. Artist in Residence Alexander Lonquich ist dabei einmal mehr im kongenialen Klavierduo mit seiner Frau Cristina Barbuti zu erleben. Außerdem spielt Nicolas Altstaedt, der das Publikum beim NDR Elbphilharmonie Orchester zuletzt mit seiner Interpretation vom Dutilleux’ Cellokonzert faszinierte, drei Lieder von Brahms in Bearbeitungen für Cello und Klavier.

„Ich glaube, wenn Brahms nicht zu meinen absolut bevorzugten Komponisten gehören würde, wäre ich als Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters fehl am Platz!“, versichert Thomas Hengelbrock. Für den zweiten Tag des Brahms-Wochenendes hat er sich ein außergewöhnliches Mammutprojekt vorgenommen: Ab vier Uhr nachmittags führt das NDR Elbphilharmonie Orchester unter seiner Leitung alle vier Brahms-Sinfonien in einem Konzertmarathon auf. „Brahms in Hamburg zu spielen bedeutet natürlich Eulen nach Athen zu tragen, aber die Gelegenheit, alle vier Sinfonien hintereinander zu hören, bietet sich auch hier nicht alle Tage“, so Hengelbrock. „Wenn man sie als Zyklus spielt, offenbart sich deutlich ihre totale Verschiedenartigkeit. Es ist eine wunderbare Reise durch vier verschiedene Resonanzräume der Brahmsschen Seele.“

www.ndr.de/orchester_chor/elbphilharmonieorchester/konzerte/Konzertmarathon-Brahms,brahms150.html