Starke Frauen bei Wagner mal anders - Liebesverbot in Leipzig. Foto: Kirsten Nijhof

Starke Frauen bei Wagner mal anders - Liebesverbot in Leipzig. Foto: Kirsten Nijhof

Richard Wagner und der Karneval

Ein lehrreiches Alternativprogramm zu Bayreuth bieten die Wagner-Festtage der Oper Leipzig. An des Meisters Geburts- und früher Lehrstätte gibt man die drei Frühwerke und eröffnet so die Perspektive darauf, dass auch Wagner mal klein angefangen hat. Und kurz.

Die diesjährigen Wagner-Festtage der Oper Leipzig stehen ganz im Zeichen der drei Frühwerke des Komponisten. Von Freitag, 20. Mai bis Sonntag, 22. Mai sind „Die Feen“, „Das Liebesverbot“ und „Rienzi“ zum ersten Mal seit dem Wagnerjahr 2013 als Zyklus zu sehen.

Die Oper Leipzig ist weltweit das einzige Opernhaus, das alle Frühwerke, die im Wagnerjahr in Kooperation mit den Bayreuther Festspielen (BF-Medien) produziert wurden, im Repertoire hat. Diese zeigen ganz unterschiedliche Facetten des Komponisten und schlagen einen Bogen von der Großen Romantischen Oper über die Große Komische Oper zur Grand opéra. Für musikalisch erstklassiges Niveau bürgt das Gewandhausorchester, das mit seiner romantischen Tradition für die Werke Richard Wagners prädestiniert ist.

„Das Liebesverbot“ ist Wagners einzige Große Komische Oper und der Auftakt der Wagner-Festtage am Freitag, 20. Mai, 19:30 Uhr. Das Libretto Wagners ist ein Bekenntnis zur Liebe jenseits aller gesellschaftlichen Regeln und Verbote. Hier trifft das ausschweifende Leben während des Karnevals in Palermo auf die moralischen Prinzipien des Statthalters Friedrich (Tuomas Pursio), der den Karneval verbieten will. Mit der Geschichte frei nach William Shakespeares „Maß für Maß“ entlarvt Wagner die bigotte Doppelmoral seiner Zeit. Die Inszenierung von Aron Stiehl zeigt den Gralshüter der heiligen Kunst von einer vollkommen anderen Seite und mit viel Humor. Im Graben für diese Aufführung steht Robin Engelen, erster Kapellmeister und Stellvertreter des Chefdirigenten am Opernhaus Graz.

Am Samstag, 21. Mai, 18 Uhr folgt die Romantische Oper „Die Feen“. Die erste vollendete Oper des zwanzigjährigen Komponisten zeigt deutlich, welche künstlerischen Eindrücke er bis dahin aufgenommen hatte. Erzählt wird die Liebesgeschichte zwischen dem Menschen Arindal (Endrick Wottrich) und der Fee Ada (Christiane Libor). Die Inszenierung und opulente Ausstattung des frankokanadischen Regieteams Barbe&Doucet bewegt sich zwischen der modernen Welt, der romantischen Zeit Wagners um 1830 und dem Mittelalter. Am Pult des Gewandhausorchesters steht der österreichische Dirigent Friedemann Layer, langjähriger Musikalischer Direktor des Orchestre National und der Opéra National von Montpellier sowie GMD in Mannheim.

Am Sonntag, 22. Mai, 15 Uhr gehen die diesjährigen Wagner-Festtage mit „Rienzi, der Letzte der Tribunen“ zu Ende. Die Uraufführung 1842 in Dresden war der erste große Erfolg des Komponisten und brachte ihm die ersehnte Position des Hofkapellmeisters ein. Das Stück erzählt die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Volkstribuns (Stefan Vinke) im mittelalterlichen Rom. Dabei wird dem Zuschauer die unkontrollierbare Dynamik der Masse ebenso vor Augen geführt wie die gefährliche Stilisierung scheinbarer Heilsbringer. Die Musikalische Leitung der Großen Tragischen Oper „Rienzi“ übernimmt der Erste Ständige Gastdirigent des Hauses Matthias Foremny.