tenthing. Foto: Daniel Weiseth Kjellesvik

tenthing. Foto: Daniel Weiseth Kjellesvik

"Rocksong so beeindruckend wie Sinfonie"

Zehn Blechbläserinnen, angeführt von der norwegischen Trompeterin Tine Thing Helseth, bilden das fotogene Ensemble, das jetzt im Festspielhaus Baden-Baden auftritt, wo man derlei öffentlichkeitswirksame Optik zu schätzen weiß.

 

Die Trompete hat es nicht leicht, denn das Konzertrepertoire für dieses Instrument ist nicht gerade groß. Wie gut, dass es wunderbare Bearbeitungen für das Instrument gibt. Die norwegische Ausnahme-Trompeterin Tine Thing Helseth stellt am Sonntag, 17. April 2016, um 18 Uhr gemeinsam mit dem von ihr gegründeten Brass-Ensemble tenThing gern gehörte und neu zu entdeckende Musik im Festspielhaus Baden-Baden vor.

„Die Trompete“, sagt Tine Thing Helseth, „ist sehr flexibel, bietet unendlich viele Möglichkeiten in punkto Klangfarben, Dynamik und Artikulation. Je länger ich mich mit ihr beschäftige, desto mehr Potenzial entdecke ich mit ihr zusammen. Deshalb liebe ich sie so sehr.“

Seit ihrem siebten Lebensjahr spielt die 1987 geborene Norwegerin Trompete. Im Alter von 19 Jahren bekam sie dann beim Eurovision Young Musician Contest 2006 den zweiten Preis verliehen und wurde dank des im Fernsehen ausgestrahlten Preisträgerkonzerts mit den Wiener Symphonikern über Nacht berühmt. Heute füllt die junge Musikerin, der als Nachwuchskünstlerin des Jahres 2013 der „ECHO Klassik“-Preis verliehen wurde, Konzertsäle auf der ganzen Welt.

2007 gegründete Tine Thing Helseth ihr zehnköpfiges Brass Ensemble, das von der Trompete bis zur Tuba ausschließlich mit Frauen besetzt ist und mit ansteckender Spielfreude und virtuoser Brillanz weltweit begeistert. „Angefangen hatte alles zunächst mit vier Trompeterinnen“, erinnert sich die Musikerin. Doch da es in Norwegen eine erstklassige Szene gerade an Blechblas-Musikerinnen gibt, reifte bald der Plan, großformatiger in die Männerdomäne vorzustoßen. Seitdem gastiert Tine Thing Helseth mit tenThing, wie sich das in Norwegen beheimatete Brass-Tentett nennt, bei international renommierten Festivals – und auch im Baden-Badener Festspielhaus, wo die Damen mit ihren vier Trompeten, vier Posaunen sowie Horn und Tuba ebenfalls erwartet werden: mit unkonventionellen Klassikarrangements bekannter Werke wie George Bizets „Carmen“-Suite, Wolfgang Amadeus Mozarts „Rondo alla turca“ und beliebten Stücken aus Kurts Weills „Dreigroschenoper“.

Für besondere Akzente werden zudem „Verano Porteno“ und „Oblivion“ von Astor Piazzolla sorgen, der als Begründer des „Tango nuevo“ in die Musikgeschichte einging, indem er Elemente der  klassischen europäischen Musiktradition mit der argentinischen Folklore und dem Jazz mischte. Eine aufregende stilistische Symbiose, von der auch die beiden genannten Werke leben: In letzterem, das Piazzolla 1984 für den Film „Enrico IV“ von Marco Bellocchio komponierte, changiert die Musik zu Beginn zwischen Trauer und Fröhlichkeit, bevor sie unaufhaltsam ihrem Höhepunkt entgegensteuert.

Vielleicht hat tenThing auch noch die eine oder andere Überraschung im Festspielhaus parat: „Musik ist Musik, egal ob Klassik oder Pop, wir können von allem etwas lernen“, so Tine Thing Helseth. „Wenn jemand einen  Rocksong schreibt, den die Leute auch nach 50 Jahren noch singen oder vor sich hin summen, beeindruckt mich das genauso wie eine Sinfonie.“