Christoph Prégardien. Foto: Gunnar Geller Warnermedia

Christoph Prégardien. Foto: Gunnar Geller Warnermedia

"Rückhaltlos, immer" – Christoph Prégardien ist 60

Christoph Prégardien wird am 18. Januar 60 Jahre alt - oder wenn man bei der Kategorie der Zeit den Klang seiner Stimme zu Grunde legt: 60 Jahre jung. FONO FORUM bat seinen Freund und künstlerischen Weggefährten Michael Gees um ein paar persönliche Worte zu Prégardien.

Dass einer der größten deutschen Sänger der Gegenwart seine wichtigen Aufnahmen nicht bei einem der Major-Labels veröffentlicht, ist eines der Zeichen unserer Zeit. Und gleichzeitig passt genau dies zu Christoph Prégardien, dem Überzeugungssänger, der als einer der ersten die stimmlich ideale Schnittmenge von lyrischem Opernfach, Alter Musik und Kunstlied neu definiert hat mit seiner fein timbrierten und oberklangreichen Stimme, die live noch einmal ganz andere Wahrnehmungen ermöglicht, als seine Aufnahmen zulassen.

Prégardiens Leistung im Studio sei dadurch nicht geschmälert, sondern lediglich betont, dass die menschliche Stimme sich dem Ohr im Raum anders, eben menschlicher nähert, als durch die besten technischen Apparturen verewigt. Seine Diskografie, angefangen bei den Teldec-Aufnahmen mit Andreas Staier bis zu den jüngsten Einspielungen bei Challenge Classics, ist ein Schatz an künstlerischen Erfahrungsmöglichkeiten.

Dieses Singenwollen im Hier und Jetzt ist vielleicht eines jener Geheimnisse, die Prégardien in die Nähe des Wirkens von Dietrich Fischer-Dieskau rückt. So extrem wie jener verlässt Prégardien zwar fast nie die Linie. Aber auch er kann sich Kraft seines souveränen Könnens erlauben, sich von der Musik zu Ausbrüchen verleiten zu lassen. Und wem würde man die Verzierungen, die er auch Schubert-Liedern angedeihen lässt, als so glaubhaft der künstlerischen Aussage geschuldet abnehmen wie Prégardien?

FONO FORUM bat Prégardiens langjährigen Begleiter, den Pianisten Michael Gees, mit dem einige der bewegendsten Aufnahmen des Tenors entstanden sind, um eine persönliche Würdigung, die hier im Wortlaut wiedergegeben sei:

"Aus meinen vielen Gründen, Christoph dankbar zu sein, wähle ich zwei. Zum einen hat er mich an seiner Seite werden lassen, was ich habe werden wollen, auch und manchmal gerade dann, wenn mir selbst mein Wollen noch undeutlich war.

Ich habe ihn – oft genug gegen nicht unbeträchtlichen Widerstand – als kritischen Gefährten und Freund letztlich stets an meiner Seite gefunden. Zum anderen seine Treue zu bedingungsloser künstlerischer Wahrhaftigkeit. Christoph gibt, was er auf dem Herzen hat, rückhaltlos, immer.

Dass ihm ein Konzert oder ein Publikum einmal 'nicht so wichtig' war, dass er es an Hingabe hätte fehlen lassen, dass er jemals so getan hätte, als ob: in 30 Jahren habe ich das nicht ein einziges Mal erlebt. Wann immer wir zusammen Musik gemacht haben, waren Bewunderung, Stolz und Respekt Motive meines Zuspiels an ihn. Es ist ein Privileg, Christoph Prégardiens Freund und Bühnenkollege zu sein."

Gees gehört neben Andreas Staier und Julius Drake zu den wichtigsten musikalischen Partnern von Christoph Prégardien, der darüber hinaus mit vielen Dirigenten zusammengearbeitet hat, die vielen Zeitgenossen einen neuen, emotionalen Zugang zur Barockmusik und ihrer körperlich-affekthaften Unmittelbarkeit ermöglichst haben. Prégardien hat dabei ganz nebenbei auch einen neuen Typen Bachtenor mitkreiiert, einen männlich-vitalen, bei dem auch die seelische Reklexion ein definierbares musikalisches Statement bleibt.

Jüngst erschien Prégardiens Aufnahme mit den Lieder von Franz Schubert auf Texte des Dichters Ernst Schulze beim Label Challenge Classics, am Klavier: Julius Drake. Eine Rezension dieser Aufnahme erscheint im März-Heft des FONO FORUM. Für den Moment bleibt nur zu sagen: Herzlichen Glückwunsch, Christoph Prégardien!