Treppenhaus Schluss Augustburg. Foto: Jörg Hejkal

Treppenhaus Schluss Augustburg. Foto: Jörg Hejkal

Schloss Augustusburg in Brühl

Seit mehr als sechs Jahrzehnten bildet das von Balthasar Neumann prunkvoll barock ausgestaltete Treppenhaus in der UNESCO-Welterbestätte einen so ungewöhnlichen wie stimmungsvollen Rahmen für Konzerte

Musik und Architektur verschmelzen zum Gesamtkunstwerk, wenn Schloss Augustusburg in Brühl zum Konzertort wird. . Insbesondere Musik aus der Entstehungszeit des Schlosses kommt hier zur Aufführung. Vom 11. Mai 2019 bis zum 16. Februar 2020 werden das Schloss, der Schlosspark und die umliegenden Kirchen zu Spielstätten für insgesamt 33 Konzerte und zwei musiksynchrone Feuerwerke. Auf fünf Konzertwochenenden im Mai und Juni, deren Programme sich von Barock bis Romantik bewegen, folgt vom 16. bis 25. August das jährlich stattfindende und mittlerweile weltweit einzige Haydn-Festival. In den Wintermonaten lädt die vierteilige Reihe „Bach um vier“ dazu ein, Johann Sebastian Bachs musikalisches Universum in moderierten Nachmittagskonzerten zu entdecken. Der Vorverkauf für alle Konzerte und die Feuerwerke beginnt am 15. Februar. 
 
Die Abo-Konzerte der Brühler Schlosskonzerte 2019 Die historisch musizierende Capella Augustina eröffnet unter der Leitung von Andreas Spering die Konzertsaison und die sechsteilige Abonnementreihe mit einem reinen Mozart-Programm (11./12.5.). Solistin des u.a. auf dem Programm stehenden Violinkonzerts KV 211 ist die gefeierte französische Geigerin Chouchane Siranossian. Mit einem Beethoven-Recital stellt sich der junge Pianist Fabian Müller bei den Brühler Schlosskonzerten vor (25./26.5). Er stammt – wie Beethoven – aus Bonn und gab letztes Jahr seine Debüts in der New Yorker Carnegie Hall und in der Hamburger Elbphilharmonie. Anfang Juni schließt sich das G.A.P. Ensemble, das eigentlich als Trio bekannt ist, mit renommierten Musikerkollegen zusammen, um in Schloss Augustusburg einen exquisiten barocken Orchesterklang entstehen zu lassen. Höhepunkt ihres Programmes: Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 5 (1./2.6.). Sternstunden der Kammermusik versprechen die beiden Abende mit dem Mozart Piano Quartet zu werden, das romantische Klavierquartette von Schumann und Brahms im Gepäck hat (15./16.6.). Auf den Spuren von Händel und Vivaldi wandelt das Ensemble des 18. Jahrhunderts, das sich um die Oboistin Susanne Regel gruppiert (29./30.6.).
 
Facettenreich präsentiert sich das diesjährige Haydn-Festival, zu dem sein Künstlerischer Leiter Andreas Spering einige der besten Alte-Musik-Ensembles eingeladen hat, die Europa derzeit zu bieten hat. Zum Auftakt des Festivals steht Spering selbst am Dirigentenpult und es musiziert das Festivalorchester Capella Augustina. Auf dem Programm stehen Werke von Joseph Haydn und Franz Schubert sowie die Uraufführung von „Six country dances lost“, einem Werk von Walter Zimmermann, das sich auf eine verlorene Komposition Joseph Haydns bezieht. Dies ist der dritte Teil einer Auftragskompositionsreihe des Haydn-Festivals. Sieben weitere Uraufführungen folgen in den kommenden Jahren (16.8.). Grund zur Freude ist das Brühler Debüt des Pianisten Christian Zacharias, der seit Jahrzehnten die Musikwelt prägt. In seinem Solokonzert zieht er Parallelen zwischen Bach und Haydn (17.8.).

Eine weitere spannende Gegenüberstellung präsentiert die in Köln ansässige Compagnia di Punto: Mit ihren historischen Instrumenten spielen die Musiker Beethovens „Eroica“ und Haydns Sinfonie Nr. 53, die den Beinamen „L’Imperiale“ trägt (18.8.). Das Finnish Baroque Orchestra stellt in seinem Konzert die Musikzentren Moskau und Sankt Petersburg zur Zeit von Haydn und Mozart vor (19.8.). Die Capella Cracoviensis, die bereits in der Vergangenheit bei den Brühler Schlosskonzerten begeisterte, kehrt zurück und geht den musikalischen Verbindungen zwischen Haydn und Mozart nach (20.8.). Eine besondere Haydn-Expertise hat sich das Quatuor Cambini aus Paris erworben, das in einem Großprojekt sämtliche Streichquartette von Haydn zur Aufführung bringt. Eines davon präsentiert das Ensemble in seinem Brühler Konzert, kombiniert mit je einem Quartett von Mozart und Beethoven (21.8.). Aus London reist das weltberühmte Alte-Musik-Ensemble The English Concert an und begleitet die Sopranistin Sarah Traubel bei Arien von Haydn und Mozart, die zu den Perlen des Vokalrepertoires zählen (22.8.). Die Hofkapelle München verbindet in ihrem Konzert Haydns berühmte „Abschiedssinfonie“ mit Werken der Freunde Cannabich und Mozart (23.8.). Zum Abschluss des Haydn-Festivals (24./25.8.) stehen gleich zwei der sehr groß angelegten Werke Haydns auf dem Programm: In Schloss Augustusburg erklingt die selten aufgeführte Oper „L’Incontro Improvviso“, in der Haydn den Stoff der „Entführung aus dem Serail“ vertonte – übrigens lange bevor Mozart seine so betitelte Oper komponierte. Die Kirche St. Margareta wird an denselben Abenden zur Aufführungsstätte für Haydns berühmtestes Werk, das Oratorium „Die Schöpfung“. In der Schlosskirche bringt unterdessen das Ensemble Hamburger Ratsmusik seltene historische Instrumente wie das Baryton und das Pardessus de Viole zum Klingen.
 
Zwei musiksynchrone Feuerwerke im Brühler Schlosspark bilden traditionell den funkelnden Höhepunkt des Haydn-Festivals: Im Anschluss an die Konzerte am 24. und 25. August wird um 22 Uhr synchron zur „Feuerwerksmusik“ von Händel ein eindrucksvolles Boden-, Terrassen- und Höhenfeuerwerk choreografiert. Es musiziert das Neue Rheinische Kammerorchester unter der Leitung von Gerhard Peters, während der mehrfache Feuerwerksweltmeister Helmut Reuter für das perfekte Timing des rund halbstündigen Lichterspektakels sorgt. Wer zuvor in den Genuss eines musikalisch-kulinarischen Vorprogramms kommen möchte, bucht ein viergängiges Konzert-Menü mit dem Duo Guitartes im Restaurant im Brühler Kaiserbahnhof. Die langjährige Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk im Rahmen der Reihe „WDR 3 Alte Musik in NRW“ wird 2019 mit einem Sonderkonzert am 14. Juni fortgesetzt. Das Konzert des katalanischen Vokalquartetts Cantoría lädt ein zu einem feurig-musikalischen Ausflug in die spanische Renaissance ein.
 
Eine Besonderheit in diesem Jahr: Es werden auch Konzerte in der kalten Jahreszeit angeboten. „Bach um vier“ heißt die vierteilige Konzertreihe, in der Kantaten und Kammermusikwerke Johann Sebastian Bachs in der Brühler Schlosskirche erklingen. Erläuterungen zur textlichen und musikalischen Bedeutung der Werke sollen dem Publikum helfen, die Kompositionen besser zu verstehen und die Musik dadurch umso mehr zu genießen.