Edgar Eller, Hans-Joachim Gögl @Weigert.jpg Edgar Eller, Hans-Joachim Gögl @Weigert.jpg

Edgar Eller, Hans-Joachim Gögl @Weigert.jpg

Schluss, Ende, aus und vorbei

Zum Jahresausklang präsentieren sich die „Montforter Zwischentöne" im dritten Jahr ihres Bestehens mit einem Thema, das einen Abschluss vortäuscht.

In der dritten und letzten Runde des Jahres vom 2. bis 18. November 2017 begegnen sich unter dem Untermotto „Spätwerke, Testamente, Bewunderungen" in Feldkirch unterschiedlichste Gedanken, Szenen, Filme und Veranstaltungen um das Thema „Schluss". Gleichzeitig sind diese „Zwischentöne" eine Rückschau auf die vergangenen drei Jahre, denn im Februar 2015 startete die Reihe mit dem Titel „anfangen – Über das Beginnen" und einer Vereinbarung für drei Jahre. Diese Zeit ist nun mit acht unterschiedlichen Schwerpunkten vergangen und die aktuellen Zwischentöne schließen den Kreis mit einem Reigen virtuoser Schluss-Szenen. Gleichwohl stellt dieser Schluss nur einen vorläufigen dar, denn die Vereinbarung mit dem Montforthaus Feldkirch wurde um weitere drei Jahre verlängert.

„Unser Ziel war, eine neue Festivalform zu entwickeln, die Alltagskultur und Musik in Formaten verbindet, die unmittelbare ästhetische Erfahrungen ermöglichen. (...) Fast alle Ereignisse der Zwischentöne waren und sind deshalb Neuentwicklungen – bezogen auf das Hier und Jetzt des Landes, die in Feldkirch erstmals aufgeführt wurden", beschreiben die Künstlerischen Leiter der „Montforter Zwischentöne" Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde die Zielsetzung, die das Festival in der Vergangenheit bestimmte und auch in Zukunft leiten soll.

Eröffnet wird die diesjährige dritte Ausgabe mit dem traditionellen „Gruß aus der Küche", bei dem die beiden Kuratoren Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde am 2. November um 19.00 Uhr das Programm vorstellen, ein Gespräch mit dem Architekten Georg Bechter führen – der die Pop-up-Bühne in dem „außen gediegenen, innen überraschend rohen Jugendstil-Kleinod" (Zitat Bechter) im Gymnasiumhof für vier Tage in eine Turnhalle für kulturelle Gymnastik verzaubert – und den leidenschaftlichen Cineasten Wolfgang Mörth vorstellen, dessen Film „Happy End" über die besten Schlussszenen aus legendären Hollywood-Blockbustern direkt im Anschluss um 20.00 Uhr seine Welturaufführung feiern wird.

Weltbekannt ist Franz Schuberts „Unvollendete", die nach dem zweiten Satz endet. Aus dem gleichen Zeitraum, jedoch vollendet, hinterließ er das Streichquintett in C-Dur, das in seiner fast außerirdisch wirkenden, unvergänglichen Schönheit für viele der Inbegriff des Vollendeten ist. Das „epos:ensemble" und Annekatrin Hentschel präsentieren am 17. November um 20:00 Uhr im Montforthaus einen moderierten Konzertabend, in dessen Mittelpunkt dieses Streichquintett mit seinen historischen Hintergründen und den Erfahrungen der Musikerinnen und Musiker zu Spätwerken, dem Unvollendeten und Vollendeten steht.

John Dowlands „Lachrimae – Sieben Tränen" aus dem Jahr 1604 gehört zu den absoluten Höhepunkten der englischen Renaissancemusik. Unter dem Titel „Ich hab den Kampf gekämpft, den Lauf vollendet" findet am 18. November um 20:00 Uhr im Montforthaus ein Dialog für Gamben-Ensemble und drei Forschende der letzten Lebensphase statt: Der ehemalige Pastor und Professor für Soziologie an der Universität Gießen, Reimer Gronemeyer, die Zisterzienser-Äbtissin Maria Hildegard Brem und die bekannte österreichische Psychoanalytikerin Ute Karin Höllrigl diskutieren über persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse rund um Versuch und Vergeblichkeit des Vollendens. Über Weisheit und die Freiheit des Lebens vor dem Tod. Das Ensemble Hathor Consort gestaltet mit fünf Gambisten und einer Lautenistin Auszüge aus Dowlands Meisterwerk dazu.

Das alljährlich stattfindende Format „Salon Paula" ist der Botschafter der „Montforter Zwischentöne" im ganzen Land. Jeder kann sich für einen besonderen Gast zu einem Salon-Abend im eigenen Freundeskreis bewerben. Dieses Mal gehen Musiker und Expert auf Wanderschaft in Privathäuser und -wohnungen und beleuchten den Bereich Schlussmachen, das große Finale oder Testament, gute und faule Kompromisse, Schlussakkord und Zugabe. Bewerbungen werden unter salon@montforterzwischentoene.at mit Kontaktdaten und einigen Zeilen, warum man Gastgeber werden möchten, entgegen genommen.

Weitere Veranstaltungen dieser „Montforter Zwischentöne": Am 3. November um 20:00 Uhr erläutert der führende Alters-Psychologe und Philosoph Andreas Kruse am Beispiel Johann Sebastian Bachs in einem Klavier-Vortrag „Wie es gelingt, erfüllt zu altern". Am 4. November um 20:00 Uhr improvisiert der österreichische Schriftsteller und Gelehrte Franz Schuh über Bücher mit dem Thema des Vollendens in „Franz Schuh ordnet eine Bibliothek", die Cellistin Margarethe Deppe begleitet und kommentiert den Vorgang musikalisch. Am 5. November um 11:00 Uhr sind in der „Schachmatt|inee: Glanzpartien" verblüffende Juwelen der Schachgeschichte mit Saxophon-Begleitung zu erleben; ebenfalls am 5. November erklingen um 20:00 Uhr in „Die ultimativ letzte Nummer" die Lieblings-Schlussstücke aus der Plattensammlung zweier prominenter Musikliebhaber.